15. Januar 2018

Internistenkongress 2018

10 Hauptthemen und Anmeldung

Erstmals besetzt mit Professor Cornel Sieber ein Geriater den Posten des Vorsitzenden und Kongresspräsidenten der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. Die diesjährige Jahrestagung der DGIM findet vom 14. bis zum 17. April 2018 im Mannheimer Congress Center Rosengarten stattf. Auch die coliquio-Redaktion wird für Sie wieder vor Ort sein und über die wichtigsten Themen live vom Kongress berichten. (Lesedauer: 2 Minuten)

Hier sind die Hauptthemen der DGIM 2018 im Überblick:

  • Als Geriater betreuen wir im multidisziplinären Team vorab Menschen jenseits der 80 Jahre. Diese Patientinnen und Patienten leiden meist unter mehreren (chronischen) Krankheiten, sie zeigen eine Multimorbidität. Die Evidenz-basierte Medizin (EBM) fußt primär auf der Erforschung und daraus resultierend Therapieempfehlungen aufgrund einer Monopathologie. Dass diese Studien meist nicht an dieser (hoch)betagten Bevölkerungsgruppe durchgeführt wurden, sei weil wichtig auch erwähnt. Setzt man nur die Leitlinien, welche aufgrund der EBM erstellt werden, unreflektiert um, generiert man Probleme bei den Menschen, die mehr als fünf Krankheiten und damit Leitlinienempfehlungen in sich vereinen. Eine gewisse Priorisierung fußend auf den Therapiezielgrößen des Patienten ist deshalb unabdingbar. Hier soll der betreuende Internist im Diskurs mit dem Patienten – und häufig auch den betreuenden Angehörigen – eine vornehmen. Dies ist denn auch dies, was David Sackett als Trias der EBM verstand: Klinische hochqualitative Studien, Erfahrung des Arztes und die Patientenpräferenzen. In Zeiten des „big data“ wird gerne vergessen, dass in komplexen Strukturen – und der Mensch ist glücklicherweise im besten Sinne „komplex“ – die Individualisierung dies ist, was letztendlich die ärztliche Kunst ausmacht. Die Heilkunst meint hier denn auch eben nebst Wissen und Übung die Wahrnehmung und Intuition.

  • Multimorbidität – drei oder mehr parallel bestehende Krankheiten – verursacht meist auch eine Polymedikation. Von Polypharmazie wird gesprochen, wenn regelmäßig fünf oder mehr Medikamente eingenommen werden müssen. Dies ist bei der Betreuung vieler unserer Patienten mehr Regel denn Ausnahme. Diese Polypharmazie ist auch alles andere als primär schlecht, bedingt sie doch einen wesentlichen Teil der Langlebigkeit in meist gut erhaltener Funktionalität. Dennoch sind unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) häufig und nicht selten Grund zur Hospitalisation. Polypharmazie führt auch zu einer Abnahme der Adhärenz. Ganz allgemein ist eine Priorisierung in Absprache mit den Patienten („shared decision making“) wichtig.

  • Der Umstand, dass wir als Internisten immer mehr Menschen mit chronischen Krankheiten betreuen – unabhängig vom Umstand einer alternden Gesellschaft – besteht die Gefahr der über die Zeit abnehmenden Funktionalität. Dem zu begegnen überschreitet den rein medizinisch-betreuenden Bereich und um den Betroffenen Teilhabe an der Gesellschaft zu garantieren, bedarf es multidisziplinärer Teams. Viele dieser Berufsgruppen akademisieren sich auszunehmend. Ein wichtiges Beispiel hierzu sind die Pflegeberufe.

  • Die Wiederherstellung oder Wiedereingliederung einer behinderten oder von Behinderung bedrohten Person in das berufliche und/oder gesellschaftliche Leben ist eines der Hauptanliegen der von uns betreuten Patienten. Gerade aus Sicht der Geriatrie kommt der Rehabilitation eine zentrale Rolle zu, als präventive Maßnahmen bei älteren Menschen meist zu angreifen. So können aber rehabilitative Erfolge erst Unabhängigkeit bedeuten. Rehabilitation ist auch deshalb wichtig, als vor Dezennien der präventive Nutzen in gewissen Bereichen noch gar nicht bekannt oder möglich war.

