15. Mai 2017

Klinik-Codex gegen zunehmende Kommerzialisierung der Krankenhäuser

Klinikärzte geraten immer mehr unter Druck, ihre Entscheidungen betriebswirtschaftlichen Interessen unterzuordnen. „Der Patient aber ist kein Kunde, das Krankenhaus kein normales Wirtschaftsunternehmen“ – betonte Prof. Dr. Petra-Maria Schumm-Draeger zusammen mit anderen Vertretern der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in einem Positionspapier.1,2

Das Gewinnstreben in der Klinikmedizin war auch ein Hauptprogrammpunkt auf der diesjährigen 123. DGIM-Jahrestagung. Mit einem „Ärzteklinik-Codex“ soll nun ein weiteres Instrument geschaffen werden, um der inzwischen von ökonomischen Leit- und Erfolgskriterien dominierten Medizin etwas entgegenzusetzen und der Krankenbehandlung wieder den Vorrang vor der Ökonomie zu verschaffen.

Der Codex – eine Art Leitlinie ähnlich der „Medical Corporate“ – wurde seit September 2016 erarbeitet und vom Ende 2016 bis Anfang 2017 diskutiert. Im Moment befindet er sich in der redaktionellen Überarbeitung. Dem zunehmenden Diktat der Kommerzialisierung und Gewinnmaximierung im Krankenhausbereich soll damit entgegengewirkt werden, sodass sich Ärzte bei der stationären Versorgung wieder auf ihr ärztliches Handeln konzentrieren könnten.

Außerdem möchte man verhindern, dass kommunikative Disziplinen wie die Innere Medizin gegenüber gewinnträchtigen interventionellen Maßnahmen weiter ins Hintertreffen geraten. Gerade die Versorgung chronisch kranker Pateinten erfordere viel Zeit für das ärztliche Gespräch. Eine wesentliche Forderung ist daher eine bessere, angemessene Vergütung der „sprechenden Medizin“.

Welche Maßnahmen für die Förderung der „sprechenden Medizin“ aus Sicht Ihrer Kollegen sinnvoll sind, erfahren Sie in der Forumsdiskussion„Bereits nach 15 Sekunden unterbrochen: Kommt die sprechende Medizin zu kurz?“.

  1. Medizin vor Ökonomie: Klinik-Codex als Rückhalt für Ärzte Deutsches Ärzteblatt
  2. Der Patient ist kein Kunde, das Krankenhaus kein Wirtschaftsunternehmen Positionspapier DGIM, Dtsch med Wochenschr 2016; 141(16): 1183-1185; DOI: 10.1055/s-0042-111258

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