11. September 2021

So soll die Versorgung der Inneren Medizin verbessert werden

Die DGIM arbeitet in der Kommission „Struktur Krankenversorgung“ an der Erhebung eines Datensatzes, um so die bedarfsorientierte Planung in der Inneren Medizin und will so die medizinische Versorgung in Deutschland verbessern.

Lesedauer: 4 Minuten

Dieser Beitrag wird vertreten durch die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Autoren: Autoren: Dirk Müller-Wieland, Elke Berger, Philipp Hengel, Reinhard Busse, Sebastian Schellong, Georg Ertl, Nobert Suttorp. Redaktion: Sebastian Schmidt.

Die Analyse der Versorgungssituation in der Inneren Medizin und ihrer Schwerpunkte ist die Grundlage zur weiteren Entwicklung von datenbasierten Strategien, die dann in den politischen Diskurs eingebracht werden können. Ziel der Kommission „Struktur Krankenversorgung“ der DGIM ist daher, einen Datensatz zu erheben und ggf. regelmäßig zu aktualisieren, der eine bedarfsorientierte Planung von Versorgungsstrukturen in der Inneren Medizin ermöglicht. 1

Steuerung primär medizinisch und bedarfsorientiert ausrichten

Gesundheitspolitische Steuerung erfolgt in Deutschland im Wesentlichen föderal, teils im Rahmen der Selbstverwaltung, teils durch Krankenhausplanung und DRG-System im stationären Bereich sowie Bedarfsplanung und EBM-System im ambulanten Bereich. Dabei orientiert sich die Steuerung überwiegend am Ressourcenverbrauch und nicht primär medizinisch bzw. bedarfsorientiert. Demzufolge richtet sich auch die Entwicklung der Schwerpunkte der Inneren Medizin häufig nach ökonomischen Kriterien und nicht primär nach medizinischer Qualität und Patientenbedarf. Dies birgt Potenzial für kurz- und längerfristige Fehlentwicklungen im Gesundheitswesen mit indirekten Implikationen auch für den Nachwuchs, die Weiterbildung und nicht zuletzt die Forschung.

Die Kommission „Struktur Krankenversorgung“ wurde von der DGIM mit einem Projekt beauftragt, dessen Konzept im Folgenden kurz vorgestellt werden soll. Es soll in Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet „Management im Gesundheitswesen“ der Technischen Universität Berlin, für die Innere Medizin und ihre Schwerpunkte dargestellt werden, wie die Fachdisziplinen innerhalb der Strukturen des Gesundheitssystems ausgestattet sind und welches Leistungsspektrum sie im ambulanten und stationären Sektor abdecken. Mit Hilfe einer soliden Datengrundlage können wir ein umfassendes Bild über die Versorgungssituation in der Fläche gewinnen, um in Folge Über- und Unterversorgung im Verhältnis zum entsprechenden medizinischen „Bedarf“ zu erkennen. Daraus werden sich sicherlich Forderungen für die sachgerechte medizinische Versorgung ergeben.

Strategie für das anstehende Projekt

Die Darstellung der Versorgungslandschaft der Inneren Medizin in Deutschland soll in einem mehrstufigen Prozess und anhand einer Analyse – der Ärztinnen und Ärzte, – der Strukturen, in denen sie tätig sind, – und der behandelten Patienten in allen Schwerpunkten der Inneren Medizin für den stationären und ambulanten Bereich zunächst auf bundesweiter Ebene (ggf. später auch auf Länderebene) erfolgen (Abb. 1). Zudem werden die Schnittstellen zwischen ambulant und stationär hinsichtlich ihrer personellen Strukturen und des Fallaufkommens betrachtet. Abschließend und zur Ermittlung eines möglichen Umstrukturierungspotentials ist ein internationaler Vergleich vorgesehen.

