03. September 2019

Hormontherapien erhöhen das Brustkrebsrisiko

Eine Hormontherapie zur Linderung von Wechseljahrsbeschwerden erhöht das Brustkrebsrisiko von Frauen – und zwar auch noch Jahre nach Beendigung der Therapie. Dies berichtet ein internationales Forscherteam nach der Auswertung von insgesamt 58 Studien zu dem Thema in der Fachzeitschrift Lancet.1,2

Lesedauer: 2 Minuten

Das Forscherteam hatte Daten von knapp 500 000 Frauen ausgewertet, bei denen die Menopause eingesetzt hatte. Einige der Frauen hatten über verschiedene Zeiträume hinweg eine Hormontherapie gemacht, andere hatten nie Hormone genommen. Mehr als 100 000 dieser Frauen waren an Brustkrebs erkrankt. Die Analyse zeigte, dass nahezu jede Hormonbehandlungsform das Brustkrebsrisiko erhöhte, allerdings in unterschiedlichem Ausmaß.

Je länger, desto höher das Risiko

Ohne Hormontherapie entwickeln demnach 63 von 1000 Frauen im Zeitraum zwischen 50 und 69 Jahren Brustkrebs. Bei einer fünfjährigen Behandlung mit Östrogen und täglicher Gestagengabe ergibt sich ein zusätzlicher Brustkrebsfall pro fünfzig Frauen. Wurde das Gestagen nicht täglich genommen, sondern nur phasenweise, war das Risiko etwas geringer: ein zusätzlicher Fall pro siebzig Frauen. Wurde nur Östrogen genommen, gab es auf zweihundert Frauen einen zusätzlichen Fall von Brustkrebs. Das erhöhte Risiko bestand demnach teilweise noch mehr als ein Jahrzehnt nach dem Absetzen der Medikamente.

Das Erkrankungsrisiko ist auch abhängig von der Behandlungsdauer, berichten die Forscher weiter. „Eine Behandlungsdauer von zehn Jahren mit Hormonen verdoppelt das erhöhte Brustkrebsrisiko im Vergleich zu einer fünfjährigen Behandlung“, sagt Mitautorin Gillian Reeves von der University of Oxford in einer Pressemitteilung der Fachzeitschrift. „Aber es scheint sehr wenig risikoreich zu sein, die Hormontherapie weniger als ein Jahr lang durchzuführen. Das gleiche gilt für die lokale, vaginale Östrogenanwendung in Form von Salben oder Zäpfchen, die nicht in den Blutkreislauf gelangen sollen.“

Die Ergebnisse waren unabhängig von persönlichen Einflussfaktoren, wie zum Beispiel einer familiären Veranlagung oder Alkohol- oder Zigarettenkonsum. Bei übergewichtigen Frauen, die ohnehin ein höheres Brustkrebsrisiko tragen, stieg das Risiko durch die Hormontherapie weniger. Auch ein sehr später Beginn der Hormontherapie, ab dem Alter von sechzig Jahren, schwächte das Erkrankungsrisiko ab.

Hormontherapie sollte kein Selbstläufer sein

Patientinnen sollten über die neuen Erkenntnisse informiert werden, sagt Olaf Ortmann von der Universitätsfrauenklinik in Regensburg. „Wir haben noch nicht so viel über die Langzeitfolgen gewusst. Bisher ist man davon ausgegangen, dass das Risiko für eine Brustkrebserkrankung wenige Jahre nach dem Ende der Hormonbehandlung wieder auf ein normales Maß zurück geht. Die Behandlung sollte demnach kein Selbstläufer sein, so Ortmann, der mitverantwortlich für die Leitlinie zur Hormontherapie in den Wechseljahren der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe ist. Die Patientinnen sollten nicht in Panik verfallen, aber mit ihrem Arzt sprechen. Man sollte immer nach ein paar Jahren überprüfen, ob die Medikamente reduziert oder ausgeschlichen werden können. Manchmal sind die Beschwerden, die zur Hormontherapie geführt haben, schon gemildert.

  1. Collaborative Group on Hormonal Factors in Breast Cancer. Type and timing of menopausal hormone therapy and breast cancer risk: individual participant meta-analysis of the worldwide epidemiological evidence. Lancet 2019; 29. August. DOI: 10.1016/S0140-6736(19)31709-X
  2. dpa, 30.08.2019

Bildquelle: © Getty Images/andresr

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