07. Oktober 2021

RKI geht von mehr Corona-Geimpften aus

Das Robert Koch-Institut (RKI) geht von bereits mehr Corona-Geimpften aus, als in der offiziellen Meldestatistik erfasst sind. Unterdessen warnt der Deutsche Hausärzteverband vor einem Anstieg von Infektionskrankheiten infolge der Corona-Pandemie.1

Lesedauer: 3 Minuten

Bürgerbefragungen & Meldedaten: Bis zu 80% der Erwachsenen vollständig geimpft?

Es sei anzunehmen, dass unter Erwachsenen bis zu 84 Prozent mindestens einmal und bis zu 80 Prozent vollständig geimpft sind, heißt es in einem aktuellen RKI-Bericht (Stichtag 5.10.). Die Schätzung beruht auf Bürgerbefragungen und Meldedaten. Nach Meldungen der Impfstellen haben bisher knapp 80 Prozent der Über-18-Jährigen eine erste Spritze bekommen, gut 75 Prozent bereits die zweite.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur mit Bezug auf die RKI-Angaben, die Impfkampagne sei noch erfolgreicher als gedacht. „Das gibt uns zusätzliche Sicherheit für Herbst und Winter. Wir wollen mit Umsicht und Vorsicht Schritt für Schritt zurück in Freiheit und Normalität.“ Die erreichten Impfquoten machten es möglich, draußen auf bestimmte Corona-Regeln zu verzichten – insbesondere das Tragen medizinischer Schutzmasken. In Innenräumen seien Zutrittsvorgaben für Geimpfte, Genesene und Getestete (3G) mit der Option für 2G nur für Geimpfte und Genesene weiterhin wichtig – ebenso das Einhalten von Hygieneregeln mit Abstand und Masken.

Unterschätzung der berichtete Impfquote von bis zu 5 Prozentpunkten kann angenommen werden

Das RKI erläutert in dem Bericht, über den zunächst die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichteten, es liege nahe, „dass die im Digitalen Impfquoten-Monitoring berichtete Impfquote als Mindest-Impfquote zu verstehen ist und eine Unterschätzung von bis zu 5 Prozentpunkten für den Anteil mindestens einmal Geimpfter beziehungsweise vollständig Geimpfter angenommen werden kann.“ Zur Anschauung: Fünf Prozentpunkte in der Erwachsenenbevölkerung entsprechen grob überschlagen 3,5 Millionen Menschen.

Hintergrund ist, das in vom RKI durchgeführten Befragungen deutlich mehr Menschen angeben, bereits geimpft zu sein, als in der Statistik vermerkt sind. Das RKI nennt verschiedene Erkläransätze, unter anderem, dass in den Befragungen wenig impfbereite Menschen unterrepräsentiert sind. Zudem gibt das RKI an, dass Menschen mit schlechten Deutschkenntnissen nicht an der Befragung teilnehmen können. „Es besteht die Vermutung, dass Sprachbarrieren auch zu einer geringeren Inanspruchnahme der COVID-19 Impfung führen.“ Zudem würden bestimmte Impfungen in der Statistik gar nicht erfasst. Bereits im August hatte das RKI von „gewisser Unsicherheit“ bei der Interpretation von Impfquoten-Daten berichtet.

Hausärzte warnen vor Anstieg von Infektionskrankheiten

Der Deutsche Hausärzteverband warnt unterdessen vor einem starken Anstieg von Infektionskrankheiten infolge der Corona-Pandemie. „Das liegt auch daran, dass die Menschen wegen der Corona-Beschränkungen eineinhalb Jahre kaum Kontakt zu verschiedenen Viren hatten», sagte der Bundesvorsitzende Ulrich Weigeldt der „Passauer Neuen Presse“. „Insofern ist ihr Immunsystem nicht gut trainiert gegen viele Viren, mit denen wir normalerweise gut fertig werden. Das Resultat: Erkältungskrankheiten fallen stärker ins Gewicht. Die Lockdowns haben also nicht nur Vorteile gebracht.“

Gerade bei Kindern sehe man mehr und mehr Infektionskrankheiten, die viele vorher nicht auf dem Radar gehabt hätten, sagte Weigeldt. Immer wieder seien Lehrende beziehungsweise Erwachsene Infektionsquellen für Kinder. Weigeldt befürwortet daher die „Impfpflicht für solche Berufsgruppen“. Er sprach sich für eine Aufhebung der Maskenpflicht aus – zumindest für die jüngeren Jahrgänge an Schulen, und verpflichtende Impfungen für das Lehrpersonal, wie auch Beschäftigte in anderen sensiblen Berufsgruppen, wie in der Pflege.

Besonders Kinder betroffen

Auch Kassenarzt-Chef Andreas Gassen plädierte für eine Aufhebung der Maskenpflicht in Schulen. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Donnerstag): „Aus meiner Sicht ist es vertretbar, in Schulen auf Masken zu verzichten.“  Gassen verwies zur Begründung auf die regelmäßigen Corona-Tests in den Schulen und auf unerwünschte gesundheitliche Folgen der Corona-Schutzmaßnahmen. „Durch die langen Phasen des Lockdowns, Social Distancing und des Maskentragens sind die Immunsysteme der Kinder mittlerweile so untrainiert, dass sie an Viren erkranken, die ihnen früher nichts anhaben konnten“.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte vor dem Treffen der Kultusminister am Donnerstag und Freitag bundesweit einheitliche Regeln in der Frage der Corona-Schutzmaßnahmen in den Schulen. „Die GEW appelliert an die Kultusministerkonferenz, sich auf eine gemeinsame Linie beim Thema Maskenpflicht zu verständigen“, sagte GEW-Chefin Maike Finnern dem RND. „Wir wollen, dass die Schulen auch in der kalten Jahreszeit geöffnet bleiben, das wird nicht ohne Hygienemaßnahmen und -konzepte gehen.“

1. dpa; 07.10.2021.
Titelbild: © Getty Images/Andriy Onufriyenko

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