09. Mai 2018

DGIM-Kongress 2018

Fieber ungeklärten Ursprungs: So gehen Sie vor

Fieber ungeklärter Ursache ist trotz moderner Bildgebungsverfahren nach wie vor ein relevantes klinisches Problem. Welche Untersuchungen bei der Abklärung eines FUO zum Einsatz kommen sollten und was zu tun ist, wenn sich kein Auslöser finden lässt, erläuterte Prof. Dr. med. Bernd Salzberger auf dem DGIM in Mannheim 1. Die coliquio-Redaktion hat den Infektiologen getroffen.

Lesedauer: 2 Minuten

Interview und Redaktion: Dr. Nina Mörsch, Marina Urbanietz

In seinem sehr gut besuchten Vortrag auf dem 124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Mannheim erklärte Prof. Dr. Salzberger, Leiter der Stabstelle Infektiologie am Universitätsklinikum Regensburg, wie sich die Definition des Fiebers ungeklärter Ursache (FUO) in den letzten Dekaden verändert hat. So wurde das Problem FUO in den 1960er Jahren das erste Mal folgendermaßen beschrieben: Die Fieberperiode muss mindestens drei Wochen andauern und die Temperatur höher als 38,3 °C liegen. Trotz intensiver Diagnostik und einem einwöchigen stationären Aufenthalt ist keine auslösende Krankheit nachzuweisen.

Definition von FUO: Früher und heute

Doch die klinische Herausforderung hat sich mit den Fortschritten der Medizin und den veränderten Patientenkollektiven weiterentwickelt. So wird das ursprünglich beschrieben FUO heute als „klassisches“ Fieber ungeklärter Genese bezeichnet. Sukzessive hinzugekommen sind folgende Kategorien:

  • FUO beim HIV-infizierten Patienten
  • FUO bei Immundefekten

Bei den neuen Kategorien haben sich unter anderem aufgrund moderner Bildgebungsverfahren auch die Definitionen geändert: So muss das Fieber nicht mehr über einen Zeitraum von länger als 3 Wochen bestehen. Vielmehr empfiehlt Prof. Salzberger zunächst folgende Basisuntersuchungen:

  • Blutsenkungsreaktion (BSG)
  • Röntgen-Thoraxuntersuchung
  • Abdomensonographie sowie
  • mehrere Blutkulturen.

Erst wenn diese Untersuchungen ohne Ergebnis bleiben, spricht man von Fieber ungeklärter Genese.

Im Interview mit Prof. Dr. med. Salzberger

In unserem 2-minütigen Interview beantwortet Prof. Dr. Salzberger folgende Fragen:

  • Patient mit länger anhaltendem Fieber: Welche diagnostischen Schritte leiten Sie ein?
  • Was sind die häufigsten Ursachen für ein FUO?
  • Wenn sich kein Auslöser finden lässt, sollte der Patient dennoch behandelt werden oder gilt es eher abzuwarten?
  • Gibt es Situationen, in denen die Gabe von Antibiotika auch ohne Erregernachweis angezeigt ist?

Videodauer: 2 Minuten

Ursachen von FUO regional verschieden

Mittlerweile kennt man mehr als 200 Ursachen des FUO. Während Infektionen vor allen in Ländern mit niedrigen Ressourcen einen größeren Platz einnehmen, zeigt ein Vergleich von Studien aus verschiedenen Dekaden: In Ländern mit höherem Einkommen gibt es eine Verschiebung hin zu einem höheren Anteil an Tumorerkrankungen, entzündlichen Erkrankungen und letztlich unbekannt gebliebenen Ursachen. „Durch die bessere Diagnostik fokussieren wir immer mehr auf kompliziertere Patientenfälle“, erklärt der Internist im Vortrag.

Zur Person: Prof. Dr. med. Bernd Salzberger, Internist und Infektiologe, leitet am Universitätsklinikum Regensburg die Stabstelle Infektiologie. Er behandelt seit mehr als 30 Jahren Patienten mit Infektionskrankheiten, zuerst vor allem mit HIV/AIDS, jetzt schwerpunktmäßig mit Viruserkrankungen und Infektionen bei immunkompromittierten Patienten. Er leitet am UK Regensburg das Antibiotic-Stewardship Programm und ist Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie.

Fieber nach Fernreise: 6 wichtige Anamnesefragen

Fernreisen sind sehr beliebt, doch besteht je nach Ziel das Risiko, sich mit exotischen Erregern zu infizieren. Erfahren Sie in einem weiteren Beitrag 6 wichtige Anamnesefragen, die Ihnen wertvolle Hinweise auf die Ursache von Fieber bei Reiserückkehrern liefern können.

1. Vortrag “Richtig entscheiden in der Infektiologie – Bei Fieber” auf dem 124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Mannheim, 2018

Bildquelle: ©: iStock.com/skynesher

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren