21. Juni 2021

Koronare Herzkrankheit

Risikofaktoren bei Frauen und jungen Menschen

Das Bewusstsein für kardiovaskuläre Erkrankungen bei Patientinnen stärken – laut Prof. Dr. med. Sabine Genth-Zotz eine wichtige Aufgabe seitens der Ärztinnen und Ärzte. Nur wenn Frauen adäquat therapiert werden, haben sie eine ebenso gute Prognose wie männliche Patienten. Darüber hinaus geht sie in ihrem Vortrag auf Myokardinfarkte bei jungen Menschen ein.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf dem Vortrag der Internistin und Kardiologin Prof. Dr. med. Sabine Genth-Zotz auf dem 127. Kongress der DGIM: „Frauen und KHK“. Redaktion: Dr. Linda Fischer

Patientinnen über Symptome eines Herzinfarkts aufklären

Symptome eines Herzinfarkts sind bei Frauen nicht immer gleich wie bei Männern. Häufig spielen prodromale Symptome wie Dyspnoe, Schwäche und Erschöpfung eine Rolle – aber auch vegetative Symptome wie Kaltschweißigkeit, Schwindel und Schmerzen hauptsächlich im Rücken und im oberen Brustbereich.

Werden diese Symptome rechtzeitig als Warnsymptom wahrgenommen, können Patientinnen entsprechend therapiert werden. Die Rednerin Prof. Dr. med. Sabine Genth-Zotz zählt es zu einer wichtigen Aufgabe von Ärztinnen und Ärzten, Patientinnen darüber aufzuklären.

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Prof. Dr. Dr. Vera Regitz-Zagrosek macht auf geschlechtsspezifische Aspekte aufmerksam, welche in der praktischen Medizin oft nicht ausreichend diskutiert werden. Zum Beitrag >>

Was unterscheidet Frauen von Männern?

Frauen werden etwa zwei Stunden später im Krankenhaus vorstellig als Männer – das sind ausschlaggebende Stunden für den Ausgang des Herzinfarktes. 1

Eine groß angelegte Studie zeigte zudem bei Frauen

  • ein um acht Jahre höheres Alter zum Zeitpunkt des Herzinfarkts,
  • eine deutlich geringere Zahl an ST-Hebungsinfarkten (STEMI, 43 versus 52 %),  
  • vermehrt Komorbiditäten und Begleiterkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und eine eingeschränkte Nieren- oder Herzfunktion, und
  • eine signifikant höhere Mortalitätsrate sowohl für das gesamte akute Koronarsyndrom, als auch für den Nicht-ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI) und den STEMI. 2

Die erhöhte Sterblichkeit führt Genth-Zotz auf eine deutlich schlechtere und nicht Leitlinien-konforme Behandlung von Frauen sowohl im Akutmanagement als auch in der medikamentösen Therapie zurück. Daher ist es wichtig, Beschwerden von Frauen ernst zu nehmen und Patientinnen frühzeitig einer Leitlinien-gerechten Diagnostik und Therapie zuzuführen.

Myokardinfarkte bei jungen Menschen meist ein NSTEMI

Auch junge Menschen können bereits einen Herzinfarkt ausbilden. Das typische klinische Bild präsentiert Genth-Zotz auf Basis eines Review-Artikels wie folgt:

  • Meistens NSTEMI
  • Oft typische Angina pectoris Symptomatik
  • Bei 25 % der Betroffenen Angina pectoris in der Vorgeschichte
  • Junge Frauen häufiger mit MINOCA (Myokardinfarkt ohne obstruktive Atherosklerose)

Diagnose: Nicht nur klassische Risikofaktoren abfragen

Die häufigste Ursache für einen Myokardinfarkt bei jungen Menschen ist mit 88 % der Fälle nach wie vor die Plaque-Ruptur. Besonders betroffen sind Personen mit traditionellen kardiovaskulären Risikofaktoren. Bei 11 % der Betroffenen wird ein MINOCA beobachtet – wichtig ist hier abzuklären, ob ein Drogenabusus betrieben wird. Nicht selten steht neben Ovulationshemmern auch Kokain in Verbindung mit einem akuten Koronarsyndrom.

Weitere Diagnosen und ihre Risikofaktoren sind

  • Koronarembolie bei Vorhofflimmern, Krebs oder Kardiomyopathie,
  • Spontane Koronararteriendissektion bei jungen Frauen, insbesondere nach der Geburt oder bei bekannter fibromuskulärer Dysplasie und
  • Myokarditis, wenn es eine Vorgeschichte mit einer Viruserkrankung gibt.
  • Patientinnen und Patienten mit MINOCA ohne definierte Ätiologie sollten sich weiteren invasiven Tests unterziehen, um einen koronaren Vasospasmus auszuschließen. 3

Geschlecht der behandelnden Person beeinflusst Therapie

Am Ende ihrer Präsentation macht Genth-Zotz noch darauf aufmerksam, dass geschlechtsspezifische Unterschiede nicht nur zwischen Patientinnen und Patienten bestehen, sondern auch in der Behandlungsweise zwischen Ärztinnen und Ärzten. Dieser Problematik sollten sich Ärztinnen und Ärzte bewusst sein, um ein geschlechtsspezifisches Ungleichgewicht in der Behandlung zu vermeiden. 4

  1. Wang et al.: „A review of sex-specific benefits and risks of antithrombotic therapy in acute coronary syndromeIn European Heart Journal (2017)
  2. Hao et al.: „Sex Differences in In-Hospital Management and Outcomes of Patients With Acute Coronary Syndromein Circulation (2019)
  3. Gulati et al.: „Acute Myocardial Infarction in Young Individuals”, in Mayo Clinic Proceedings (2020)
  4. Baumhäkel et al.: “Influence of gender of physicians and patients on guideline-recommended treatment of chronic heart failure in a cross-sectional studyin European Journal of Heart Failure (2009)

Bildquelle: © Getty Images/AaronAmat

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