Konzept und Ebenen der Analysen des Projekts
Tätigkeitsbereiche der Ärztinnen und Ärzte im Jahr 2020 IM Innere Medizin

Methodik: Analyse des Ist-Standes und der Entwicklung

Soweit dies mit der gegebenen Datenlage möglich und zielführend ist, erfolgen die Analysen sowohl hinsichtlich des Status quo als auch hinsichtlich ihrer zeitlichen Entwicklung (Verlauf über 5 bis 10 Jahre). Die Quellen der Daten sind im Infokasten zusammengefasst. Als ein erstes Beispiel sind die Tätigkeitsbereiche der Ärztinnen und Ärzte in der Inneren Medizin in Abb. 2 für das Jahr 2020 graphisch zusammengefasst. In Abhängigkeit von der Datenlage wird ergänzend die Anzahl der sich in Weiterbildung befindlichen Ärzte und Ärztinnen aktuell und in ihrer zeitlichen Entwicklung untersucht.

Für die Darstellung der Situation der Inneren Medizin im stationären Sektor werden Daten aus der Datenbank des Projektes Qualitätstransparenz herangezogen. Sie enthält auf Abteilungsebene u. a. Angaben zur Anzahl an angestellten Ärzten und Fachärzten sowie den Fallzahlen (DRGs und/oder OPS). Die Datenbank basiert auf den Daten der strukturierten Qualitätsberichte und umfasst alle deutschen Krankenhäuser seit 2006. Dafür sollen die häufigsten DRGs/OPS in den jeweiligen Schwerpunkten im Zeitverlauf analysiert werden. Darüber hinaus wird soweit möglich auch erhoben, wie die Leitung von Fachabteilungen ausgestaltet ist. Für die Analyse des ambulanten Sektors werden Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, des Zentralinstituts der kassenärztlichen Versorgung und der Bundesärztekammer verwendet.

Es folgt eine Übersicht der Anzahl von Ärzten und Praxen (Einzelpraxen, Berufsausübungsgemeinschaften, MVZ), das Aufkommen von Fällen und Behandlungstagen sowie von Leistungsbedarf und Auszahlungsquote, die nach Schwerpunkten der Inneren Medizin gegliedert sind und im Zeitverlauf dargestellt werden. Zudem sollen die jeweils häufigsten Behandlungsanlässe (und Gebührenordnungspositionen) der einzelnen Schwerpunkte beschrieben und in Beziehung zu denen aus dem stationären Bereich gesetzt werden.

Ambulant-stationäre Schnittstelle wird analysiert

Unter „Schnittstelle ambulant – stationär“ fallen u. a. Medizinische Versorgungszentren (insbesondere die in Krankenhausträgerschaft), ambulante Versorgung durch ermächtigte Ärzte (§ 116 SGB V), die ambulante spezialfachärztliche Versorgung (§ 116b SGB V), die Hochschulambulanzen (§ 117 SGB V), stationäre Versorgung durch Belegärzte (§ 121 SGB V) bzw. in Praxiskliniken (§ 122 SGB V), vor- und nachstationäre Behandlung (§ 115a SGB V) und ggf. ambulante Operationen (§ 115b SGB V). Diese sollen ebenfalls hinsichtlich ihrer personellen und organisatorischen Strukturen sowie des Fallaufkommens analysiert werden, wenngleich auch die Datenlage hier eingeschränkter ist.

Für einen internationalen Vergleich werden einige der zuvor ermittelten Kennzahlen der Inneren Medizin einem internationalen Vergleich unterzogen. Dafür werden exemplarisch Daten aus frei zugänglichen Datenbanken, z.B. der OECD, aus Ländern herangezogen, die eine ähnliche Bevölkerungsstruktur sowie eine sektorenübergreifende und umfassende Versorgungsplanung aufweisen. Dazu gehören z.B. Dänemark, Österreich und die Schweiz.

Perspektiven

Perspektive dieses Projekts ist die Erhebung und Analyse eines Datensatzes, der eine bedarfsorientierte Entwicklung der Schwerpunkte in der Inneren Medizin aufzeigt und der dann regelmäßig aktualisiert werden kann (Monitor). Dies könnte Grundlage für eine berufs- und gesundheitspolitische-Diskussion sein, um am Ende am Beispiel der Inneren Medizin medizinisch und volkswirtschaftlich sinnvolle Versorgungskonzepte zu etablieren und weiterzuentwickeln.

  1. Versorgungslandschaft Innere Medizin in Deutschland; Der Internist 9; 09.09.2021.

Bildquelle: © gettyImages/Cecilie_Arcurs

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