13. Januar 2020

Männliche Forscher häufiger zitiert: Positive Selbstdarstellung als Grund?

Was die positive Darstellung ihrer eigenen Forschungsergebnisse angeht, sind männliche Wissenschaftler ihren weiblichen Kolleginnen offenbar ein ganzes Stück voraus, wie eine US-amerikanische Studie jetzt gezeigt hat. Damit steigt offensichtlich auch ihre Chance, häufiger zitiert zu werden.1,2

Lesedauer: 1 Minute

Arbeiten von Frauen weniger häufig zitiert

Frauen sind in der akademischen Medizin und den Biowissenschaften nach wie vor unterrepräsentiert. Ihre männlichen Kollegen verdienen mehr, erhalten häufiger Forschungsstipendien – und ihre Arbeiten werden häufiger zitiert.

Ein Grund hierfür könnte die unterschiedliche Selbstdarstellung der Forschungsergebnisse sein, so eine im British Medical Journal publizierte Studie. Um das nachzuweisen, analysierten die Forscher mehr als 6 Millionen klinische und biowissenschaftliche Publikationen in PubMed auf die Verwendung von 25 positiven Begriffen wie „ausgezeichnet“, „neuartig“ und „einzigartig“.

Männliche Hauptautoren verwenden öfter positives Framing

Das Ergebnis: Männliche Hauptautoren verwendeten mit einer um bis zu 21 % höheren Wahrscheinlichkeit solch ein positives Framing in Überschriften und Zusammenfassungen – unabhängig von der tatsächlichen Bedeutung der Forschungsergebnisse. Dabei war der Unterschied der positiven Präsentation zwischen den Geschlechtern in bedeutenden klinischen Fachzeitschriften am größten. Dies blieb nicht ohne Folgen: Die Fachartikel, die selbstlobende Ausdrücke enthielten, wurden bis zu 13 % häufiger von anderen Publikationen zitiert. Dabei war der Unterschied umso ausgeprägter, je höher der Impact-Faktor des Fachjournals war.

„Unterschiede, wie Frauen ihre Forschungsleistungen im Vergleich zu Männern präsentieren, könnten zu der anhaltenden Benachteiligung von Wissenschaftlerinnen beitragen“, so der Autor Marc Lerchenmüller in einer Stellungnahme der Universität Mannheim. Um mögliche Auswirkungen abzumildern, empfehlen die Forscher im ersten Schritt Evidenz zu sammeln und das Bewusstsein für die Unterschiede in der Sprachverwendung zu schärfen. Um mehr Gerechtigkeit zu schaffen seien unter anderem die Bereiche Bildung, Mentoring und Publizierpraxis gefragt.

1. Lerchenmueller, Marc J. et al: Gender differences in how scientists present the importance of their research: observational study. The British Medical Journal, 16.12.2019.
2. Eppinger, Ute: Klappern gehört zum Handwerk, auch in der Forschung: Männer sind dabei hemmungsloser – und erfolgreicher. Medscape, 07.01.2020.

Titelbild: © Getty Images/Laurence Dutton

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