26. Januar 2018

50-Jähriger im Stress: Fatales Verhalten führt zur Hepatitis

Seit zwei Wochen hat der 50-jährige Michael K. gastrointestinale Beschwerden. Als sich zudem ein Ikterus entwickelt, sucht er eine Klinik auf. (Lesedauer: 2 Minuten)

Dieser Beitrag beruht auf einer Kasuistik aus BMJ Case Reports und wurde von Christoph Renninger für Sie zusammengefasst.1

Ikterus und dunkler Urin

Die vergangenen Wochen sind für den Bauarbeiter ziemlich anstrengend gewesen. Während einer arbeitsintensiven Phase auf der Baustelle, fühlt er sich unwohl und leidet unter Appetitlosigkeit und Bauchschmerzen. In den folgenden Tagen kommt es außerdem zu Übelkeit und Erbrechen. Michael K. vermutet zunächst einen grippalen Infekt.

Doch als ein Ikterus an den Skleren auftritt und der Urin sich dunkel verfärbt, sucht der 50-Jährige eine Klinik auf.

Michael K. hat sonst keine gesundheitlichen Probleme und nimmt keine Medikamente ein. Probleme mit der Leber sind weder bei ihm selbst, noch in der Familie bekannt. Er ist Nichtraucher und trinkt nur wenig Alkohol. Er erwähnt nur, in den letzten Wochen aufgrund des stressigen Arbeitsalltages vermehrt Energy-Drinks getrunken zu haben. Mit Anfang 20 hat er sich ein Tattoo stechen lassen. Bluttransfusionen oder riskantes sexuelles Verhalten verneint er.

Labor: Auffällige Leberwerte

Bei der körperlichen Untersuchung sind die Vitalzeichen normal, es wird jedoch ein Ikterus und eine Druckempfindlichkeit im rechten Oberbauch festgestellt. Im Labor werden einige auffällige Werte festgestellt:

ParameterErgebnisReferenzbereich
Aspartat-Aminotransferase (AST)1802 U/L<37 U/L
Alanin-Aminotransferase (ALT)1203 U/L<41 U/L
Gesamt Bilirubin10,3 mg/dL<1,0 mg/dL
Direktes Bilirubin7,7 mg/dL<0,2 mg/dL
Alkalische Phosphatase206 U/L35-129 U/L
Vitamin B 12>2000 pg/mL243-894 pg/dL
Folsäure>20 ng/mL4,4-19,9 ng/mL

Die Nierenfunktion ist normal, ebenso das Blutbild. Auch ein Toxikologie-Screening und die Konzentrationsbestimmung von Paracetamol fallen negativ aus. Bei der Untersuchung auf Infektionen wird eine chronische Hepatitis C (HCV)-Infektion festgestellt. Tests für Hepatitis A und B, Cytomegalovirus, Epstein-Barr-Virus und Herpes simplex-Viren fallen negativ aus.

Autoimmunantikörper können nicht nachgewiesen werden, darunter antinukleäre und antimitochondriale Antikörper, sowie gegen glatte Muskelzellen und Anti-LKM-1. DNA-Mutationen, die zu einer Hämochromatose führen, liegen ebenfalls nicht vor.

Mehr über auffällige Leberwerte lesen Sie in unserem Beitrag Erhöhte Leberwerte: Übersicht für eine schnelle Diagnostik >>

Diagnose steht fest, doch der Auslöser bleibt unbekannt

Im Ultraschall ist die Leber echogen ohne Hinweise auf Zirrhose, Gallengangsobstruktionen oder Gallensteine. Die Ärzte stellen zudem eine Verdickung der Gallenblasenwand fest. Eine Leberbiopsie bringt schließlich das Ergebnis einer schweren akuten Hepatitis. Histologisch sind eine Brückennekrose und eine Cholestase zu erkennen.

Da die Laboranormalitäten ein hepatozelluläres Muster zeigen, zudem ein Ikterus und erhöhte Bilirubinwerte vorliegen, grenzen die behandelnden Ärzte die möglichen Ursachen weiter ein. Der Krankheitsverlauf wird nochmals genauer betrachtet. Die eigentliche Ursache der Hepatitis kommt jedoch erst durch einen Hinweis des Patienten ans Licht.

Ungewöhnliche und seltene Ursache

Was die außergewöhnliche Ursache für die Hepatitis ist, welche Therapie eingesetzt wird und wie es Michael K. weiter erging, lesen Sie jetzt im zweiten Teil des Beitrags.

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  1. Harb JN et al. Rare cause of acute hepatitis: a common energy drink. BMJ Case Rep 2016; doi:10.1136/bcr-2016-216612

Bildquelle: © South_agency-istockphoto.com

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