18. Oktober 2021

Klug entscheiden: DGIM optimiert Arzneimitteltherapie

Zusammen mit der Konsensus-Kommission „Klug entscheiden“ der DGIM hat die Kommission Arzneimitteltherapie-Management & Arzneimittelsicherheit wenige, aber besonders kritische Medikamenteninteraktionen konsentiert und als „Klug entscheiden“-Empfehlungen im Deutschen Ärzteblatt publiziert, um auf dieses wichtige Thema aufmerksam zu machen. 1

Lesedauer: 2 Minuten

Strategien zum Management von Polypharmazie bei Multimorbidität

Die Arzneimittelkombinationen betreffen sowohl pharmakodynamische als auch pharmakokinetische Interaktionen mit potenziell tödlichem Ausgang und stellen somit No-Gos in der Arzneimitteltherapie dar. Die Gesamtheit der über 30 von der Kommission inzwischen unter Moderation der AWMF konsentierten Regeln wird als S2K Leitlinie („Living Guideline“) bei der AMWF publiziert werden. 2

  • Ziel der Kommission Arzneimitteltherapie-Management (AMTM) und Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) der DGIM ist es, die Entwicklung und Evaluierung von Strategien zur Analyse und patientenspezifischen Optimierung der Arzneimitteltherapie – insbesondere bei multimorbiden und älteren Patienten – voranzutreiben.
  • Neben der Frage der Indikationsstellung von Arzneimitteln insbesondere bei therapeutischen Konflikten durch gleichzeitiges Vorliegen mehrerer Erkrankungen – Multimorbidität – ist aber auch das Vermeiden von Fehlern im Behandlungsprozess – Arzneimitteltherapiesicherheit – Schwerpunkt der Kommissionsarbeit. Hierzu arbeitet die Kommission eng mit Hausärzten und anderen Facharztgruppen zusammen.
  • Mit der Deutschen Gesellschaft für Klinische Pharmakologie und Therapie e. V. (DGKliPha) und dem Verband der deutschen Krankenhausapotheker (ADKA) hat die Kommission zwei weitere wichtige Mitglieder gewonnen.
  • Insgesamt 42 Vertreter medizinischer und pharmazeutischer Fachgesellschaften arbeiten damit in der Kommission mit. Mit der BAG Selbsthilfe ist auch die Patientenperspektive vertreten. Die für die Zielsetzung – Fachgesellschaften übergreifender Empfehlungen zu entwickeln – notwendige breite Basis ist damit gewährleistet. Weitere bei der AWMF akkreditierte Fachgesellschaften sind als Mitglieder willkommen.

DGIM übernimmt Verantwortung im Aktionsplan AMTS der Bundesregierung

Arzneimitteltherapiesicherheit ist ein zunehmend wichtig wahrgenommenes Thema, das die Bundesregierung seit 2007 mit ihren Aktionsplänen AMTS unterstützt. Es ist ureigene Aufgabe des Arztes, Patienten (nicht nur bei der Arzneimitteltherapie) vor vermeidbaren Schäden durch die Behandlung zu schützen. „Primum nihil nocere“ ergibt sich als Verpflichtung aus der Sorgfaltspflicht des Arztes und der dem Stand des medizinischen Wissens entsprechenden Behandlung, die vermeidbare Risiken sicher ausschließt.

Erstmalig werden im aktuellen Aktionsplan AMTS 2021–2024 der Bundesregierung Fachgesellschaften relevant in die Umsetzung und Verantwortung für geplante Maßnahmen des Aktionsplans AMTS einbezogen. Da die sichere Verordnung von Arzneimitteln eine der zentralen Voraussetzungen für AMTS ist, macht es Sinn, Ärzt*innen über die sie vertretenden Fachgesellschaften eng in die Umsetzung des Aktionsplans einzubinden. Auf der anderen Seite ist es für die Fachgesellschaften wichtig zu verdeutlichen, welche Rahmenbedingungen die ärztliche Tätigkeit und insbesondere die Arzneimitteltherapie benötigen, um AMTS gewährleisten zu können. Dass hier Theorie und Praxis häufig auseinander liegen, lässt sich am Beispiel des bundeseinheitlichen Medikationsplans verdeutlichen. 3

Der neuen Gewichtung der Bedeutung der Fachgesellschaften trägt das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) dadurch Rechnung, dass mit der DGIM, der DEGAM und der DGKli- Pha erstmalig drei medizinische Fachgesellschaften zur Mitarbeit in die Koordinierungsgruppe des BMG eingeladen worden sind. Die Kommission AMTS & AMTS vertritt hier die DGIM.

