
Berichterstattung im Nachgang des DGIM-Kongresses 2024
Professor Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) präsentierte auf dem diesjährigen Internistenkongress in Wiesbaden aktuelle Daten aus der Klimaforschung. Neben den vielen schlechten Nachrichten gab es auch einige Lichtblicke – doch auch hier gilt: Nur, wenn man dranbleibt.
Sieben Millionen Tote jährlich durch Luftverschmutzung, wofür die fossilen Energien die Hauptverursacher sind, wäre aus Sicht des Referenten Grund genug aus ebendiesen Energien auszusteigen – zumal sie auch für die globale Erderwärmung mitverantwortlich sind.
Diese Erkenntnisse sind jedoch nicht neu, bereits Alexander von Humboldt hat 1843 vor Folgen der Industrialisierung für die Klimaänderung gewarnt. Auch der schwedische Physiker und Chemiker Svante Arrhenius ahnte, was auf die Menschheit zukommt und hat 1896 ausgerechnet, dass eine Verdopplung des Kohlendioxidgehalts in der Atmosphäre zu einer Temperaturerhöhung von 4 °C führen würde.
Inzwischen sei die Klimaveränderung Realität, und die Temperaturerhöhung korreliert mit dem CO₂-Anstieg in der Atmosphäre, so Professor Rahmstorf. „Wir haben 1,2-1,3°C Temperaturerhöhung seit dem vorindustriellen Zeitalter erreicht“, betont er noch einmal.
„Schon bald wird es in vielen Teilen der Erde zu heiß für die Menschen werden, um sich im Freien aufzuhalten“, sagt Professor Rahmstorf in seinem Vortrag. Dabei bezieht er sich auf die Studie von Vecellio D.J. et al., die im Oktober 2023 in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht wurde. In dieser Arbeit wurde untersucht, in welchen Regionen und wie lange im Jahr die physiologische Maximaltemperatur überschritten wird, bei der ein Mensch im Freien mehrere Stunden überleben kann. (Anm. der Red.: Die Karte und die genauen Ergebnisse können Sie sich in der Studie ansehen, die Arbeit ist als Volltextpublikation frei verfügbar).
„Dies würde eine Bevölkerung von mehr als eine Milliarde Menschen betreffen, die nach besseren Gegenden suchen und sich Richtung Norden bewegen werden“, so der Wissenschaftler weiter.

Es ist bekannt, dass die komplette moderne Erderwärmung seit dem neunzehnten Jahrhundert menschengemacht ist. Ich stelle allerdings immer wieder fest, dass dies in der Öffentlichkeit noch nicht angekommen ist. Dabei wissen wir, dass die Auswirkungen natürlicher Faktoren auf den globalen Temperaturanstieg laut aktuellen Erkenntnissen lediglich 0,1°C ausmachen (IPCC 2021).
Professor Dr. Stefan Rahmstorf, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)
Wie können wir die Erwärmung auf 1,5°C (oder möglichst nah dran) begrenzen? Hierfür sei eine schnelle und tiefgreifende Senkung der Treibhausgasemissionen in allen Sektoren in diesem Jahrzehnt entscheidend (IPCC 2023).
Die globalen Emissionen sind seit dem Jahr 2000 kontinuierlich angestiegen – abgesehen von dem kurzfristigen „Corona-Effekt“. Und nun kommt die gute Nachricht: Aktuell scheinen sie jedoch ein Plateau erreicht zu haben. „Es könnte sein, dass wir nächstes Jahr das erste Jahr sehen, in dem globale Emissionen fallen werden. Dies wäre eine Trendwende“, erläutert Prof. Rahmstorf. „Um das 1,5°C-Ziel einhalten zu könnten, müssten die Emissionen allerdings sehr schnell fallen“, führt er weiter aus, „weil CO₂ eine lange Lebensdauer in der Atmosphäre hat“. Deshalb kommt es auf die kumulative Emissionsmenge an.
Dies bedeutet, dass alle Emissionen, die seit Beginn der Industrialisierung initiiert worden sind, sich in der Atmosphäre ansammeln und so weiterhin zur Erderwärmung beitragen. „Deswegen müssen wir die Fläche unter den Emissionskurven klein halten, denn auf sie kommt es an. Es kommt also nicht drauf an, ob wir 2030 oder 2040 klimaneutral sind, sondern wie viel wir bis dahin emittieren“, so der Wissenschaftler.
Es ist also keine Option, Klimaschutz zu verzögern. Denn dies würde bedeuten, dass die Ziele außer Reichweite geraten. Man kann sie nicht später einhalten, sondern gar nicht mehr.
In seinem Vortrag empfiehlt Professor Stefan Rahmstorf einige Buchtitel für alle, die sich detailliert mit dem Thema auseinandersetzen möchten.
Christian Stöcker: Manner, die die Welt verbrennen (Ullstein, 2024)
Klaus Wiegandt: 3 Grad mehr (Oekom, 2022)
Stefan Rahmstorf, Hans Joachim Schellnhuber: Der Klimawandel (C.H. Beck, 2019)
Hier finden Sie eine Auswahl an Vorträgen zum Klimawandel (Login erforderlich, kostenpflichtig):
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Dieser Beitrag basiert auf dem Vortrag „Klimakrise: Was die neusten Daten verraten und was wir tun können“, vorgestellt auf dem 130. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V.
Titelbild: GettyImages, MathieuRivrin.
Dieses Bild wurde im Winter 2016 aufgenommen, als der Sturm Ruzica die Westküste Frankreichs erreichte. Dabei erreichten die Wellen die Höhe von über 15 Meter. Aufnahmeort: Finistère in Frankreich.