09. September 2020

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erhöht Selbstmordrisiko

Mit der Aktion „Me Too“ sind sexuelle Belästigungen vor allem auch am Arbeitsplatz mehr in den Fokus gerückt. Jetzt hat eine schwedische Kohortenstudie gezeigt, dass solche sexuellen Übergriffe möglicherweise zu einem erhöhten Selbstmordrisiko beitragen können. 1

Lesedauer: 1 Minute

Sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz bestehen nicht nur aus direkten sexuellen Übergriffen, sondern können auch in verbaler und nicht-verbaler Form und in einem einschüchternden, feinseligen oder erniedrigendem Verhalten gegenüber dem Opfer erfolgen.

Im Rahmen der schwedischen Kohortenstudie füllten 85.205 Frauen und Männer einen Fragebogen zu sexueller Belästigung am bezahlten Arbeitsplatz in den Jahren 1995 bis 2013 aus. Die Angaben wurden in Bezug gesetzt zu der Rate an Selbstmordversuchen und vollzogenen Selbstmorden in dieser Kohorte.

Insgesamt berichteten 4,8 % (7,5 % der Frauen und 1,9 % der Männer) von sexuellen Belästigungen am Arbeitsplatz in den letzten 12 Monaten. Während des Nachbeobachtungszeit verstarben in der Gesamtgruppe 125 an Selbstmord (0,1 %) und 860 (1 %) überlebten einen Selbstmordversuch.

In der Regressionsanalyse waren sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz mit einem deutlich erhöhten Risiko für einen vollzogenen Suizid (HR 2,82) und Suizidversuche (HR 1,59) verbunden. Die Assoziation war unabhängig von sozidemographischen Bedingungen, Grunderkrankungen und der Art der Arbeit. Ein Unterschied zwischen den Geschlechtern wurde dabei nicht festgestellt.  

Die Aufdeckung und Verhinderung sexueller Belästigungen am Arbeitsplatz könnte somit zur Selbstmordprävention beitragen, schreiben die Autoren. Dem Zusammenhang zwischen sexueller Belästigung und dem Selbstmordrisiko sollte zudem in weiteren Studien nachgegangen werden.

1. Linda L. Magnusson Hanson et al; Work related sexual harassment and risk of suicide and suicide attempts: prospective cohort study; BMJ (2020); 370:m2984; DOI: https://doi.org/10.1136/bmj.m2984

Bild: © GettyImages/Serghei Turcanu

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