06. August 2020

Ein Wurm deckt auf

Drei lange zugelassene Medikamente könnten bisher unentdeckte Nebenwirkungen haben

Der Plättchenhemmer Ticlopidin, das Antimykotikum Sertaconazol und der Säureblocker Dexlansoprazol haben längst die Zulassungsstudien durchlaufen, sind schon längere Zeit auf dem Markt und wurden millionenfach angewandt. Jetzt weisen Experimente mit dem Wurm C. elegans darauf hin, dass sie möglicherweise bisher noch nicht entdeckte Nebenwirkungen aufweisen.1,2

Lesedauer: 1 Minute

Der mikroskopisch kleine Nematoden-Wurm C. elegans wird in der präklinischen pharmakologischen Forschung sehr geschätzt: Er teilt tausende Gene mit Menschen und weist ähnliche biologische Funktionen auf. Genutzt wird er daher für kostengünstige frühe Toxizitätstests möglicher Medikamentenkandidaten. Was den Wurm tötet, hat dann in der Regel auch keine Chance auf weitere Entwicklungsschritte.

In einem anderen Zusammenhang hat man den Wurm jetzt mit über tausend schon auf dem Markt befindlichen Medikamenten konfrontiert. Drei davon – Ticlopidin, Sertaconazol und Dexlansoprazol – brachten den Wurm zwar nicht in allen Fällen um, richteten jedoch nachweisbar Schaden an. Bei Ticlopidin und Sertaconazol konnten die Forscher Blasen mit akkumulierten Medikamenten im Rachen der Tiere nachweisen, die z.T. zu Distorsionen und in einigen Fällen auch zum Tod führten. Dexlansoprazol führte bei den Würmern zu Häutungsstörungen. Der Vorgang der Häutung spielt bei Menschen war keine Rolle – es sind aber die gleichen Gene involviert wie bei der humanen Kollagensekretion, sodass es hier zu Störungen kommen könnte.

Noch ist dadurch nicht bewiesen, dass die drei Medikamente beim Menschen wirklich Schaden anrichten – sie sollten aber im Auge behalten und weiter untersucht werden.

Manche Nebenwirkungen von Medikamenten werden erst nach jahrelanger Anwendung erkannt. Experimente mit C. elegans könnten eine Möglichkeit sein, solchen unerwünschten Wirkungen möglicherweise schon früher auf die Spur zu kommen.

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