06. Mai 2019

Digitale Krankenakte 4.0

DataBox: Ein Modellprojekt einer patientenzentrierten Datenplattform

Bei Millionen von Menschen in Deutschland fallen gesundheitsrelevante Daten. Doch wie lassen sich diese Informationen sammeln und für Patienten als auch für ihre Ärzte des Vertrauens individuell und sicher verfügbar machen? 1,2

Lesedauer: 2 Minuten

Prof. Dr. Christof von Kalle, Leiter der Abteilung Translationale Onkologie am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) Heidelberg, stellte das System DataBox auf der Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) anlässlich des 125. Internistenkongresses in Wiesbaden vor.

Laborwerte, Röntgenbilder, das EKG oder der Arztbericht. Bei jeder Untersuchung – ob beim Hausarzt, Spezialisten oder in der Klinik – fallen unzählige Daten an. Doch bisher gibt es in Deutschland noch kein einheitliches System, das diese sehr persönlichen Patienten-Informationen sammelt und sowohl für die Behandlung als auch für die Forschung verfügbar macht und damit einen Mehrwert für die Allgemeinheit schafft.

DataBox soll diese unbefriedigende Situation ändern – mit individuellen und sicheren Datenräumen für Patienten. Unter dem Dach des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und in Zusammenarbeit mit SAP und Siemens Healthineers entwickeln Ärzte, Wissenschaftler und IT-Spezialisten ein System mit dem Projektnamen DataBox.

Gesundheitsdaten immer verfügbar

Im ersten Schritt ermöglicht DataBox den Patienten, Daten formatunabhängig zu sammeln sowie mit den Ärzten ihres Vertrauens zu teilen und von diesen Daten zu erhalten. Perspektivisch soll es verschiedene Systeme untereinander les- und vergleichbar machen. Damit sind alle wichtigen Informationen bei künftigen Behandlungen verfügbar und können bei Diagnose und Therapieempfehlung berücksichtigt werden. Ergänzend dazu sollen die Erfahrungen aus vorangegangenen Behandlungen für ähnlich gelagerte Fälle schneller zur Verfügung stehen.

Im zweiten Schritt erwarten sich die Experten aus der Analyse großer Datenbestände (Big-Data-Analyse) neue Diagnosemethoden und Behandlungskonzepte. Ziele sind eine bessere Prävention für alle und eine effektivere Therapie für bereits erkrankte Menschen.

Prof. Dr. Christof von Kalle, Pressekonferenz <span>DGIM</span>-Kongress 2019 © coliquio GmbH
Prof. Dr. Christof von Kalle, Pressekonferenz DGIM-Kongress 2019 © coliquio GmbH

Die Grundidee von DataBox besteht darin, dass nur der einzelne Patient alle Rechte an seinen gesundheitsbezogenen Daten hat”
Prof. Dr. Christof von Kalle

In DataBox besitzt der Patient alleine alle Rechte über seine Daten. Nur mit seiner Zustimmung werden digitale, gesundheitsrelevante Informationen zusammengeführt, gespeichert und verfügbar gemacht. Dem Patienten steht somit ein transparenter und sicherer Informationsservice zur Verfügung, auf den er zunächst über das Internet zugreifen kann. Gibt der Patient einem Arzt seine Daten frei, kann dieser die vollständige Krankheitsgeschichte schnell und unkompliziert nachvollziehen.

18-monatige Pilotphase

In ersten Praxistests sind Patienten des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg und Lungenkrebspatienten der Uniklinik Köln im Rahmen des nationalen Netzwerks Genomische Medizin (nNGM) eingeschlossen. Die aktuelle Phase stellt eine Machbarkeitsstudie dar, in der die Grundfunktionen von DataBox angelegt werden. Nach der 18-monatigen Pilotphase soll die Plattform unter Ausweitung der Funktionalitäten weiterentwickelt werden. Langfristiges Ziel ist der Übergang in die Regelversorgung. Das im Januar 2018 gestartete Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gefördert.

1. Mittags-Pressekonferenz der Korporativen Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) Sonntag, 5. Mai 2019, Wiesbaden

2. Deutsches Krebsforschungszentrum: DataBox-Projekt: Digitales Gesundheits-Management in Patientenhand

Bild: © iStock.com/metamoworks

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