25. März 2020

Patientenbriefe: Pilotkliniken gesucht!

Das gemeinnützige Unternehmen „Was hab’ ich?“ gilt im deutschen Gesundheitswesen als ein wichtiger Vorreiter für Innovationen zur Verbesserung der Arzt-Patienten- Kommunikation. Mit dem „Patientenbrief“ sollen alle Patienten verständliche Gesundheitsinformationen erhalten – dank einer speziellen Software ohne Zusatzaufwände. Nun werden weitere Kliniken für den Rollout des Projektes gesucht.

Lesedauer: 2 Minuten

Im Krankenhaus werden Patienten oft tage- oder wochenlang professionell betreut. Doch nach ihrer Entlassung fühlen sich viele allein gelassen. Das Entlassgespräch findet häufig unter Zeitdruck statt, viele Informationen werden nicht verstanden oder schnell wieder vergessen. Der Entlassbrief für den weiterbehandelnden Arzt ist in medizinischer Fachsprache verfasst. Dennoch beschäftigen sich Patienten und Angehörige intensiv mit diesem Brief, denn sie wollen ihre Erkrankungen verstehen und selbstverantwortlich informierte Gesundheitsentscheidungen treffen. Dazu benötigen sie aber keinen Arztbrief – sondern einen Patientenbrief!

Ein Patientenbrief enthält leicht verständliche, individuelle und schriftliche Gesundheitsinformationen. Er ermöglicht dem Patienten, bessere Gespräche mit dem weiterbehandelnden Arzt zu führen, die richtigen Fragen zu stellen und besser informierte Entscheidungen zu treffen. So kann der Patientenbrief die Therapietreue sowie die Gesundheitskompetenz erhöhen und damit auch die Gesundheit des Patienten nachhaltig stärken.

Ein solcher Patientenbrief wurde von der „Was hab’ ich?“ gGmbH entwickelt und in einer klinischen Studie evaluiert: Über drei Jahre hinweg wurden in einem Pilotprojekt über 2500 internistische Patienten mit einem solchen Patientenbrief versorgt.
Die Ergebnisse der Evaluation zeigen, dass der Patientenbrief wirkt: Er verbessert das Verständnis ärztlicher Informationen und stärkt die Gesundheitskompetenz der Patienten im Bereich der Krankheitsbewältigung. Patienten verstehen dank des Patientenbriefs ihre Diagnosen, Untersuchungen und Medikationspläne besser und gewinnen dadurch Sicherheit im Umgang mit Erkrankungen und Behandlung.

So trägt der Patientenbrief dazu bei, die Lücke zwischen stationärem und ambulantem Gesundheitssektor zu schließen. Dadurch können auch Folgekosten, beispielsweise durch Wiedereinweisungen oder Fehleinnahme von Medikamenten, verringert werden. Der Patientenbrief trifft auf eine große Akzeptanz und wird von den Patienten als verständlich, informativ und hilfreich bewertet. Er trägt außerdem dazu bei, dass sich Patienten besser durch die Klinik unterstützt und rücksichtsvoller behandelt fühlen und das Krankenhaus häufiger weiterempfehlen würden.

Als Weiterentwicklung des Pilotprojekts hat „Was hab’ ich?“ eine Software entwickelt, die individuelle Patientenbriefe automatisch anhand der Daten im Krankenhaus-Informationssystem erstellt. Dazu sind unzählige leicht verständliche, qualitätsgesicherte Textbausteine zu Diagnosen, Operationen und Prozeduren hinterlegt und ermöglichen, nach Entlassung eines Patienten ohne Personalaufwand eine individualisierte Patienteninformation zu erstellen. Genutzt werden können dabei alle maschinenverarbeitbaren, strukturierten Daten wie beispielsweise ICD- und OPSCodes, Laborwerte oder Medikamentenpläne.

Der automatisiert erstellte Patientenbrief ist seit einigen Monaten am Herzzentrum Dresden produktiv im Einsatz. Nun werden weitere Kliniken gesucht, die sich für eine Implementierung des Projektes interessieren. Weitere Informationen: https://patientenbriefe.de

Kontakt: Ansgar Jonietz, (0351) 41 88 90-12, ansgar. jonietz@washabich.de

Bildquelle: © gettyImages/cyano66

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