26. Mai 2020

Neue Website

Einblicke in die Geschichte der DGIM in der NS-Zeit

Medizinisches Unrecht, Unterdrückung, Emigration, Täterschaft und Widerstand – in fünf Kategorien gibt die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) ab sofort Einblick in die Forschungsergebnisse, die Historiker im Auftrag der Fachgesellschaft ermittelt haben. 1

Lesedauer: 2,5 Minuten

„Mit der Website schaffen wir größtmögliche Transparenz”

Die auf der Website einsehbaren Biogramme basieren auf Forschungen, mit denen die DGIM die Historiker Professor Dr. Hans-Georg Hofer aus Münster und Privatdozent Dr. Ralf Forsbach aus Köln beauftragt hat. Ihre Ergebnisse sind bereits in einer Ausstellung während des Internistenkongresses im Jahr 2015 in Mannheim und in einer umfangreichen Monographie 2018 der Öffentlichkeit vorgestellt worden. „Mit der Website schaffen wir größtmögliche Transparenz bei einem Thema, das der DGIM seit Jahren am Herzen liegt: der unvoreingenommenen Erforschung der eigenen Vergangenheit. Jeder kann nun die Ergebnisse einsehen und ich wünsche mir, dass viele Menschen von dieser Möglichkeit Gebrauch machen“, sagt Professor Dr. med. Georg Ertl, Generalsekretär der DGIM aus Würzburg.

Mindestens 230 jüdische Ärztinnen und Ärzte aus Deutschland vertrieben

Geschichte bildet sich nicht nur in Zahlen ab, sie geben aber den Rahmen für historische Entwicklungen. 1932, im letzten Jahr der Weimarer Republik, feierte die Fachgesellschaft der Internisten mit ihren damals immerhin schon 1223 Mitgliedern ihr 50-jähriges Bestehen. In den folgenden Jahren verlor sie unter der nationalsozialistischen Diktatur etwa ein Fünftel dieser Mitglieder: Nach den bisherigen Forschungen wurden mindestens 230 jüdische Ärztinnen und Ärzte aus Deutschland vertrieben und emigrierten, mindestens 36 wurden von den Schergen des Regimes ermordet. Mehrere Verfolgte wurden in den Suizid getrieben. Nur wenige Internisten gingen in Opposition und Widerstand.

„Hinter den wichtigen Zahlen und der für das geschichtliche Verständnis ebenso bedeutsamen Darstellung der politischen und organisatorischen Strukturen geraten die individuellen Schicksale häufig in Vergessenheit“, so die für die Forschungen verantwortlichen Historiker Privatdozent Ralf Forsbach und Professor Hans-Georg Hofer. Um dem entgegenzuwirken, eigne sich das Internet in besonderer Weise. Präsentiert werden neben einem biographischen Text je nach Forschungsstand Fotos, zeitgenössische Filme, in Rundfunk und Fernsehen ausgestrahlte Dokumentationen sowie Aufzeichnungen von Zeitzeugeninterviews.

Anmerkungen und zusätzliche Erkenntnisse sind willkommen

Keinen Schlusspunkt, sondern eine weitere Etappe in der so wichtigen Forschungsarbeit sieht auch Professor Dr. med. Ulrich Fölsch, der ehemalige Generalsekretär der DGIM, mit der Website erreicht. Er hat das Projekt vor Jahren angestoßen und bis heute begleitet. Ein Vorteil der fortlaufend gepflegten Website werde es sein, neu gewonnene Erkenntnisse einzuarbeiten und mit interessierten Nutzerinnen und Nutzern in den Dialog treten zu können. Weitere Recherchen in Archiven des In- und Auslands finden nach wie vor statt. Eine stark geraffte, exemplarische Darstellung der Forschungen hat das Interesse einer renommierten amerikanischen Fachzeitschrift gefunden und wird in Kürze dort erscheinen. Anmerkungen, Korrekturen und zusätzliche Erkenntnisse sind der DGIM ebenso wie Ralf Forsbach und Hans-Georg Hofer herzlich willkommen.

Besuchen Sie die neue Website der DGIM unter www.dgim-history.de.

  1. Gegen das Vergessen: Neue Website vertieft Einblicke in die Geschichte der DGIM in der NS-Zeit; Pressemitteilung der DGIM; Mai 2020.

Bildquelle: © GettyImages/duncan1890

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