10. Februar 2020

Klimawandel

DGIM-Experten sprechen über gesundheitliche Folgen

Wie weltweit zunehmende Hitzewellen sich auf den Körper auswirken, ist eines der Themen, das Experten auf der Jahrespressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) diskutieren. Die Pressekonferenz steht unter dem Motto „Innere Medizin und Klimawandel“ und findet am 13. Februar 2020 in Berlin statt.1

Lesedauer: 2,5 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) und thematisiert einen der Schwerpunkte des diesjährigen Internistenkongresses, der von 25. bis 28. April 2020 in Wiesbaden stattfindet.

In einer warmen Umgebung sei außerdem der Blutdruckabfall, der beim Wechsel vom Liegen zum Stehen entstehe, ausgeprägter als bei kühlen Temperaturen. Je nachdem, wie stark der Blutdruck sinkt, können Beschwerden wie Schwindel, Müdigkeit oder Übelkeit auftreten. Gerade bei Senioren häufen sich an heißen Tagen aber auch schwerwiegendere Zwischenfälle wie Schwächeanfälle, Stürze oder Ohnmachten.

Lassen sich Todesfälle durch Hitze nachweisen?

Verschiedene Datenerhebungen zeigen, dass an besonders heißen Tagen mehr Menschen sterben. Hitze allein ist allerdings selten dafür verantwortlich – Betroffene leiden in der Regel an Vorerkrankungen wie einer Herzschwäche oder Bluthochdruck. So ermittelten etwa Wissenschaftler, welchen Effekt besonders heiße und kalte Tage auf die Sterberate und die Zahl Krankenhauseinlieferungen von 1999 bis 2009 in Deutschland hatten. Demnach stieg die Sterbequote an heißen Tagen mit mehr als 30 Grad Celsius um etwa zehn und die Krankenhauseinlieferungen um fünf Prozent. Der Effekt steigerte sich deutlich, wenn es mehrere Hitzetage in Folge gab. 

Ein aktueller Lancet-Report thematisiert die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit. Lesen Sie in unserem „Klima-Spezial”, wie sich zunehmende Hitze auf die Gesundheit auswirkt und wie sich die Ausbreitung von Krankheitsvektoren in Deutschland entwickelt. Jetzt lesen >>

Welche Patientengruppen sind besonders betroffen?

„Durch die Weitstellung der Gefäße sinkt bei den meisten Menschen der Blutdruck“, sagt Professor Dr. med. Jürgen Floege, Vorsitzender der DGIM und Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, rheumatologische und immunologische Erkrankungen an der Uniklinik der RWTH Aachen. Besonders gefährdet sind deswegen Patienten, die ohnehin einen sehr niedrigen Blutdruck haben. „Wer Blutdrucksenker einnimmt, sollte in Hitzeperioden seinen Blutdruck täglich überwachen“, rät Floege. Wenn der obere, systolische Wert immer wieder oder gar dauerhaft unter 120 mmHg sinke, sei es eventuell ratsam, die Tablettendosis zu reduzieren oder die Einnahme ganz auszusetzen.

Neben dem Blutdruck kann an Hitzetagen auch der Flüssigkeitshaushalt in Schieflage geraten. „Gerade ältere Menschen haben oft nur ein gedämpftes Durstgefühl“, sagt Floege. Vor allem in den Sommermonaten sollten sie daher bewusst „über den Durst trinken“. Auch bei Pflegebedürftigen, Heimbewohnern und Neugeborenen sollten Angehörige und Betreuer besonders auf die Flüssigkeitsversorgung achten.

„Klimawandel und Gesundheit” wird auch Thema beim 126. Internistenkongress von 25. bis 28. April 2020 in Wiesbaden sein. Mehr Infos finden Sie unter www.dgim2020.de

  1. Martin Karlsson, Nicolas R. Ziebarth. Population health effects and health-related costs of extreme temperatures: Comprehensive evidence from Germany. Journal of Environmental Economics and Management, Volume 91, September 2018, Pages 93-117.
  2. Dandan Xu et. al.: Acute effects of temperature exposure on blood pressure: An hourly level panel study. Environment International. Volume 124, March 2019, Pages 493-500.
  3. Anja Stotz et. al.: Effect of a Brief Heat Exposure on Blood Pressure and Physical Performance of Older Women Living in the Community—A Pilot-Study. Int J Environ Res Public Health. 2014 Dec; 11(12): 12623–12631.

Bildquelle: © GettyImages/AndreyPopov

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