09. September 2021

Transition ist kein Nischenthema mehr – ein Update

Die Arbeitsgemeinschaft Transition besteht seit fast 10 Jahren und gibt aktuell ein Update zu Forschritten zum Thema Transition. Dau gehören: Eine stärkere Sichtbarkeit, Schwierigkeiten im konkreten Umgang und der Blick auf eine neue S3-Richtlinie.1

Lesedauer: 2,5 Minuten

Dieser Beitrag wird vertreten durch die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Autoren: Britta Siegmund, Hans-Georg Koch. Redaktion: Sebastian Schmidt.

Unter Transition versteht man den geplanten Übergang von Kindern oder jungen Erwachsenen mit chronischen Erkrankungen von einer kindzentrierten hin zu einer erwachsenenorientierten Gesundheitsversorgung. Bereits vor zehn Jahren wurde das BTP als eine Modellstruktur für die Transition identifiziert (www.btp-ev.de). Das BTP optimiert Versorgungsstrukturen und -abläufe und ist daher kein indikationsspezifisches Modell. Die einzelnen Elemente des Programms sind mittlerweile in einem Buch zusammengefasst 1.

Schwierigkeiten im konkreten Umgang mit Transition

Während das Programm zunächst nur auf Berlin und wenige Erkrankungen beschränkt war, ist die Anzahl der Erkrankungen zwischenzeitlich deutlich gestiegen. Deshalb wurden verschiedene Modelle entwickelt, durch die akkreditierte Transitionsstellen auch in anderen Regionen Deutschlands entstanden sind und zumindest dort eine strukturierte Transition durchgeführt werden kann. Während die Kernelemente, die für die Transition benötigt werden, durch das BTP gut definiert sind und in der Akkreditierung festgehalten werden, basiert die Abrechnung dieser Leistungen weiterhin auf direkten Verhandlungen mit den Krankenkassen.

2012 wurde die Arbeitsgemeinschaft (AG) Transition gegründet und besteht heute aus Vertreterinnen und Vertretern folgender Gesellschaften:

  • Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ)
  • Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie, dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ)
  • Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ)
  • Gesellschaft für Transitionsmedizin und dem „Berliner TransitionsProgramm“ (BTP).

Die Mitglieder der AG Transition treffen sich aktuell zweimal jährlich, um sich über die verschiedenen Aktivitäten in dem Bereich Transition auszutauschen und das Feld aktiv weiter zu entwickeln.

Es gibt bereits zahlreiche zusätzliche Programme

Es existiert darüber hinaus eine Reihe von zusätzlichen Programmen, die insbesondere auf Schulung von Patientinnen und Patienten abzielen und alle vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) gefördert wurden.

  • Hierzu gehört das TransFITProgramm, welches als Ziel hat, ein gesundheitsspezifisches Wissen aufzubauen und damit die Selbstständigkeit der Jugendlichen im Umgang mit ihrer chronischen Erkrankung zu fördern und damit den Prozess der Transition zu unterstützen (https://www.innovationtransfit.de).
  • Im Projekt TRANSLATE-NAMSE (https://translate-namse.charite.de) zielte das Modul zur Transition darauf ab, die Gesundheitskompetenz der jugendlichen Patientinnen und Patienten mit seltenen Erkrankungen zu verbessern, indem multidisziplinäre Schulungsmaßnahmen basierend auf einer strukturierten Bedarfserfassung angeboten wurden 2.
  • Ein weiteres Projekt, das ebenfalls der Patient*innenschulung dient, ist AOKTrio (https://www.aok-trio.de). Hier wurde ein Onlinecoach entwickelt, der den Jugendlichen helfen soll, ihre Gesundheitskompetenz zu verbessern und mehr Eigenverantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen.

Aktuelle S3-Letilinie soll Prozess der Transition unterstützen

Diese zahlreichen Aktivitäten und ihre Bedeutung für die alltägliche klinische Praxis spiegeln sich in der gerade erschienenen S3-Leitlinie „Transition von der Pädiatrie in die Erwachsenenmedizin“ der Gesellschaft für Transitionsmedizin in Zusammenarbeit mit zahlreichen Fachgesellschaften aus der Erwachsenen- sowie der Kinder- und Jugendmedizin wider 3.

Ziel dieser Leitlinie ist es, den Prozess der Transition von der pädiatrischen Versorgung in die Versorgung der Erwachsenenmedizin für chronisch kranke Jugendliche und junge Erwachsene fachübergreifend zu strukturieren. „Damit“, so die Leitlinie, „soll eine kontinuierliche spezialisierte medizinische Betreuung über die vulnerable Lebensphase der Adoleszenz bis in das Erwachsenenalter hinein sichergestellt werden“. Anknüpfend an die Bemerkungen zu dem BTP soll auch die S3-Leitlinie dazu führen, dass Transitionsleistungen zur Regelversorgung gehören und damit auch gesichert von den Kostenträgern finanziert werden sollten.

Fazit: Transition kein Nischenthema mehr

Die dargestellten Aktivitäten zeigen auf, dass das Thema Transition kein Nischenthema mehr ist, sondern in diesen nun fast zehn Jahren Gremienarbeit der AG Transition an Sichtbarkeit gewonnen hat. Der Austausch über aktuelle Aktivitäten und das damit entstandene multidisziplinäre Netzwerk aus Kinder-, Jugend- und Erwachsenenmedizinern wird auch die kommenden Projekte begleiten und unterstützen.

  1. 1. Findorff J, Müther S, Moers A, Nolting H-D, Burger W (2016) Das Berliner TransitionsProgramm, Sektorenübergreifendes Strukturprogramm zur Transition in die Erwachsenen Medizin. https://doi.org/10.1515/9783110432619
  2. Grasemann C, Matar N, Bauer J et al (2020) Ein strukturierter Versorgungspfad von der Pädiatrie in die Erwachsenenmedizin für Jugendliche und junge Erwachsene mit einer seltenen Erkrankung. Monatsschr Kinderheilkd. https:// doi.org/10.1007/s00112-020-00929-5
  3. Gesellschaft für Transitionsmedizin. S3-Leitlinie: Transition von der Pädiatrie in die Erwachsenenmedizin. Version 1.1 vom 22.04.2021. Verfügbar: https://www. awmf.org/leitlinien/detail/ll/186-001.html. Zugegriffen: 11. Jul. 2021
  4. Arbeitsgemeinschaft Transition – ein Update; DGIM; 09.09.2021.

Bildquelle: © gettyImages/Tetra Images

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