26. Mai 2021

Unternehmen tüfteln an Corona-Impfstoffen der nächsten Generation

Während viele Menschen in Deutschland noch auf ihre Corona-Impfung warten, arbeiten Hersteller schon an der nächsten Impfstoff-Generation. Erste solche Präparate könnten nach Angaben des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (vfa) im Erfolgsfall noch in diesem Jahr zugelassen werden.1

Dabei werden einem vfa-Sprecher zufolge vor allem drei Strategien verfolgt: Erstens geht es um eine stärkere Immunisierung, indem die Immunabwehr etwa durch Antikörper noch mehr aktiviert wird. Im zweiten Fall wird an der Immunisierung gegen mehrere Spikeproteine gearbeitet. Und schließlich wird an der Immunisierung auch gegen andere Sars-CoV-2-Bestandteile geforscht, wie etwa das Nukleokapsid.

Heterologe Auffrisch-Impfungen?

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) ist bisher auch nicht bekannt, ob Impf-Booster besser mit einem anderen Impfstofftyp erfolgen sollten als mit dem zuerst gespritzten Präparat. Die Beantwortung dieser Frage hänge von Faktoren ab wie der Dauer des Impfschutzes nach der ersten Impfserie oder der Wirkweise des Impfstoffs, heißt es beim RKI. Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, hatte jüngst den Zeitungen der Funke Mediengruppe gesagt, dass wohl alle Geimpften im nächsten Jahr ihren Impfschutz auffrischen lassen müssten.

Hersteller wie Biontech/Pfizer oder Johnson & Johnson testen fortlaufend die Wirksamkeit ihrer Produkte bei Mutanten und auch die Dauer des Impfschutzes. Nach ersten Ergebnissen wirken die Impfstoffe nach einem halben Jahr noch einwandfrei. Moderna untersucht drei verschiedene Booster-Impfungen, die Ende des Jahres auf den Markt kommen könnten, wie Europachef Dan Staner dem „Handelsblatt“ sagte.

Von Curevac, dessen erster Impfstoff noch nicht zugelassen ist, gab es trotz Nachfrage keine Informationen zu weitergehenden Forschungen.

Fortlaufende Studien bei Biontech

Ferner arbeiten Biontech und Pfizer beispielsweise daran, dass ihr Impfstoff auch für 12- bis 15-Jährige und jüngere Kinder eingesetzt werden kann. Seit Ende März lassen die Unternehmen ebenso die Verabreichung einer einzelnen Auffrischungsimpfung fünf bis sieben Monate nach Erhalt der zweiten Biontech-Dosis untersuchen. Dabei wird auch ein modifizierter Impfstoff getestet, der an das Spikeprotein der aus Südafrika bekannten Variante B.1.351 angepasst wurde. Angelaufen ist zudem eine Schwangerenstudie.

Der Biontech-Vorstandsvorsitzende Ugur Sahin hatte bei einer Veranstaltung des Science Media Centers gesagt, er wolle auch Studien durchführen bei Menschen, deren Immunabwehr unterdrückt ist.

Anders als bei den mRNA-Impfstoffen wie von Biontech/Pfizer muss das Vakzin von Johnson & Johnson bislang nur einmal gespritzt werden. Es würden aber auch Wirksamkeit und Sicherheit von zwei Dosen untersucht, erklärte eine Sprecherin der Janssen-Cilag GmbH, die zu Johnson & Johnson gehört. „Wir erwarten im Sommer 2021 erste Daten aus dieser Studie.“ Darüber hinaus erprobe das Unternehmen, ob andere am Schutz gegen Sars-CoV-2 beteiligte Immunfunktionen, wie die T-Zell-Immunantworten, auch gegen neuen Varianten wirksam sind.

„Parallel dazu beschäftigen wir uns bereits mit der Entwicklung eines Impfstoffs der zweiten Generation und werden unsere Erkenntnisse aus unserem aktuellen Covid-19-Programm nutzen, um diese Bemühungen zu beschleunigen“, teilte die Sprecherin mit.

Auch Schluckimpfungen möglich

Doch nicht nur die Hersteller selbst befassen sich mit solchen Forschungen. Der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen hat eine ganze Reihe an Projekten aufgelistet, die im Moment an Impfstoffen der zweiten Generation arbeiten. Dazu zählt die Entwicklung einer Schluckimpfung mit gentechnisch veränderten, lebenden Typhus-Impfbakterien, die zwei verschiedene Proteine von Sars-CoV-2 tragen. An dem Vorhaben ist die Universität Würzburg beteiligt.

Inwiefern das alles nötig ist, kann man derzeit schwer abschätzen.

Prognosen sind kaum möglich

Prognosen sind wegen vieler nicht zu beantwortender Fragen kaum möglich. Die Leiterin der Sektion Infektiologie am Zentrum für Innere Medizin des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf, Marylyn Addo, hatte beim Science Media Center gesagt, bei eingedämmtem Infektionsgeschehen gebe es auch weniger Mutationen. „Dann müssen wir uns diesem Thema der neuen Mutationen vielleicht gar nicht so dramatisch stellen.“

Und wenn das doch notwendig wird? Das für die Impfstoffzulassung zuständige Paul-Ehrlich-Institut hat keinen Einfluss auf die Entwicklungen, verweist aber zumindest auf Aussagen der Hersteller der mRNA-Impfstoffe. Die gingen davon aus, innerhalb von sechs Monaten Anpassungen vornehmen zu können. Innerhalb weiterer sechs Monate wollten sie dann Millionen Impfstoffdosen produzieren können.

  1. dpa vom 26.05.2021

Bildquelle: © Getty Images/ffikretow

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