09. November 2018

Nach Streetfood: 15-Jährige mit blutigem Durchfall und akutem Nierenversagen

Seit über einer Woche leidet eine junge Patientin an Bauchkrämpfen, Durchfall und Erbrechen. Untersuchungen und Behandlungsversuche bringen keine Besserung und die Ärzte rätseln über die Ursache des sich weiter verschlechternden Zustands.

Lesedauer: 3 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einer Kasuistik aus dem New England Journal of Medicine. Christoph Renninger fasst für Sie den spannenden Fall zusammen.1

Krämpfe, Diarrhö & Erbrechen, aber keine Diagnose

Die 15-Jährige hat fast stündlich schmerzhafte Krämpfe im Unterbauch und immer wieder blutigen Durchfall, so dass sie kaum schlafen kann. Trotz der Einnahme von Ibuprofen lassen die Schmerzen nicht nach. Als am dritten Tag der Krankheit zudem unblutiges, nicht-galliges Erbrechen auftritt, sucht die Teenagerin am folgenden Tag ihren Arzt auf.

In der Praxis präsentiert sich die Patientin müde und abgeschlagen und die Symptome bestehen weiterhin, unter Fieber leidet sie jedoch nicht und auch die körperliche Untersuchung ist unauffällig. Alle Tests einer Stuhlprobe auf Salmonellen, Shigellen, Campylobacter, Rotaviren und Clostridium difficile fallen negativ aus. Der Arzt verordnet Loperamid und Paracetamol, sowie eine Elektrolytlösung.

In den folgenden drei Tagen lässt die blutige Diarrhö nach, die Patientin muss sich jedoch weiter mehrmals täglich übergeben und hat Krämpfe im Epigastrium. Sie kommt erneut kränklich und bleich in die Arztpraxis, wobei jedoch keine auffälligen Befunde festgestellt werden können (Körpertemperatur 36,5°C). Der Arzt empfiehlt ihr die Einnahme von Ranitidin und einem Probiotikum.

Da auch dies keine Besserung bringt, wird die junge Frau von ihrer Mutter am nächsten Tag zur weiteren Untersuchung in eine Klinik gebracht.

Weitere Untersuchung in der Spezialklinik

In der Notaufnahme der Klinik berichtet das blasse Mädchen über eine reduzierte Harnausscheidung, die Vitalparameter sind jedoch normal. Bei der Ultraschalluntersuchung wird eine große Menge Gallengries in der Gallenblase festgestellt, aber keine Verdickung der Gallenblasenwand. Beide Nieren sind unauffällig, ebenso die Harnwege, die Harnblase ist leicht ausgedehnt. Außerdem stellen die Ärzte einen leichten Aszites im unteren Abdomen und der Morison-Grube fest. Sie verabreichen eine intravenöse Infusion Kochsalzlösung (2 Liter) und überweisen das Mädchen nach Beratung mit einem Kinder-Nephrologen in eine spezialisierte pädiatrische Klinik.

Bei der Aufnahme sind die Vitalparameter ohne Befund:

  • Körpertemperatur: 36,9°C
  • Puls: 71/Minute
  • Blutdruck: 124/75 mmHg
  • Atemfrequenz: 18/Minute
  • Sauerstoffsättigung: 100%

Das Abdomen ist weich, mit normalen Geräuschen und keinen Anzeichen von Aufblähungen oder einer Hepatosplenomegalie. Es sind keine Ödeme am Körper vorhanden, ein EKG zeigt keine Besonderheiten. Eine Reihe von Laborparametern wird erhoben, mit mehreren kritischen Ergebnissen (Abb. 1&2).

Trotz einer intravenösen Gabe von einem Liter Kochsalzlösung, scheidet die Patienten nur 2 ml Urin aus. Bei einer Urinanalyse ist der Harn trüb und bernsteinfarben und weist Blut, Albumin und Leukozyten auf, der pH liegt bei 5,0. Ein Schwangerschaftstest ist negativ.

Die 15-Jährige hat eine Krankheitsgeschichte von Angsterkrankungen und einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivität-Störung (ADHS) und nimmt daher Citalopram und Methylphenidat ein. In den vergangenen sieben Monaten hatte sie drei Mal wegen Dysurie ihren Arzt aufgesucht. Sie ist sexuell nicht aktiv, raucht nicht und trinkt keinen Alkohol. Kurze Zeit vor Krankheitsbeginn hat sie eine Städtereise unternommen und dabei Essen von Straßenverkäufern gekauft.

In ihrer Familie hat es bereits Fälle eines Antiphospholipid-Syndroms und von Hypothyreose gegeben, jedoch sind keine Nierenerkrankungen oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen bekannt.

Unter welcher Erkrankung, die zuvor gesunde 15-Jährige leidet, was die Ursache ist und welche Therapie die Ärzte ergreifen, lesen Sie im zweiten Teil des Beitrags.

  1. Kao AY et al. A 15-Year-Old Girl with Acute Kidney Injury. N Engl J Med 2018; 378(25): 2421-2429.

Bildquelle: ©istock.com/KatarzynaBialasiewicz

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