26. Januar 2018

Bauarbeiter mit akuter Hepatitis: Fallauflösung

Nach Ausschluss mehrerer Alternativen erinnern sich die Ärzte, dass der 50-Jährige angegeben hat, seit drei Wochen täglich vier bis fünf Energy-Drinks zu trinken, um seine Arbeitsaufgaben besser zu bewältigen. (Lesedauer: 2 Minuten)

Dieser Beitrag beruht auf einer Kasuistik aus BMJ Case Reports und wurde von Christoph Renninger für Sie zusammengefasst.1

Niacin: Toxisch in hoher Dosis

Energy-Drinks enthalten meist eine Mischung aus B-Vitaminen (v.a. B 3, B 6, B 9 und B 12) und weiteren Stoffen wie Taurin, Koffein, Glucuronsäure, Malat, N-Acetyl-L-Tyrosin oder CDP-Cholin. Aufgrund der hohen Konzentrationen besteht das Risiko der Akkumulation und toxischer Nebenwirkungen. Niacin (Vitamin B 3 ) ist die einzige enthaltene Substanz, von der eine hepatotoxische Wirkung bekannt ist.

Die Toxizität wirkt direkt auf Leberzellen und ist dosis-abhängig. Bei einer täglichen Dosis von >500 mg kommt es bei 20% der Konsumenten zu einem Anstieg der Transaminasen. Michael K. liegt mit 160-200 mg/Tag zwar unter diesem Wert (eine Dose enthält 40 mg Niacin, 200% des empfohlenen Tagesbedarfs), aufgrund des Konsums über drei Wochen kommt es jedoch zu akkumulierenden Effekten. Möglicherweise beeinflussen zudem andere Inhaltsstoffe die Wirkung.

In den Laborergebnissen zeigt sich die Niacin-Toxizität primär hepatozellulär, seltener mit Veränderungen der Cholestase. Zudem ist der Anstieg der Aspartat-Transaminase deutlich stärker als der der Alanin-Transaminase.

Supportive Therapie und engmaschige Kontrolle

Die Therapie erfolgt durch den Entzug der entsprechenden Substanzen, was in den meisten Fällen zu einer Verbesserung der Symptome führt. Gleichzeitig sollte eine regelmäßige Überprüfung der Leberwerte erfolgen, um die hepatotoxische Wirkung zu überwachen.

Im Fall von Michael K. werden neben einer supportiven Therapie die stimulierenden Getränke abgesetzt. Tägliche Leberfunktionstests sollen sicherstellen, dass kein Leberversagen auftritt. Drei Tage nach der Einweisung in die Klinik bessern sich die Symptome und Michael K. kann bereits nach sechs Tagen die Klinik verlassen. Bei einer Kontrolluntersuchung zwei Wochen später ist der Transaminasen-Anstieg komplett verschwunden und der Patient hat keine weiteren Beschwerden.

Nahrungssupplemente nicht ohne Risiko

Fast die Hälfte aller Fälle von akutem Leberversagen sind auf Medikamente zurückzuführen, wobei auch pflanzliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel dazuzählen.3 Da Patienten die Einnahme von Supplementen in den meisten Fällen nicht erwähnen, ist die Diagnose oft eine Herausforderung und erfolgt meist als Ausschlussdiagnose.

Insbesondere Patienten mit einer bestehenden Lebererkrankung sollten Energy-Drinks, die Niacin enthalten, nur mit Vorsicht konsumieren. Bei einer ungeklärten akuten Hepatitis sollten Ärzte auch die potenziellen Nebenwirkungen von Energy-Drinks im Hinterkopf behalten und nach deren Konsum fragen.

Mehr zum Thema Nahrungsergänzungsmittel lesen Sie auch in unserem Beitrag Nahrungsergänzungsmittel: Höchstmengen für Mineralstoffe festgelegt>>

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  1. Harb JN et al. Rare cause of acute hepatitis: a common energy drink. BMJ Case Rep 2016; doi:10.1136/bcr-2016-216612
  2. Vivekanandarajah A et al. Acute hepatitis in a woman following excessive ingestion of an energy drink: a case report. J Med Case Rep 2011; 5: 227.
  3. Navarro VJ et al. Liver injury from herbal and dietary supplements in the U.S. Drug-Induced Liver Injury Network. Hepatology 2014; 60(4): 1399-1408.

Bildquelle: © Andrey_A-istockphoto.com

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