Maßnahmen im Aktionsplan 2021–2024 koordiniert durch die DGIM:

  • Maßnahme 9: Entwicklung von Curricula zur ärztlichen Schulung zu AMTS
  • Maßnahme 29: Entwicklung eines Leitfadens zur Failure-Modeand- Effect-Analysis (FMEA) für die Analyse und Optimierung des Arzneimitteltherapieprozesses
  • Maßnahme 14: Überprüfung bzw. Bekanntmachung der Empfehlungen zur Arzneimitteltherapie bei Multimorbidität
  • Maßnahme 15: Erarbeitung von Handlungsempfehlungen/ einer Leitlinie für AMTS durch wissenschaftliche medizinische Fachgesellschaften, ggf. mit dem Ziel der Aufnahme in das Leitlinienverzeichnis der AWMF
  • Maßnahme 27: Workshop zur Entwicklung einer Handlungsempfehlung für die ärztliche Anamnese, Aufklärung und Dokumentation der Arzneimitteltherapie Maßnahme 30: Erarbeitung eines Leitfadens zur Entwicklung, Durchführung, Evaluation und Publikation multifaktorieller Interventionen zur Verbesserung von AMTS

Maßnahmen im Aktionsplan 2021–2024 unter Mitarbeit der DGIM:

  • Maßnahme 16: Erarbeitung von Handlungsempfehlungen und Listen für Hochrisikoarzneimittel
  • Maßnahme 17: Durchführung eines Workshops zur Entwicklung von Anwendungshinweisen für die Anwendung von Arzneimitteln bei Patientinnen und Patienten mit Leberzirrhose
  • Maßnahme 20: Workshops zur Erarbeitung von Qualitätszielen und möglichen AMTS- Indikatoren zur Messung von AMTS im ambulanten und stationären Sektor, in Einrichtungen der Langzeitpflege und für die sektorenübergreifende Behandlung

Aktuelle und zukünftige Projekte der Kommission

Dass die Publikation und Weiterentwicklung der S2K-Leitlinie den Schwerpunkt der Arbeiten bildet, ist selbstverständlich. Dies erfordert nicht nur inhaltliches Engagement der Kommissionsmitglieder, sondern auch Verantwortung und Disziplin bei der Erfüllung der formalen Anforderungen, die sich durch die Leitlinienarbeit ergeben.

Ein neuer Schwerpunkt ist die Bearbeitung der Maßnahmen des Aktionsplans AMTS in Zusammenarbeit mit Fachgesellschaften und weiteren Partnern. Begonnen wurde in Vorbereitung der Maßnahme 17 (siehe Infokasten) zusammen mit der DGVS die Entwicklung von Empfehlungen zur Arzneimitteltherapie bei Leberzirrhose. Diese sollen Eingang finden in die Leitlinie „Arzneimitteltherapie bei Multimorbidität“, welche übrigens als Maßnahme 14 im Aktionsplan verankert ist. Ebenfalls begonnen wurde die Erarbeitung der Maßnahme 29: Unter „Failure-Mode-and-Effect-Analysis“ versteht man eine Methode der vorausschauenden Risikoanalyse. Es geht darum, Fehlermöglichkeiten zu identifizieren und zu beheben, bevor Patienten zu Schaden kommen. Für das deutsche Gesundheitswesen ist das neu, in den USA hingegen bereits seit Jahren für jedes Krankenhaus jedes Jahr eine verpflichtende Maßnahme.

Krankenhaus ist das Stichwort für einen weiteren Arbeitsschwerpunkt der Kommission, der Mitarbeit im Innovationsfondsprojekt TOP. TOP steht für transsektorale Optimierung der Patientensicherheit und für ein über vier Jahre mit 9,3 Millionen Euro durch den Gemeinsamen Bundesausschuss im Rahmen des Innovationsfonds gefördertes Projekt, an dem 15 Kliniken in Deutschland – darunter mehrere Universitätskliniken – teilnehmen. 4

Ziel ist es, Behandlungsprozesse bei Patienten mit Polypharmazie im Krankenhaus und sektorübergreifend so zu optimieren, dass Qualität und Sicherheit der Arzneimitteltherapie auch für diese besonders gefährdeten Patienten gewährleistet werden. Ein Projekt, in dem es für die Kommission nicht nur aufgrund der Zielsetzung Sinn macht sich zu engagieren, sondern auch, weil das Projekt das Ziel verfolgt, die Routineversorgung in Deutschland weiterzuentwickeln.

  1. Hasenfuss G et al (2021) Klug entscheiden: No-Gos bei Medikamentenkombis. Deutsches Ärzteblatt 18(12):A-630
  2. Grandt D, Gamstätter T, Fölsch UR (2020) Entwicklung von Empfehlungen zum Management von Arzneimitteltherapie bei Multimorbidität. Deutsche Medizinische Wochenschrift 145:1502-1506
  3. Mueller MA et al (2020) The federal standard medication plan in practice: An observational cross-sectional study on prevalence and quality. Res Social Adm Pharm 16(10):1370-1378
  4. 4. G-BA 21.07.2021. Zugegriffen: 07. Sept. 2021

Bildquelle: Getty Images / Willie B. Thomas

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