28. Dezember 2020

Spahn gegen Sonderrechte für Geimpfte

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich wie auch weitere Politiker gegen Sonderrechte für Geimpfte ausgesprochen. Zudem rechne er bald mit einer höheren Impfstoffproduktion in Deutschland. 1

Lesedauer: 3 Minuten

Aus Sicht des Gesundheitsministers sollten gegen das Coronavirus Geimpfte keine Vorteile gegenüber Ungeimpften haben. „Keiner sollte Sonderrechte einfordern, bis alle die Chance zur Impfung hatten.” Diese gegenseitige Rücksicht halte die Nation zusammen. ,,Gegen die Pandemie kämpfen wir gemeinsam – und wir werden sie nur gemeinsam überwinden.” Auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte sich gegen Sonderrechte ausgesprochen.

Geimpfte möglicherweise weiterhin ansteckend

Unter anderem ist derzeit auch noch gar nicht abschließend geklärt, ob Geimpfte das Virus weiterhin weitergeben können. Laut des Präsidenten des Paul-Ehrlich-Instituts Prof. Dr. Klaus Cichutek kann man sich auch nach einer Impfung noch anstecken – das Risiko sei aber deutlich reduziert. Das gilt auch für die Weitergabe von Viren. Zu einem letzten Urteil ist die Forschung hier noch nicht gekommen. Experten gehen davon aus, dass es noch leichte Corona-Symptome geben könne, aber keine schweren Krankheitsverläufe mehr. Auf jeden Fall wird dazu geraten, auch nach der Impfung weiter Abstand zu halten, Hände zu waschen und Mund-Nasen-Bedeckungen zu tragen.

Bald gesteigerte Impfstoffproduktion in Deutschland

Spahn ist zuversichtlich, dass die Produktion des Corona-Impfstoffs in Deutschland bald hochgefahren werden kann. „Wir tun alles zusammen mit Biontech-Pfizer, dass es zusätzliche Produktionsstätten hier in Deutschland etwa in Marburg in Hessen geben kann”, sagte Spahn am Montag im ZDF-“Morgenmagazin”. Ziel sei es, noch im Februar/März dort auch Produktion möglich zu machen.

Das Mainzer Unternehmen Biontech hat die Marburger Produktionsanlage von dem Schweizer Pharmariesen Novartis übernommen. Nach Angaben des Unternehmens sind dort nun einige Umstellungen nötig, bevor es auch dort mit der Produktion des Covid-19-Impfstoffs losgehen kann. Forderungen nach mehr Tempo wies Spahn zurück. Die Herstellung von Impfstoffen sei überaus anspruchsvoll, sie könne nicht in drei oder vier Wochen beliebig hochgefahren werden.

Mit Befremden reagierte Spahn auf den Vorschlag des Linken-Gesundheitspolitikers Achim Kessler, Impfstoff-Hersteller zu zwingen, anderen Unternehmen eine Lizenz zum Nachproduzieren zu gewähren. „Eine Produktion für einen Impfstoff ist hoch anspruchsvoll und hochkomplex, die kann man nicht mal eben per Lizenz bei einem anderen Unternehmen machen”, sagte er. Gerade auch für das Vertrauen in den Impfstoff ist es wichtig, dass alle Qualitätsanforderungen eingehalten würden.

Generell sei es einfach falsch, wenn der Eindruck entstehe, alle Länder außer Deutschland hätten genügend Impfstoff: „Der ist überall knapp, für alle auf der Welt.» Die Bundesregierung arbeite daran, dass es bald mehr Impfstoff gebe. «Aber wir machen das so, dass dann anschließend auch die Qualität stimmt.”

STIKO: Baldige Klarheit über Impfstoffwirkung gegen Corona-Mutation

In ein bis zwei Wochen sollen auch verlässliche Daten vorliegen, ob der in Deutschland verteilte Impfstoff auch gegen die in Großbritannien aufgetauchte Mutation des Coronavirus wirkt. „Nach den bisher vorliegenden Daten scheint es so zu sein, dass der Impfstoff noch wirken sollte”, sagte Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut (RKI), am Montag im ZDF-Morgenmagazin. Auch hier seien aber noch Untersuchungen nötig, die derzeit unter anderem Biontech durchführe, der Hersteller des Impfstoffs. „Wir denken und hoffen, dass wir in etwa ein bis zwei Wochen die Ergebnisse haben werden, so dass man dann ganz sicher sagen kann, wie er wirkt”, sagte Mertens weiter.

In Großbritannien war zuletzt eine neue Variante des Coronavirus aufgetaucht, die möglicherweise deutlich ansteckender als die bisher bekannte Form ist. Die meisten EU-Staaten hatten daraufhin entschieden, Reisen aus und nach Großbritannien vorübergehend weitgehend einzuschränken. Stiko-Chef Mertens wies am Montag außerdem darauf hin, dass der von Biontech entwickelte mRNA-Impfstoff auch in “relativ kurzer Zeit” nachjustiert werden könnte.

Impfungen in EU gestartet

Am Sonntag waren die Impfungen EU-weit gestartet. Laut Impfplan für Deutschland werden zunächst Menschen in Alten- und Pflegeheimen sowie gefährdetes Personal in Krankenhäusern geimpft. Neben mobilen Impfteams stehen bundesweit mehr als 400 Impfzentren bereit. Die Zahl der mit oder am Coronavirus gestorbenen Menschen in Deutschland überstieg zum Wochenbeginn die Marke von 30 000.

  1. Spahn gegen Sonderrechte für Geimpfte; dpa; 28.12.2020.
  2. Spahn rechnet bald mit höherer Impfstoffproduktion in Deutschland; dpa; 28.12.2020
  3. Stiko: Baldige Klarheit über Impfstoffwirkung gegen Corona-Mutation; dpa; 28.12.2020
  4. tagesschau

Bildquelle: © gettyImages/

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