  • Global gesehen sind Infektionskrankheiten nach wie vor eine der großen Geißeln der Menschheit mit einer hohen Morbidität und Mortalität. Dies gilt in etwas abgeschwächter Quantität auch für unsere Breitengrade, doch sind Infektionskrankheiten nach wie vor häufige Todesursachen. Die genetische Veränderung von Keimen per se, aber auch deren Sensitivität gegenüber Antibiotika mit zunehmenden Resistenzen führen dazu, dass Infektionskrankheiten weiterhin zum „täglichen“ Brot aller Internisten gehört, wo immer sie auch arbeiten.

    Impfprogramme sind auch ein Dauerbrenner, zumal leider trotz klar nachgewiesener Effektivität die Impfraten nicht das Ausmaß erreichen, das sie eigentlich sollten.

    Die gerade geschilderten Herausforderungen führen auch dazu, dass das Spezialwissen von Infektiologen immer mehr gefragt ist. Dies auch deshalb, als die Menschen – auch Betagte – in einer globalisierten Welt auch in Ländern unterwegs sind, wo es Infektionskrankheiten gibt, die uns zu wenig oder nicht mehr in ihrem gesamten Spektrum bekannt sind (z.B. Tuberkulose). Die vielen Krisenherde der Welt mit den menschlichen Schicksalen und den daraus resultierenden Flüchtlingsströmen sind eine weitere Herausforderung bezüglich zu therapierender Infektionskrankheiten.

    Der Umstand, dass eine HIV-Infektion noch vor nicht langer Zeit meist tödlich verlief, sich heute zu einer chronischen Krankheit entwickelt hat zeigt auch exemplarisch auf, wie stark sich das Gebiet der Infektiologie wandeln kann.

  • Mens sana in corpore sano“ – ja, ohne gesunden Körper geht es auch dem Geiste schlecht! Viele der neurologischen Erkrankungen- zentral im Gehirn oder peripher – haben ihren Ursprung in internistischen Erkrankungen. Sei dies der Schlaganfall, periphere Neuropathien und Vieles mehr, so ist der pathogenetische Ursprung weit mehr systemisch als lokal. Gerade auch bei neuro-degenerativen Erkrankungen wie bei den meisten Demenzformen ist deshalb eine enge Verzahnung zwischen der Inneren Medizin und der Neurologie eminent wichtig. Dies ist nicht unidirektional möglich, zeigen doch auch neuro-degenerative Erkrankungen wie der Morbus Parkinson praktisch obligat innerhalb des Krankheitsverlaufes intern-medizinische Komplikationen wie Motilitätsprobleme im Magen-Darmtrakt bis hin zu Aspirationspneumonien, um einige wenige zu nennen. Wohl gerade hier zeigt sich das Leitthema des Kongresses, dass eben die Innere Medizin die Medizin für den ganzen Menschen darstellen kann und soll.

  • Gerade aus diesen häufig auch selteneren Krankheiten – und dazu gehören viele der immunologischen Systemerkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis – sind in den letzten Jahren sehr viele wichtige Impulse gekommen durch tieferes pathophysiologisches Verständnis und darauf aufbauend spezifischen Therapien wie die „Biologicals“. Diese haben längst auch Eingang bei anderen immunologisch mitbestimmten Krankheiten wie zum Beispiel bei den entzündlichen Darmerkrankungen aber auch neurologischen Leiden gefunden.

  • Dieser Satz von Hippokrates zeigt, dass nutritive Aspekte schon in der Antike im Zusammenhang mit gesundheitlicher Prävention und Therapie als zentral wichtig angesehen wurden. Die Ernährungsmedizin hat dennoch nicht den Stellenwert, den sie verdienen würde. Dies beginnt mit einer nur geringen Anzahl an Unterrichtseinheiten für das Fach im Medizinstudium, was dazu führt, dass die gesundheitlichen Probleme von der Mangel-, Fehl- und Überernährung in den verschiedenen Betreuungsstrukturen häufig nicht die Priorität erhalten, die sie sollten. Nahrungszufuhr ist auch so zentral für das Leben, dass sich Jeder irgendwie als „Kenner“ versteht, was präventive Empfehlungen oft schwierig gestalten lässt.

