28. September 2019

Erste durch Mücken übertragene West-Nil-Virus-Erkrankung beim Menschen in Deutschland

Erstmals ist eine in Deutschland durch Mücken übertragene Infektion und Erkrankung mit dem West-Nil-Virus (WNV) bekannt geworden: Die Person aus Sachsen war an einer Enzephalitis erkrankt, wurde im Klinikum St. Georg in Leipzig behandelt und ist inzwischen wieder genesen. 1

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Vermehrte Erkrankungen ab nächstem Sommer zu erwarten

Das Nationale Referenzzentrum für tropische Infektionserreger am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) wies eine Infektion mit WNV nach. „Das Risiko weiterer Fälle nimmt derzeit ab, da die Zahl der Mücken im Herbst zurückgeht. In den kommenden Sommern müssen wir jedoch mit weiteren West-Nil-Virus-Infektionen rechnen“, sagt Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts. „Glücklicherweise verläuft der Großteil der Fälle mild.“

In 80% der Fälle ohne Symptome

Infektionen beim Menschen verlaufen zu ca. 80 % ohne Symptome, bei knapp 20 % mit meist milder und unspezifischer Symptomatik wie Fieber oder Hautausschlag. Nur bei unter 1 % aller Betroffenen – in der Regel bei Älteren mit Vorerkrankungen – kommt es zu einer Meningitis oder seltener zu einer Enzephalitis, die tödlich enden kann. Impfstoffe oder eine spezifische Therapie für Menschen gibt es bislang nicht. Infektionen lassen sich durch persönlichen Mückenschutz vorbeugen.

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Ausbreitung in den Norden

Durch Zugvögel und Stechmücken ist das Virus in nördlichere Regionen gelangt und kann dort während der Mückensaison verbreitet werden. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Ausbrüche in Süd- und Zentraleuropa sowie Schwarzmeer-Anrainerstaaten. „Offenbar haben die durch den Klimawandel bedingten ungewöhnlich warmen Sommer der letzten beiden Jahre dazu beigetragen, dass sich WNV nördlich der Alpen etabliert hat“, sagt Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Virusdiagnostik am BNITM.

Das Robert Koch-Institut erforscht zusammen mit dem BNITM die Infektionshäufigkeit von WNV und Risikofaktoren in der Bevölkerung. Seit Juli 2019 beispielsweise werden in Regionen, in denen Tiere mit WNV gefunden wurden, systematisch Blutspenden auf die Viren untersucht. Bislang waren die mehr als 2.000 getesteten Spenden negativ. An der Studie sind auch mehrere überregionale Blutspendedienste beteiligt.

Meldepflicht und Diagnostik

Infektionen mit dem West-Nil-Virus sind meldepflichtig. Seit 2018 empfiehlt das RKI Ärzten in den betroffenen Regionen, Patienten mit Enzephalitiden unklarer Herkunft auf West-Nil-Viren untersuchen zu lassen. Auch bei vermehrtem Auftreten von Fiebererkrankungen mit und ohne Hautausschläge muss das Virus als Auslöser in Betracht gezogen werden. Die Labordiagnostik sollte möglichst ein Speziallabor übernehmen.

  1. Informationsdienst Wissenschaft, 27.09.2019

Bildquelle: © Getty Images/FauxCaster

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