24. Februar 2020

Mehr Herzinfarkte durch heißere Sommer?

Besonders kardiologische Patienten leiden unter der Hitze. Bedeutet das auch saisonal mehr Herzinfarkte? Das MONIKA-Register kennt die Antwort.

Lesedauer: 2 Minuten

Der folgende Beitrag basiert auf einem Vortrag von Professor Georg Ertl, der im Rahmen der Jahrespressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Berlin am 13. Februar 2020 stattgefunden hat.

MONIKA-Register: 27.000 Fälle mit Temperaturmessungen verglichen

Es ist ein gesicherter Befund: An heißen Tagen steigt die allgemeine Sterblichkeit. „Das könnte auch die Folge einer erhöhten Herzinfarktrate sein,” gibt Kardiologe Professor Georg Ertl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), zu bedenken. „Mit dem MONIKA-Register steht uns ein ausgezeichnetes Instrument zur Verfügung, um diesen Aspekt zu klären“, meint Ertl. MONIKA sammelt seit 1985 alle Herzinfarktereignisse, die in der Region Augsburg medizinisch auffällig werden. In einer aktuellen Studie verglichen die Autoren die Daten der rund 27.000 Registerfälle mit den Temperaturmessungen des Deutschen Wetterdienstes (Chen K. et al. (2019), European Heart Journal). 1

Doch kein Zusammenhang zwischen heißen Temperaturen & Herzinfarkten?

Das Ergebnis der Studie verblüfft: Statistisch lässt sich kein klarer Bezug zwischen heißen Außentemperaturen und Herzinfarkten nachweisen. Anders dagegen im Winter. „Der altbekannte Befund, dass Kälte und Infarkt zusammenhängen, bestätigte sich erneut“, so Ertl. Eine Subanalyse der Daten führte dann doch zu einem bedingten Treffer. Für den Zeitraum 2001-2014 zeigt sich statistisch eine Korrelation zwischen Sommerhitze und Infarktrisiko. Die unmittelbare Kausalität lässt sich allerdings nicht klar von Schwankungen bei den kardialen Risiken (z. B. Diabetes) abgrenzen.

Kardiale Patienten bei Hitze intensiver betreuen

Für Ertl trotzdem kein Grund zur Entwarnung: „Wir müssen kardiale Patienten in Hitzeperioden intensiver betreuen, denn es gibt weitaus mehr Gefahren zu bedenken als nur den akuten Infarkt.” Es beginnt mit scheinbar Banalem: Natürlich muss die Dosis der Antihypertensiva an die Hitzebelastung angepasst werden. Bedrohliche Hypotensionen sind sonst vorprogrammiert. „So etwas muss man unbedingt im Vorfeld besprechen! Nicht erst, wenn es die Patienten hitzebedingt vielleicht gar nicht mehr in die Praxis schaffen”, so der Ratschlag des Experten.

Wichtig ist auch das Gewichtsprotokoll bei Herzinsuffizienz. „Wenn die Patienten im Hochsommer plötzlich drei oder vier Kilo an Gewicht verlieren, ist das bei Weitem kein Grund zur Freude“, gibt Ertl zu bedenken. Ungewollte Gewichtsverluste steigern die Blutviskosität und verschlechtern so die Kreislaufsituation.

Klimabedingte Probleme als Chance für Telemedizin?

Perspektivisch sieht er bei der Bewältigung von klimabedingten Problemen die Chance für telemedizinische Ansätze. Die erlauben ein wesentlich präziseres Monitoring der kardialen Risikopatienten. „Und wenn etwas aus dem Ruder läuft, meldet sich der Hausarzt unmittelbar per Telefon. Das wäre optimal“, gibt Ertl zu bedenken.

Professor Dr. med. Georg Ertl ist Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM), Kardiologe und Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Würzburg.

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1. Chen K. et al. (2019): Temporal variations in the triggering of myocardial infarction by air temperature in Augsburg, Germany, 1987 to 2014. European Heart Journal, DOI: 10.1093/eurheartj/ehz116.

Bildquelle: © GettyImages/Nitchawat_Paiyabhroma

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