12. Oktober 2018

Baby mit lebensgefährlicher Azidose

Ein kleines Mädchen weist Zeichen einer schweren metabolischen Azidose auf. Auf der Suche nach der Ursache tappen die Ärzte zunächst im Dunkeln, denn die Eltern verschweigen zunächst ein wichtiges Detail. Was könnte hinter den Symptomen des Babys stecken?

Lesedauer: 2 Minuten

Der folgende Fall wurde in der Fachzeitschrift Drug Safety Case Reports beschrieben.1 Redaktion: Dr. Nina Mörsch.

Der Fall

Ein gesundes, neun Monate altes Mädchen wird von seinen Eltern in die Notaufnahme einer Klinik in Lissabon gebracht. Das Mädchen litt in der Vergangenheit immer wieder unter Husten, Stridor und Atembeschwerden. In den letzten 24 Stunden hatte sich das Kind nun mehrfach übergeben. Aufgrund einer leichten Temperaturerhöhung hatte die Mutter dem Baby Ibuprofen verabreicht, wodurch das Fieber wieder sank.

Bei der Aufnahme verabreichen die Ärzte dem Baby Dexamethason (oral) sowie Adrenalin (vernebelt), doch die Medikamente schlagen nicht an.

Die Ergebnisse einer Blutgasuntersuchung weisen auf eine schwere metabolische Azidose hin: pH-Wert 7,36, pCO2 18,4 mmHg, Bicarbonat 11,1 mmol/l, Chlorid 125 mmol/l. Das Mädchen wird daraufhin auf die Kinderintensivstation des Krankenhauses verlegt.

Kußmaul-Atmung, Tachykardie & Fieber

Als das Mädchen auf der Station ankommt, leidet es unter Kußmaul-Atmung: Es atmet sehr tief und regelmäßig – Ausdruck der respiratorischen Kompensation einer metabolischen Azidose. Zudem ist es tachykard (205/Minute) und hat Fieber (38,5°C). Das Kinderärzte-Team führt dem Baby Flüssigkeit und Bikarbonate zu. Die Frage danach, ob das Kind möglicherweise eine Vergiftung erlitten haben könnte, verneinen die Eltern zu diesem Zeitpunkt.

Sepsis oder diabetische Ketoazidose?

Aufgrund des erhöhten Laktatspiegels (36 mg/dl; Normalbereich 5,7-22 mg/dl), der anhaltenden Hyperthermie (39°C), des fehlenden Ansprechens auf Antipyretika und der Sinustachykardie (210/Minute) hegen die Ärzte den Verdacht einer Sepsis. Neben der Gabe von Flüssigkeit beginnen sie deshalb eine Antibiotikatherapie (Ceftriaxon). Später stellt sich aufgrund der Laborergebnisse jedoch heraus, dass das Baby keine Anzeichen einer Infektion hat.

Als nächstes vermuten die Ärzte eine diabetische Ketoazidose, eine Komplikation des Typ-1-Diabetes, die sich durch hohe Blutzuckerwerte, Azidose, Ketonurie und Ketonämie auszeichnet. Die Urinanalyse des kleinen Mädchens ergibt folgende Werte: Saurer Urin (pH 5), Glykosurie (67 mg/dl; Normalbereich < 15) und Ketonurie (150 mg/dl; Normalbereich 0,5-3 mg/dl).

Zuerst ist der Blutzuckerwert des Mädchens normal, steigt aber im Laufe weniger Stunden deutlich an. Die Ärzte verabreichen dem Baby deshalb nun zusätzlich zur Flüssigkeit intravenös Insulin.

Doch trotz aller Maßnahmen bleibt die Übersäuerung des Babys bestehen. Hinzu kommt, dass die Ärzte toxische Salicylatwerte im Blut des Mädchens feststellen (76 mg/dl; Normalbereich <20 mg/dl). Angesichts dieses Testergebnis konfrontieren die Ärzte die Eltern erneut mit ihrem Anfangsverdacht einer Vergiftung.

Erfahren Sie auf der nächsten Seite, welche Information die Eltern den Ärzten bisher verschwiegen haben.   

1. Rita Espírito Santo et al. Salicylate Intoxication in an Infant: A Case Report. Drug Safety Case Reports 2017 Dec; 4: 23. doi: 10.1007/s40800-017-0065-9

Bildquelle: © iStock.com/simarik

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