12. Februar 2019

Telemedizin verlängert das Leben von Herzschwäche-Patienten

Ein auf Telemedizin basiertes Betreuungskonzept führt bei Hochrisikopatienten mit chronischer Herzinsuffizienz zu einer Lebensverlängerung und zu weniger Krankenhausaufenthalten. Zu diesen Ergebnissen kommt eine kürzlich veröffentlichte randomisierte klinische Studie aus Deutschland.

Lesedauer: 2 Minuten

Abb. 1: Telemedizinisches Versorgungskonzept der TIM-HF2-Studie

Diese Studienergebnisse hat Prof. Dr. med. Friedrich Köhler, Oberarzt für Kardiologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, auf der Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Berlin vorgestellt.

Studie mit über 1.500 Patienten

Im Zeitraum von August 2013 bis Mai 2018 wurden im Rahmen der randomisierten klinischen Studie „TIM-HF2“ 1.538 Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz mit moderater bis starker Einschränkung der physischen Belastbarkeit (NYHA Klasse II/III) sowie einer Herzinsuffizienzbedingten Hospitalisierung innerhalb der letzten 12 Monate untersucht. Patienten der RPM-Gruppe (Remote Patient Management) erhielten vier telemedizinische Messgeräte:

  • EKG mit Fingerclip zur Messung der Sauerstoffsättigung
  • Blutdruckmessgerät
  • Waage
  • Tablet zur Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes und zur mobilfunkbasierten Übertragung der
  • Werte an das Telemedizinzentrum der Charité (siehe Abbildung 1)

Innerhalb von sieben Tagen nach Studienbeginn wurden die Patienten und deren Angehörige zuhause zum Umgang mit den Messgeräten und mit ihrer Erkrankung geschult. Zudem wurde ein Pflegeassessment durchgeführt, das monatlich durch ein strukturiertes Telefongespräch fortgesetzt wurde. Die übertragenen Messwerte wurden im Telemedizinzentrum mit einem 24/7-Service durch ärztliches und fachpflegerisches Personal befundet. Bei Verschlechterungen wurden entsprechende Maßnahmen ergriffen (z.B. Änderung der Medikation, Empfehlung zur ambulanten Vorstellung, Krankenhauseinweisung).

Ergebnisse: Gesamtsterblichkeit signifikant niedriger

Die Patienten der RPM-Gruppe wiesen signifikant weniger verlorene Tage durch ungeplante kardiovaskuläre Hospitalisierungen oder Tod auf (RPM: 17,8 Tage vs. Kontrollgruppe: 24,2 Tage, p=0,046). Die Gesamtsterblichkeit war mit 7,81 pro 100 Patientenjahre in der RPM-Gruppe signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe, die eine Gesamtmortalität von 11,34 pro 100 Personenjahre in der Kontrollgruppe aufwies (p= 0,028).

Auch in Bezug auf die ungeplanten Hospitalisierungen aufgrund von Herzinsuffizienz verloren die Patienten der RPM-Gruppe nur 3,8 Tage pro Jahr im Vergleich zu 5,6 Tagen/Jahr von der Kontrollgruppe. Von den Patienten der RPM-Gruppe haben 743 (97%) mindestens 70% der täglichen möglichen Messungen durchgeführt.

Bedeutung der Studienergebnisse

Es ist die erste RPM-Studie (Remote Patient Management) mit einer nachweislichen Verbesserung der Gesamtmortalität. Die Studienergebnisse haben gezeigt, dass ein auf Remote Patient Management basiertes Betreuungskonzept bei einer definierten Gruppe von Hochrisikopatienten zu einer Lebensverlängerung und zu weniger Krankenhausaufenthalten führt.

Dieses Ergebnis wurde unabhängig davon erreicht, ob der Patient im strukturschwachen ländlichen Raum oder in einer Metropolregion lebt. RPM ist somit auch geeignet, regionale Versorgungsunterschiede zwischen Stadt und Land zu kompensieren und insgesamt eine Verbesserung der Versorgungsqualität zu erreichen.

TIM-HF2 ist damit eine Meilensteinstudie für die Digitale Medizin auch in internationale Rahmen. Damit wird auch unterstrichen, dass Deutschland zu den führenden Ländern in diesem Forschungsbereich zählt.

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Studiendesign:

Koehler F, Koehler K, Deckwart O et al. Telemedical Interventional Management in Heart Failure II (TIM-HF 2), a randomised, controlled trial investigating the impact of telemedicine on unplanned cardiovascular hospitalisations and mortality in heart failure patients: study design and description of the intervention, Eur J Heart Fail, 2018, doi:10.1002/ejhf.1300

Primäre Studienergebnisse:

Koehler F, Koehler K, Deckwart O et al. Efficacy of Telemedical Interventional Management in Heart Failure Patients II (TIM-HF2): a randomised controlled trial, Lancet 2018, Published online August 25, 2018 http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(18)31880-41

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