  • Unter Mikrobiom verstehen wir die Gesamtheit aller den Menschen besiedelnden Mikroorganismen, respektive beziehungsweise die mikrobiellen Genome. Ein erwachsener Mensch wird dabei von zirka 100 Billionen Bakterien besiedelt, die meisten davon „leben“ im Gastrointestinaltrakt in einer symbiotischen Beziehung mit uns. Diese kaum vorstellbare Zahl uns besiedelnder Keime erhält aktuell eine hohe Beachtung, auch in der Laienpresse.

    Ist das Mikrobiom somit quasi unser „Über-Ich“ im Sinne von Sigmund Freud? Wenn dem so wäre, würde das Mikrobiom als biologisch-moralische Instanz gesundheitliche Wert- und Normvorstellungen mitbedingen. Wenn man die Presse verfolgt könnte man meinen, dem sei so. Doch besitzt das Mikrobiom im zeitlichen Kontinuum und inhaltlichem Spektrum eine weitere Sphäre: Das Mikrobiom wird uns zwar über die Mutter mitgegeben („family fingerprint“), kann sich aber über die Lebensspanne hin auch in relativ kurzer Zeit substantiell verändern.

    Dies bedeutet, wenn man dem Mikrobiom gesundheits-modulatorische Bedeutung zumisst, dass durch eine Veränderung der Ernährung dies zum Guten oder Schlechtem hin orientiert werden kann. Damit würde die Aussage „man ist, was man isst“ tatsächlich stimmen und Hippokrates hätte recht gehabt. So wird das Mikrobiom aktuell sowohl als Risikofaktor wie Modulator für Krankheiten wie der Diabetes und/oder die Demenz diskutiert.

  • Urbanisierung, Entvölkerung relevanter Gebiete in den nächsten Jahrzehnten, Konzentration der Kliniklandschaft, relativ hohes durchschnittliches Alter der internistischen Kolleginnen und Kollegen im ambulanten Bereich, und nicht zuletzt Feminisierung der Medizin mit häufig anderen Lebensentwürfen im Spagat zwischen Beruf und Familie bedingen, dass eine fundierte perspektivische Auseinandersetzung mit Versorgungstrukturen zur Garantie einer weiterhin hochstehenden Versorgung der Bevölkerung sehr wichtig ist.

    Die Gesundheitsversorgung ist von Land zu Land recht verschieden. So können Resultate aus der Versorgungsforschung aus dem – auch europäischen – Ausland nur bedingt übernommen werden. Eine verstärkte politisch mitgetragene und unterstütze Versorgungsforschung ist deshalb von großer Bedeutung. Gerade hier zeigt sich auch Wichtigkeit der engen Vernetzung der „allgemeinen Inneren Medizin“ mit ihren zum Teil hochspezialisierten Schwerpunkten.

    Diese sind einer Matrixorganisation gleich nur dann erfolgreich, wenn alle beteiligten Partner systemisch vernetzt sind. Die Verzahnung von Dienstleistung und Forschung über die Berufs- und Fächergrenzen hinweg wird eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahre sein.

Neben den 10 Schwerpunktthemen wird an der Jahrestagung 2018 eine Fortbildung durch das gesamte Gebiet der Inneren Medizin und damit durch den ganzen Menschen erfolgen.

DGIM 2018: Anmeldung & Programm

Die Registrierung zum 124. DGIM Kongress 2018 ist ab sofort unter dem nachfolgenden Button möglich. Die ermäßigten Preise gelten für die Registrierungen bis 15.02.2018.

Das Hauptprogramm wird hier voraussichtlich Ende März im PDF-Format veröffentlicht.

Prof. Dr. Cornel Sieber ist Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Geriatrie am Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg und Direktor des Instituts für Biomedizin des Alterns der FAU Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Er ist Vorsitzender der DGIM 2017/2018 und Kongress-Präsident des 124. Internistenkongresses.

Themen vom DGIM-Internistenkongress der vergangenen Jahre:

Titelbild: iStock. Bildnachweis: kontrast-fotodesign.

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