18. Februar 2020

Kindliches Übergewicht durch Parabene in der Schwangerschaft

Parabene werden als Konservierungsmittel in Kosmetika eingesetzt. Nutzen Schwangere parabenhaltige Kosmetika, die länger auf der Haut verbleiben, kann dies Folgen für die spätere Gewichtsentwicklung des Kindes haben. 1

Lesedauer: 3 Minuten

Daten aus der Mutter-Kind-Studie LINA

Das zeigen Wissenschaftler vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) gemeinsam mit Kollegen der Universität Leipzig sowie der Charité und dem Berlin Institute of Health (BIH) in einer im Fachmagazin Nature Communications veröffentlichten Studie. Ausgehend von den Daten der Mutter-Kind-Studie LINA konnten sie epigenetische Veränderungen identifizieren, die durch Parabene hervorgerufen werden und die natürliche Regulation des Sättigungsgefühls im Gehirn stören.

Parabene werden vielfach in Kosmetika als Konservierungsmittel eingesetzt. Was in Cremes oder Körperlotionen gegen Keime schützt, kann jedoch einen Nebeneffekt haben. „Nehmen Schwangere Parabene über die Haut auf, kann dies zu Übergewicht bei ihren Kindern führen,“ sagt UFZ-Umweltimmunologe Dr. Tobias Polte.

Ausgangspunkt der Untersuchungen war die Mutter-Kind-Kohorten-Studie LINA, eine Langzeitstudie des UFZ, in der die Bedeutung von Umweltbelastungen in sensiblen kindlichen Entwicklungsphasen für das spätere Auftreten von Allergien und Atemwegserkrankungen oder Übergewicht erforscht werden.

Erhöhter BMI besonders bei Töchtern

„Zunächst wollten wir wissen, ob die im Urin von Schwangeren aus der Mutter-Kind-Kohorte gefundenen Parabene einen Einfluss auf die Gewichtsentwicklung ihrer Kinder haben“, erklärt die ehemalige UFZ-Forscherin Prof. Irina Lehmann, heute am Berlin Institute of Health (BIH) und an der Charité – Universitätsmedizin Berlin tätig. „Wir entdeckten dabei einen positiven Zusammenhang zwischen den Konzentrationen von Butylparaben im Urin der Mütter und einem erhöhten Body-Mass-Index der Kinder – insbesondere der Töchter – bis hin zum achten Lebensjahr.“

Um herauszufinden, woher die Butylparabene im Urin der Schwangeren stammen, durchforsteten die Forscher die Fragebögen, die die Teilnehmerinnen der LINA-Studie ausgefüllt hatten, nach Angaben zu benutzten Kosmetikprodukten während der Schwangerschaft. „Mithilfe der App ToxFox des BUND konnten wir schnell und einfach prüfen, ob in den jeweiligen Kosmetika Parabene unter den Inhaltsstoffen waren“, erklärt Polte. „Und hohe Konzentrationen von Parabenen im Urin der Mütter gingen tatsächlich einher mit der Nutzung parabenhaltiger Kosmetika – insbesondere solcher, die lange auf der Haut verbleiben, wie etwa Cremes oder Körperlotionen.“

Das Forscherteam untersuchte in Zellkulturen, ob Fettzellen selbst auf erhöhte Konzentrationen von Butylparaben reagieren. „Butylparaben führte weder zur Vergrößerung der Fettzellen, noch lagerten diese mehr Fett ein als sonst“, berichtet Lehmann. „Die Fettzelldifferenzierung wurde durch die Parabene also offenbar nicht beeinflusst.“

Epigenetische Veränderungen identifiziert

In Zusammenarbeit mit Kollegen der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig stellten die Forschenden im Mausmodell eine Parabenbelastung während der Schwangerschaft und Stillzeit nach. Dabei wurden Mäuse über die Haut Butylparaben ausgesetzt. „Wie in der LINA-Studie zeigten auch hier die weiblichen Nachkommen eine erhöhte Gewichtsentwicklung“, sagt Polte. „Und sie fraßen auch deutlich mehr als die Nachkommen von Mäusen aus der Kontrollgruppe.“ Daher vermuteten die Forscher, dass Parabene möglicherweise einen Einfluss auf die Hungerregulation im Gehirn haben könnten und nahmen Schlüsselgene im Hypothalamus der Mausnachkommen genauer unter die Lupe.

Es zeigte sich, dass das für die Steuerung des Hungergefühls maßgebliche Gen namens Proopiomelanocortin (POMC) im Gehirn der jungen Mäuse herunterreguliert war. Dafür war eine epigenetische Veränderung verantwortlich, die verhinderte, dass das POMC-Gen abgelesen werden konnte.

Wie stabil die epigenetischen Veränderungen sind, und ob sie weitervererbt werden können, darüber können die Forscher bislang noch keine Aussage treffen. Doch aus den bisherigen Ergebnissen können sie schon eine klare Empfehlung aussprechen: „Werdende Mütter sollten während der sensiblen Phasen von Schwangerschaft und Stillzeit mit Blick auf die künftige Gesundheit ihre Kindes unbedingt auf parabenfreie Produkte zurückgreifen“, sagt Lehmann. „Viele Kosmetika sind bereits als parabenfrei deklariert, ansonsten hilft der Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe oder zum Beispiel die Nutzung der App ToxFox.“

  1. dpa, Februar 2020.

Bildquelle: © gettyImages/LittleBee80

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