24. Mai 2021

Covid-19

Niedriger Vitamin-D-Status erhöht Corona-Risiko nicht

Im Internet kursiert, dass man sich mit Vitamin-D-Mitteln vor Corona schützen kann. Das klingt verlockend – stimmt einer neuen, für ihre Methodik gelobten Studie zufolge aber nicht. 1

Lesedauer: 2 Minuten

Gleiches Infektionsrisiko wie optimal versorgte Menschen

Ein niedriger Vitamin-D-Status ist einer neuen US-Studie zufolge kein Risikofaktor für eine Infektion mit dem Coronavirus. Zwar scheine es eine solche Verbindung zu geben, wenn man die Daten allein betrachte, erläutern die Forscher im Fachmagazin „Jama Open Network“. Beziehe man aber Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Ethnizität, Body-Mass-Index, Blutdruck, Raucherstatus und Wohnort mit ein, gebe es keinerlei Zusammenhang. Menschen mit vergleichsweise niedrigem Vitamin-D-Spiegel haben demnach also kein höheres Risiko, sich mit SARS-CoV-2 anzustecken, als optimal mit dem Vitamin versorgte Menschen.

Studienkohorte: Vitamin-D-Level bei 85 % unter 30 nm/ml

Die Wissenschaftler um Yonghong Li vom US-Laborunternehmen Quest Diagnostics in San Juan Capistrano (US-Staat Kalifornien) hatten Daten aus dem Mitarbeiter-Gesundheitsprogramm mit jährlichen Screenings aus den Jahren 2019 und 2020 analysiert. Insgesamt wurden 18 148 Menschen zwischen 37 und 56 Jahren einbezogen, etwa zwei Drittel davon Frauen. Vor Pandemie-Beginn hatten demnach rund 60 % der Untersuchten ein Vitamin-D-Level von weniger als 30 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml), weitere rund 25 % ein noch niedrigeres (weniger als 20 ng/ml).

Kein signifikanter Zusammenhang zwischen Infektion und Vitamin-D

Bei rund fünf Prozent der Probanden (900) wurden im Untersuchungszeitraum Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen. Zwar hatten die Mitarbeiter und Angehörigen, die positiv getestet wurden, im Schnitt ein niedrigeres Vitamin-D-Level als die negativ getesteten. Unter Berücksichtigung anderer Faktoren, die die Corona-Risiken merklich beeinflussen, ergab sich aber kein signifikanter Zusammenhang. So hatten zum Beispiel deutlich übergewichtige Menschen (BMI ab 30), Männer und Frauen mit Bluthochdruck, Raucher sowie Mitarbeiter und deren Partner ohne Hochschulabschluss im Schnitt häufiger einen Vitamin-D-Mangel.

Andere, kleinere Studien hatten zuvor auf einen möglichen Zusammenhang hingewiesen, vielfach wurden allerdings die vielen Faktoren, die das Corona-Risiko beeinflussen, nicht berücksichtigt.

Zudem wurde der Vitamin-Status oft entweder sehr lange zuvor oder aber erst im Zuge der Covid-19-Erkrankung gemessen – so dass sich nach Aussage von Experten aus dem Messwert nicht ableiten lässt, ob ein gemessener Mangel nicht erst infolge der Infektion entstand.

Lesen Sie auch: Bundesamt für Risikobewertung: Vitamin D, das Immunsystem und Covid-19:
In einer aktuellen Meldung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) heißt es, Vitamin D könnte einen Einfluss auf eine Covid-19-Erkrankung haben. Dennoch: Die Studienlage ist nach wie vor unsicher. Zum Beitrag >>

Studie trifft keine Aussage über die Schwere einer Covid-19-Erkrankung

Zu den Einschränkungen der neuen Analyse zählt den Autoren zufolge, dass sich nicht alle Corona-Infektionen über Antikörper nachweisen lassen – unter anderem, weil diese nach gewisser Zeit schwinden. Eine Aussage über die Schwere von Covid-19-Erkrankungen in Abhängigkeit vom Vitamin-D-Status trifft die Studie nicht. In einem Kommentar zur Studie in „Jama Open Network“ lobt der US-Gesundheitsexperte Michael Polis die Methodik der Analyse. „Diese Studie zeigt, dass eine gut konzipierte, angemessen dimensionierte Beobachtungsstudie mehr definitive Beweise liefern kann als mehrere kleinere, schlecht konzipierte Studien.“ 1

  1. dpa, 21.05.2021

Bildquelle: © Getty Images/celsopupo

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