11. Februar 2021

DGIM über Covid-19

Aktuelle Erkenntnisse zu Diagnostik & Therapie

Was bei den bisherigen Anstrengungen im Kampf gegen Covid-19 gelungen ist und welche Entwicklungen Hoffnung machen – diese und weitere Fragen beantwortete Professor Dr. med. Christoph Sarrazin, Direktor Zentrum Innere Medizin und Medizinische Klinik 2 am St. Josefs-Hospital in Wiesbaden im Rahmen der Jahrespressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM).

Lesedauer: 2,5 Minuten

Screenshot von der DGIM-Jahrespressekonferenz 2021

Der folgende Beitrag basiert auf den Inhalten der Jahrespressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) vom 04. Februar 2021. Redaktion: Sebastian Schmidt 

Antikörper-Therapie und Colchicin im frühen Stadium erfolgreich

Die Behandlung einer Covid-19-Erkrankung erfolgt momentan primär symptomorientiert. „Was die Therapie angeht, haben wir keine spezifisch antivirale, mit der wir das Virus sofort blocken oder aus dem Körper schmeißen können“, so Prof. Sarrazin. Es befinden sich jedoch zahlreiche Therapieansätze, von antiviralen Substanzen über Immunmodulatoren, bis hin zur Behandlung mit Antikörpern in klinischen Studien. Deshalb bestehe für ihn aktuell die beste Chance für eine erfolgreiche Therapie darin, früh zum Arzt zu gehen: „Wir haben mit der Antikörper-Therapie eine gute Möglichkeit, in der frühen Phase Positives zu bewirken.“ Auch das Colchicin sei ein hoffnungsvoller Weg. 

Im coliquio-Forum diskutieren Ärzte ebenfalls die Covid-19-Behandlung mit Colchicin. Lesen Sie hier mehr >>

Antikoagulation mit niedermolekularem Heparin für schwere Verläufe

Professor Dr. med Christoph Sarrazin
Professor Dr. med Christoph Sarrazin

Als problematisch ordnet Prof. Sarrazin die schweren Verläufe in der späten Phase ein: „Da haben wir bisher keine richtig durchschlagenden Erfolge.“ Bisher komme hier aufgrund häufiger thrombembolischer Komplikationen eine Antikoagulation mit vorzugsweise niedermolekularem Heparin in prophylaktischer Dosierung zum Einsatz. Dabei konnte laut Sarrazin in großen Studien eine Reduktion der 30-Tage-Mortalität um 27 Prozent nachgewiesen werden. Für die stationäre Behandlung stehe zudem eine aktuelle S2k-Leitlinie (Stand November 2020) zur Verfügung. 

So unterstützt die Gabe von Remdesivir und Dexamethason

Außerdem steht das Virostatikum Remdesivir in der Frühphase bei nicht beatmeten Patienten mit Pneumonie und Sauerstoffbedarf zur Verfügung. „Es war insbesondere bei Patienten in Studien mit einer signifikanten Verkürzung der Zeit bis zur Genesung, nicht jedoch einer geringeren Mortalität, assoziiert. Bei Patienten mit schwerer Lungenentzündung und einer Sauerstoffsättigung unter 90 Prozent soll eine immunmodulatorische Therapie mit Dexamethason erfolgen, da hier eine signifikante Reduktion der Sterblichkeit nachweisbar war“, so Prof. Sarrazin.

Zuletzt hatte die WHO ernüchternde Ergebnisse zu Remdesivir veröffentlich. Mehr dazu lesen Sie hier >>

Aktuelle Studien lassen auf mRNA-Impfstoffe hoffen

Um den Erfolg durch die Impfungen sichtbar zu machen, wird es darauf ankommen, über große Datenmengen stichhaltige Analysen durchzuführen. Prof. Sarrazin blickt hierfür zuversichtlich auf aktuelle Studien: „In mRNA-Studien sind etwa 20.000 Placebo und Verumarme, die weiterverfolgt werden.“

Die Entwicklung der mRNA-Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 ist bisher eine Erfolgsstory. Die Schutzwirkung scheint hoch und in den zurzeit noch weiter fortgeführten Phase-3-Studien wurden bisher so gut wie keine schwerwiegenden Nebenwirkungen beobachtet. Mehr dazu lesen Sie hier >>

Deutschland profitiert von Impfkampagnen in Israel & Großbritannien

Außerdem lässt auch die Impfkampagne in Israel hoffen: „Dort gibt es eine große Kohorte mit 200.000 Geimpften versus 200.000 Nicht-Geimpften, die über die Krankenkassen überprüft werden. Darüber erhalten wir wichtige Hinweise, zum Beispiel wie gut schützt die Impfung vor der Infektion und vor der Übertragung. So können wir den Erfolg der Impfungen überprüfen.“

Der Blick nach Großbritannien bestätigt die gute Ausgangslage ebenfalls. Dort hatte es in den letzten Monaten Notzulassungen gegeben, die für messbare Kohorten sorgen. Die Gesundheitsbehörden lieferten Daten für eine sehr gute Überprüfung.  

Impfstoffentwicklung befindet sich im Wettlauf mit Mutationen

Für Prof. Sarrazin besteht weiter die Sorge einer Verbreitung neuer Virusvarianten. Diese könnten mit erhöhten Reproduktionszahlen beziehungsweise höheren Viruslasten und damit einer rascheren Verbreitung assoziiert sein.

„Dass das Virus mutiert, ist eine Tatsache. Wenn man sich die Daten des vergangenen Jahres ansieht, dann kann man feststellen, dass es schon einen kompletten Austausch gegeben hat. Deshalb gehe ich fest davon aus, dass die englische Variante sich in Europa verbreiten wird.“ Dabei stellt sich die Frage, wie schnell diese Verbreitung voranschreitet. Prof. Sarrazin: „Ich hoffe nicht, dass wir in eine Situation hineinkommen, dass wir ständig dem Virus hinterherrennen, aber sicher sind wir auch da aktuell noch nicht.“ 

Was es mit der Virus-Mutation B.1.1.7 auf sich hat, lesen Sie hier >>

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