03. Juli 2020

Ambulante Notfallversorgung: steigende Hausbesuchszahlen in Folge der Corona-Krise

Der Vorstand des Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung äußert sich zu Vorwürfen der Deutschen Krankenhausgesellschaft, die Praxen hätten während der Corona-Krise nicht für die Versorgung der Patienten zur Verfügung gestanden. 1,2

Lesedauer: 2 Minuten

In der Hochphase der Coronapandemie haben die niedergelassenen Ärzte mehr Hausbesuche gemacht als in der gleichen Zeit im Vorjahr. Das geht aus einer vorläufigen Datenanalyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hervor. Das Institut reagiert damit auch auf eine Stellungnahme der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).1,2

Deren Hauptgeschäftsführer Georg Baum hatte zusammen mit dem DKG-Präsidenten Gerald Gaß am Mittwoch (1. Juli) vor Journalisten erklärt, die niedergelassenen Ärzte hätten sich in der COVID-19-Hochphase nicht in dem Umfang eingebracht, wie es für sie möglich gewesen wäre. „So hat es keine Hausbesuche gegeben und für viele Patienten war das Krankenhaus die letzte Möglich­keit für eine Versorgung“, sagten sie laut Deutschem Ärzteblatt.

Die Zahl der Hausbesuche im organisierten Notdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen ist in der Corona-Krise deutlich gestiegen, in den letzten beiden Märzwochen des Jahres 2020 um ca. 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig ist die Zahl der ambulanten Notfälle, zum Beispiel in den Bereitschaftsdienstpraxen und in den Notfallambulanzen der Krankenhäuser, um ca. 25 Prozent gesunken.

Vorwürfe der Deutschen Krankenhausgesellschaft gegen Vertragsärzte nicht haltbar

„Die Aussagen der Deutschen Krankenhausgesellschaft sind mit der Datenlage nicht vereinbar“, sagte Dr. Dominik von Stillfried, Vorstandsvorsitzender des Zi. „Einen Ansturm auf die Notfallambulanzen hat es nicht gegeben. Das Gegenteil ist der Fall. Im Zuge der Corona-Krise war die Bevölkerung sehr vorsichtig mit Besuchen in den Notfallambulanzen, was zu den erheblichen Fallzahlrückgängen führte. Dieser Rückgang wurde zum Teil durch den fahrenden Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen aufgefangen.

Auch die Vorwürfe der DKG, die Praxen hätten für die Versorgung ihrer Patienten nicht zur Verfügung gestanden, lässt sich auf Basis der Daten nicht bestätigen. Insbesondere im hausärztlichen und grundversorgenden fachärztlichen Bereich ist die Zahl der abrechnenden Ärzte in den letzten beiden Märzwochen gegenüber dem Vorjahr konstant geblieben. Auch wenn insbesondere ältere Patienten die Praxis seltener aufgesucht haben, standen die Niedergelassenen für die Versorgung zur Verfügung“, so von Stillfried. Das Zi wird den kompletten Zahlenbericht zur Veränderung der Inanspruchnahme in der vertragsärztlichen Versorgung im Zuge der Corona-Krise Ende Juli veröffentlichen.

  1. Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung, 02.07.2020: Ambulante Notfallversorgung: steigende Hausbesuchszahlen in Folge der Corona-Krise
  2. Deutsche Krankenhausgesellschaft, 01.07.2020: Lehren aus der Pandemie für gute Krankenhauspolitik, vollständiges Positionspapier

Bild: © GettyImages/Gligatron

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