05. Mai 2021

Telemedizin

Studienlage und Empfehlungen in der Kardiologie

Eine telemedizinische Überwachung implantierter Warnsysteme kann sowohl die Rate an erneuten Hospitalisierungen als auch die Gesamtsterblichkeit von Patienten mit Herzrhythmusstörungen oder Herzinsuffizienz senken. Dies zeigte Prof. Dr. med. Christian Perings anhand einiger wegweisender Studien.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf dem Vortrag von Prof. Dr. med. Christian Andreas Perings, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Pneumologie und Intensivmedizin, auf dem 127. Kongress der DGIM: „Telemedizinische Überwachung implantierter Devices“. Redaktion: Dr. Linda Fischer

Studie 1: Ungeeignete Schocks durch Home-Monitoring vermeiden

Eine der ersten großen Studien ECOST-Trial (NCT00989417) zum Remote Follow-up implantierter Warnsysteme erprobte bei insgesamt 433 Patientinnen und Patienten mit implantertem Kardioverter/Defibrillator (ICD) die Auswirkung einer telemedizinischen Nachbetreuung nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Je nach Gruppeneinteilung wurden die Personen entweder über Home-Monitoring nachbetreut oder lediglich alle sechs Monate ambulant kontrolliert.

Das Ergebnis: Durch Home-Monitoring halbierte sich die Personenzahl, bei der inadäquate Schocks durch den ICD abgegeben wurden (11 versus 22 Personen). Außerdem verringerte sich auch die daraus resultierende erneute Hospitalisierung um 72 % (3 versus 11 Personen).

Darüber hinaus verlängerte das Home-Monitoring die Lebensdauer des Implantats signifikant, da sich die Zahl der Kondensatoraufladungen beim Home-Monitoring um 75 % reduzierte (499 versus 2081). 1,2

Studie 2: Verschlechterte Herzinsuffizienz ohne Home-Monitoring

In einer weiteren wegweisenden Studie wurden insgesamt 716 Herzinsuffizienz-Patientinnen und Patienten mit eingeschränkter Ejektionsfraktion (≤ 35 %) und einer NYHA-Klasse III eingeschlossen. Alle Personen waren entweder mit einem implantierten ICD oder einem kombinierten Implantat aus Kardialer Resynchronisationstherapie und Defibrillator (CRT-D) ausgestattet. Sie wurden über einen Zeitraum von zwölf Monaten nach dem Krankenhausaufenthalt entweder mit oder ohne Home-Monitoring nachbeobachtet.

Die Ergebnisse der IN-TIME-Studie (NCT00538356): Durch die telemedizinische Intervention reduzierte sich sowohl die Anzahl an Personen, bei denen sich die Herzinsuffizienz verschlechterte (18,9 versus 27,5 %), als auch die Gesamtmortalität (3,4 versus 8,7 %) jeweils signifikant im Vergleich zur Kontrolle. 3,4

Studie 3: Intrapulmonaler Drucksensor zur remote-Betreuung geeignet

Um die Betreuung von Personen mit Herzinsuffizienz zu optimieren, erprobte der CHAMPION-Trial (NCT00531661) einen intrapulmonalen Drucksensor bei insgesamt 570 Herzinsuffizienz-Patientinnen und -Patienten mit einer NYHA-Klasse III. Auf Basis der Information täglich übertragener hämodynamischer Parameter wurde dann, falls nötig, die Medikation der Patienten geändert. In der Kontrollgruppe basierten Medikationsänderungen lediglich auf Informationen der Standard-Betreuung.

Das Ergebnis: Durch die kontinuierliche remote-Betreuung konnte die Rate an erneuten Herzinsuffizienz-bedingten Hospitalisierungen signifikant reduziert werden. 5,6

3 Säulen für die telemedizinische Betreuung

Prof. Perings betont, dass ein strukturiertes Vorgehen für eine erfolgreiche telemedizinische Mitbetreuung unabdingbar ist. Dazu gehört:

  • Die Unterstützung der Umsetzung leitliniengerechter Diagnostik und Therapie durch den oder die betreuende Haus- und Fachärztin,
  • die Patientenschulung, sowie
  • das Telemonitoring zur täglichen Übertragung von Vitaldaten an ein fachärztlich und fachpflegerisch besetztes Telemedizinzentrum.

Konkrete telemedizinische Empfehlungen von Prof. Perings

Bis heute fehlt eine zentrale Schnittstelle, über welche kollektiv telemedizinische Daten gesammelt werden. Aus diesem Anlass hat Prof. Perings mit Kollegen Befundkonstellationen bei implantierten Warnsystemen zusammengetragen und darauf basierende Empfehlungen verschriftlicht, die das Konstrukt Telekardiologie klar umreißen. 7

Als weiteren Fortschritt in der telemedizinischen Betreuung hebt Prof. Perings einen Beschluss des G-BA vom Dezember 2020 hervor, der besagt, dass künftig jeder Regelversicherte in Deutschland den Anspruch hat, über eine gesetzliche Finanzierung, an einem telemedizinischen Leistungsangebot teilzunehmen. 8

  1. Guédon-Moreau et al.: „A randomized study of remote follow-up of implantable cardioverter defibrillators: safety and efficacy report of the ECOST trialin European Heart Journal (2013)
  2. U.S. National Library of Medicine: „Benefits of Implantable Cardioverter Defibrillator Follow-up Using Remote Monitoring (ECOST)” aufgerufen am 21.04.2021
  3. Hindricks et al.: „Implant-based multiparameter telemonitoring of patients with heart failure (IN-TIME): a randomised controlled trialin The Lancet(2014)
  4. U.S. National Library of Medicine: „Influence of Home Monitoring on the Clinical Status of Heart Failure Patients With an Impaired Left Ventricular Function (IN-TIME)” aufgerufen am 21.04.2021
  5. Abraham et al.: „Wireless pulmonary artery haemodynamic monitoring in chronic heart failure: a randomised controlled trialin The Lancet (2011)
  6. U.S. National Library of Medicine: „ CardioMEMS Heart Sensor Allows Monitoring of Pressure to Improve Outcomes in NYHA Class III Heart Failure Patients (CHAMPION)” aufgerufen am 21.04.2021
  7. Helms et al.: „Grundlegende Strukturmerkmale eines kardiologischen Telemedizinzentrums für Patienten mit Herzinsuffizienz und implantierten Devices, Herzrhythmusstörungen und erhöhtem Risiko für den plötzlichen Herztodin Herzschrittmachertherapie + Elektrophysiologie (Ausgabe 1/2019)
  8. Gemeinsamer Bundesausschuss: „G-BA führt neues datengestütztes Management für Patientinnen und Patienten mit Herzschwäche in die Versorgung ein“ (Dezember, 2020)

Bildquelle: Getty Images/ santoelia

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