23. September 2017

Autopsieergebnis mit ungewöhnlicher Ursache

Juckreiz und Schwindel mit tödlichen Folgen

Ein Mann Ende 70 geht an einem Winterabend in die Apotheke, um sich ein Mittel gegen Juckreiz zu besorgen. Wenig später findet ihn ein Polizist teilnahmslos auf der Straße sitzend. Obwohl er den Patienten noch in die Klinik bringt, verstirbt dieser kurze Zeit später. (Lesedauer: ca. 2 Minuten)

Die folgende ungewöhnliche Kasuistik wurde im International Journal of Legal Medicine veröffentlicht 1 und von Christoph Renninger für Sie aufbereitet.

Pruritus, Benommenheit und Bewusstlosigkeit

An einem kalten Tag (6,6°C Außentemperatur) im Februar macht sich der ältere Mann am Abend auf den Weg in die Apotheke, da er am ganzen Körper einen starken Pruritus verspürt. Zudem leidet er unter Schwindelgefühlen und fühlt sich benommen. Ansonsten ist er körperlich gesund und hatte noch keine schweren Krankheiten.

Nachdem er das Medikament gekauft hat, kommt er jedoch nicht wieder zu Hause bei seiner Lebensgefährtin an. Etwa drei Stunden nach Verlassen der Apotheke wird der Mann von einem Polizisten auf der Straße sitzend aufgefunden und kann keine Auskunft über seine Adresse geben. Da er jedoch seinen Ausweis bei sich hat, will ihn der Polizist nach Hause bringen.

Schwere Unterkühlung und Tod in der Klinik

Während der Fahrt verliert der Rentner plötzlich das Bewusstsein und wird daraufhin in eine Klinik gebracht. Noch auf dem Weg dorthin kommt es zum Kreislaufstillstand. Bei der Ankunft im Krankenhaus beträgt seine Körpertemperatur nur noch 26,4°C. Trotz Anwendung einer Herz-Lungen-Maschine und einer Bluttransfusion, verstirbt der Patient in den frühen Morgenstunden.

Autopsie mit ersten Auffälligkeiten

Etwa 30 Stunden nach dem Tod wird eine Obduktion durchgeführt. Äußerlich finden die Pathologen keine Auffälligkeiten: Der Patient war gut ernährt und wog (47,1 kg bei einer Körpergröße von 1,52 m. Jedoch ist die Haut am ganzen Körper stark pigmentiert und weist überall, mit Ausnahme des Gesichts, kleine Läsionen und Narben auf.

Bei der Untersuchung der Organe finden die Gerichtsmediziner Ödeme in beiden Lungenflügeln und eine leichte Hypertrophie des linken Ventrikels, aber keine Aortenstenose. Der Magen-Darm-Trakt ist unauffällig, es liegen keine Wischnewsky-Flecken vor und der Patient litt an keinem Magengeschwür oder einem Tumor.

Die Ärzte stellen jedoch fest, dass Leber, Milz und beide Nieren stark anämisch sind, eine Vergrößerung der Organe liegt hingegen nicht vor. Außerdem kann die Expression von Perilipin-2 (ADRP) in den Nierentubuli nachgewiesen werden, einem Protein, das bei der Bildung von Lipidtropfen eine Rolle spielt.

Histopathologisch fallen außerdem fehlende Eisenspeicher und eine erhöhte Zahl an Erythroblasten im Knochenmark auf. Die Befunde des Gehirns, der Lymphknoten und der übrigen Organe sind unauffällig.

Blutanalyse gibt weitere Hinweise

Die Untersuchung des Serums zeigt folgende Ergebnisse:

  • Hämoglobin: 7,5 g/dl [Normwert: 13,5-17,6 g/dl]
  • Gesamtprotein: 5,7 g/dl [6,7-8,3 g/dl]
  • Albumin: 2,5 g/dl [3,8-5,2 g/dl]
  • C-reaktives Protein: 0,36 mg/dl [<0,30 mg/dl]
  • Prokalzitonin: 0,03 ng/ml [<0,05 ng/ml]
  • Alkohol: <0,1 mg/ml
  • Toxikologie: negativ

Kleidung liefert den entscheidenden Hinweis

Als die Gerichtsmediziner jedoch die Kleidung des Verstorbenen näher untersuchen, finden sie die erstaunliche Erklärung für die Obduktionsergebnisse. Was Sie genau herausfanden, lesen im zweiten Teil des Beitrags.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren

  1. Nara A et al. An unusual autopsy case of lethal hypothermia exacerbated by body lice-induced severe anemia. International Journal of Legal Medicine 2016; 130: 765-769.

Bildquelle: © IdealPhoto30-istockphoto.com

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.
 
coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653