03. Dezember 2019

Schwangerschaft übersehen: Urintest kann auch falsch negativ sein

Bei einer 40-jährigen Frau wurde trotz mehrmonatiger Amenorrhoe bis zur 24. Woche eine Schwangerschaft übersehen, weil der übliche Urin-Schwangerschafts-Test negativ ausfiel. Diese im Alltag sehr praktischen „Point-of-Care-Testsysteme“ haben durchaus ihre Tücken, wie der Fall deutlich macht. 1,2

Lesedauer: 1,5 Minuten

Die Frau stellte sich mit Bauchschmerzen und Verstopfung in der Klinik vor. Drei Monate zuvor war bei ihr in derselben Klinik mittels Szintigraphie ein Morbus Basedow diagnostiziert worden, schon damals hatte die Patientin über eine seit vier Monaten bestehende Amenorrhoe geklagt. Der damals durchgeführte Urin-Schwangerschaftstest war aber negativ und man konzentrierte sich auf die Behandlung der Hyperthyreose mit Thiamazol.

An der Amenorrhoe hatte sich dadurch aber nichts geändert und den behandelnden Ärzten fiel nun auch eine Umfangsvermehrung des Bauches auf. Die Bestimmung von hCG im Serum zeigte einen deutlich erhöhten Wert und die Sonographie eine intakte Schwangerschaft in der 24. Woche. Zum Zeitpunkt des negativen Urin-Schwangerschaftstests war die Patientin somit in der 14. Schwangerschaftswoche gewesen.

Falsch negative Ergebnisse sind bei den Urin-Schwangerschaftstests durchaus möglich, schreiben die Autoren. Ursache kann zum einen der bei Sandwich-ELISA-Tests mögliche Hook-Effekt sein. Bei diesen Tests  muss das nachzuweisende Molekül an zwei verschiedene Antikörper binden. Sind beide Antikörper in geringerer Konzentration vorhanden als das nachzuweisende Molekül, kann das Ergebnis falsch negativ ausfallen – somit am häufigsten bei besonders hohen hCG-Konzentrationen.

Außerdem kann die Sensitivität mancher Schwangerschaftstests auch mit dem Anteil der im Urin enthaltenen Beta-Core-Fragmente des hCG variieren, was dazu führt, dass nur der eine Antikörper das Fragment erkennt. Diesen gar nicht so seltenen „variant hook effect“ beobachtet man vor allem zwischen der 8. und 14. Schwangerschaftswoche. Die Autoren empfehlen daher zum sicheren Ausschluss einer Schwangerschaft den hCG-Nachweis im Serum.

Die Patientin hatte Glück: Trotz Szintigraphie und Thiamazoltherapie brachte sie zum Geburtstermin komplikationslos ein völlig gesundes Kind zur Welt.

  1. Niloofar Latifi et al; Point-of-Care Urine Pregnancy Tests; JAMA (2019); November 11, 2019
  2. Springer Medizin: “Schwangerschaft übersehen − warum der Urintest versagt hat“ Dr. Dagmar Kraus, 18.11.2019

Bildquelle: © Getty Images/golubovy

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.

coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653