08. Januar 2021

Schwere Covid-19-Verläufe: Senken ACE-Hemmer das Risiko?

Nachdem die ACE-Hemmer anfangs in Verdacht standen, zu schweren Covid-19-Verläufen beizutragen, konnte aufgrund epidemiologischer Daten bald Entwarnung gegeben werden. Jetzt deuten Grundlagenuntersuchungen darauf hin, dass diese Substanzgruppe möglicherweise sogar die Anfälligkeit für schwere Verläufe reduzieren kann. 1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Neben hohem Alter, Adipositas und Diabetes hat sich auch die arterielle Hypertone als wichtiger Risikofaktor für schwere Covid-19-Verläufe herauskristallisiert. Zahlreiche Untersuchungen beschäftigen sich daher auch mit einem möglichen Einfluss des Bluthockdrucks und verschiedener Antihypertensiva auf den Krankheitsverlauf. Auch Forscher an der Berliner Charité haben den Einfluss von ACE-Hemmern und AT1-Rezeptoranatgonisten („Sartanen“) auf den Verlauf von SARS-CoV-2-Infektionen untersucht.

In den Nasopharyngeal-Abstrichen von 32 Covid-19-Patienten und 16 gesunden Kontrollen sequenzierten die Forscher die Boten-RNA einzelner Zellen (Transkriptionsanalyse) und korrelierten sie mit klinischen Daten. Von den Covid-19-Patienten hatten 25 eine arterielle Hypertonie, die bei zehn mit einem ACE-Hemmer und bei 15 mit einem Sartan behandelt wurde.

Voraktivierung von Immunzellen bei Hypertonie

Dabei konnten die Forscher zeigen, dass bestimmte Immunzellen aus den Abstrichen von Patienten mit Hypertonie eine Voraktivierung aufwiesen und diese leichte Entzündungsreaktion mit ungünstigeren Verläufen einer Covid-19-Erkrankung korreliert war. Diese Hyperinflammation wurde durch ACE-Hemmer offensichtlich gedämpft und gleichzeitig die antivirale Antwort verstärkt. Anders bei den Sartanen: Diese Substanzgruppe führt zur verstärkten Aktivierung von Makrophagen und neutrophilen Granulozyten, was sich bei Covid-19 wahrscheinlich eher ungünstig auswirkt.

Da es sich um reine Grundlagenforschung handelt, lassen sich daraus keine Handlungsempfehlungen ableiten. Keinesfalls sollten Antihypertensiva aber abgesetzt werden, da eine unbehandelte Hypertonie auf jeden Fall das Risiko für schwere Covid-19-Verläufe erhöht.

1. Saskia Trump et al; Hypertension delays viral clearance and exacerbates airway hyperinflammation in patients with COVID-19; Nature Biotechnology (2020); DOI: 10.1038/s41587-020-00796-1).

Bildquelle: © GettyImages/SARINYAPINNGAM

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