19. August 2019

Apfel, Birne & Olive am Stiel

Wird das Sterberisiko durch den Figurtyp beeinflusst?

Einer Studie zufolge haben Frauen mit einem Fettansatz am Bauch auch bei Normalgewicht ein höheres Sterberisiko als ebenfalls normalgewichtige Altersgenossinnen mit geringerem Taillenumfang. Allerdings stoßen die Studienergebnisse bei Experten auch auf Kritik.1-3

Lesedauer: 2 Minuten

Die „Apfelform“ mit dickem Bauch scheint bei normalgewichtigen Frauen nach einer im Fachmagazin JAMA erschienenen Studie ähnlich risikoreich zu sein wie bei deutlich übergewichtigen Frauen (BMI >30). Im Rahmen der prospektiven Kohortenstudie wurden zwischen 1993-1998 43.838 Todesfälle von postmenopausalen 156.624 Frauen (Durchschnittsalter 63,2 Jahre) ausgewertet. 12.965 (29,6%) verstarben aufgrund kardiovaskulärer Krankheiten und 11.828 (27%) an Krebs.

Jeweils im Vergleich zu normalgewichtigen Frauen mit einem Taillenumfang unter 88 Zentimetern erreichte das Mortalitätsrisiko für normalgewichtige Frauen mit höherem Bauchumfang ( Taillenumfang > 88 cm) eine Hazard Ratio (HR) von 1,31 nach Berücksichtigung von demografischen, sozioökonomischen und Lebensstilfaktoren sowie einer eventuellen Hormonersatztherapie.

Weiterhin konnten die US-amerikanischen Autoren feststellen, dass sich das Mortalitätsrisiko bei übergewichtigen oder adipösen Frauen mit eher schmaler Taille (Birnenform) nicht wesentlich von Normalgewichtigen mit einem Bauchumfang unter 88 cm unterschied (HR 0,91 bzw. 0,93).

Die Autoren plädieren daher dafür, bei der Risikobeurteilung Figur und Fettverteilung mehr Bedeutung zuzumessen, da der alleinige BMI wenig aussagefähig sei. Weitere Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Krebs und Übergewicht finden Sie in diesem Beitrag.

Expertenkritik an der Studie

Dr. David Allison von der School of Public Health der University of Indiana weist in einem Kommentar allerdings darauf hin, dass sich keine direkte kausale Beziehung zwischen Körperform und dem Mortalitätsrisiko aus den Daten schließen lässt. Auch beim Bauchfett müsse zudem zwischen subkutanem und viszeralem Fett unterschieden werden. Zudem sei wahrscheinlich auch eine Fettakkumulation im Oberkörper bei sonst ausgeprägter Schlankheit („Olive am Stiel“) mit einem erhöhten Risiko assoziiert.

Kritik kommt auch von Prof. Dr. Manfred James Müller von der Universität zu Kiel. Ihm zufolge habe sich speziell das Leberfett bei Personen mit hohem Taillenumfang als schädlich für den Stoffwechsel erwiesen. Zudem sei in der Studie der Taillenumfang nicht wie von der WHO vorgegeben an der Mitte einer in der vorderen Axillarlinie konstruierten Verbindungslinie zwischen dem unteren Rippenrand und der Spinna iIiaca gemessen worden, sondern lediglich „an der Taille oder dem engsten Teil des Oberkörpers.”

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