22. April 2018

DGIM-Kongress Poster 2018

Bei Herzinfarkt auch an Riesenzellarteriitis denken

Bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom (ACS) sollte differenzialdiagnostisch auch an eine Riesenzellarteriitis mit Beteiligung der Koronararterien gedacht werden.

Lesedauer: 1 Minute

Dieser Fall einer 77-jährigen Patientin wurde auf einem Poster im Rahmen der 124. Jahrestagung der DGIM vorgestellt.1

Atembeschwerden bei allen Tätigkeiten

Die Patientin war zur Abklärung erhöhter Entzündungsparameter in stationärer Behandlung im Universitätsklinikum Greifswald. Sie klagte über eine rasch zunehmende Belastungsdyspnoe schon bei geringster körperlicher Belastung, muskuloskelettale Schmerzen sowie Kopf- und Kieferschmerzen.

Das EKG war unauffällig. Im Labor finden sich veränderte Werte für Troponin-I (0,65 µg/l), CRP (132 mg/l), Ferritin (507 µg/l) und bei der Blutsenkungsgeschwindigkeit (82 mm/h) vor.

Bei manifestem NSTEMI wurde eine Koronarangiographie veranlasst, die dann eine 80%ige RIVA/D1-Abgangsstenose zeigte. Das Beschwerdebild und die Befunde ließen an eine systemische Vaskulitis mit Koronarbeteiligung denken. Bei der Biopsie der A. temporalis und im MRT bestätigte sich dann der Verdacht auf eine Riesenzellarteriitis (RZA).

Erhöhtes kardiovaskuläres Risiko bei RZA?

Genaue Zahlen zur Beteiligung der Koronarien bei RZA sind nicht bekannt – es gibt lediglich Einzelfallberichte nach Autopsien. Ob eine RZA generell das kardiovaskuläre Risiko erhöht ist nicht hinreichend geklärt. Bei älteren Patienten scheint die RZA eher ein gewisser Schutzfaktor vor arteriosklerotischen Veränderungen zu sein – bei jüngeren RZA-Patienten ist das kardiovaskuläre Risiko eher erhöht.

Vaskulitiden stellen im Kontext einer Entzündung eine relevante Differenzialdiagnose beim akuten Koronarsyndrom dar. Man müsse davon ausgehen, dass die chronische Inflammation bei RZA durchaus einen kardiovaskulären Risikofaktor darstellen kann, schreiben die Autoren.

  1. Idikó Tóth et al. Bei Herzinfarkt an Riesenzellen denken? Kasuistik in der Rheumatologie: NSTEMI und erhöhte Inflammationsmarker. Poster auf dem 124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), 14. – 17. April, Mannheim

Bildquelle: © iStock.com/mheim3011

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