10. März 2020

Covid-19: „Schnelltests“ liefern kein zuverlässiges Ergebnis

In Krankenhauslaboren und in niedergelassenen Laboren arbeiten alle Beteiligten unermüdlich, um die stetig zunehmenden Anforderungen an Tests zu bewältigen. Die PCR-Methode (Polymerase chain reaction) zum Virusnachweis gilt als der Goldstandard und ist weithin auch international etabliert. Im ambulanten Bereich wird sie deutschlandweit von etwa 40 Laboren angewendet.1

Lesedauer: 2 Minuten

Für die effiziente Betreuung von Verdachtsfällen und infizierten Personen ist es wichtig, dass das Befundergebnis möglichst frühzeitig vorliegt. „Häufig schaffen wir es sogar, Proben, die erst am Nachmittag ins Labor geliefert werden, bis zum Abend untersucht zu haben“, sagt Dr. Michael Müller, 1. Vorsitzender der Akkreditierten Labore in der Medizin, ALM e.V. Ist dieser Test negativ, so liegt das Ergebnis, dass keine Infektion vorliegt, spätestens am nächsten Vormittag beim einsendenden Arzt und damit auch bei der jeweiligen Patientin oder dem Patienten vor.

Fällt der erste Coronatest dagegen positiv aus, so wird ein zweiter Test zur Bestätigung und zum spezifischen Nachweis des Erregers SARS-CoV-2 durchgeführt. „Innerhalb eines Tages nach Probeneingang im Labor liegt in aller Regel sogar das bestätigte Ergebnis vor“, betont Müller. Hierzu sei die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) als Standardverfahren etabliert und liefere qualitätsgesicherte und zuverlässige Ergebnisse, die wissenschaftlich untermauert seien.

Antikörper erst später nachweisbar

Der Einsatz so genannter Schnelltests, der derzeit immer wieder in den Medien diskutiert wird, sei demgegenüber der falsche Ansatz: „Aktuell vermarktete Schnelltests suchen nicht nach Erregern, sondern nach Antikörpern“, erklärt Dr. Daniela Huzly, Bundesvorsitzende des Berufsverbands der Ärzte für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie. „Antikörper sind bei Virusinfektionen wie mit dem SARS-CoV-2 meist frühestens eine Woche nach Erkrankungsbeginn nachweisbar, in der Regel sogar erst nach 14 Tagen. Für SARS-CoV-2 liegen noch gar keine gesicherten Erkenntnisse hierzu vor“, so die Ärztliche Leiterin der Diagnostik im Institut für Virologie, Universitätsklinikum Freiburg.

Zudem sei völlig ungeklärt, ob ein positiver Antikörpertest nicht durch eine frühere Infektion mit einem anderen Coronavirus verursacht sein könnte. Daher benötige jeder „Schnelltest“ die Bestätigung durch einen PCR-Test aus einem Abstrich: Nur der Nachweis von SARS-CoV-2 selbst lässt zuverlässig den Rückschluss zu, dass eine Person zum Zeitpunkt der Untersuchung auch infiziert ist.

Die Schnelltests werden mit der hohen Sicherheit bei negativen Ergebnissen beworben, dabei kann der Antikörper-Schnelltest noch negativ, die Person aber bereits hoch infektiös sein und im PCR-Test positiv getestet werden! Hier werden Patientinnen und Patienten in falscher Sicherheit gewogen.

„Ich kann zwar nachvollziehen, dass Menschen, die mit Symptomen in die Praxis kommen, sehr besorgt sind und daher für sich selbst ein schnelles Ergebnis bekommen möchten“, ergänzt Dr. Michael Müller. Ein unzuverlässiger Schnelltest jedoch gebe aus den genannten Gründen nicht nur keine Sicherheit, sondern verschwende unnötig Ressourcen im Gesundheitswesen. Diese würden jedoch für eine gute und zuverlässige Testung der Menschen benötigt, so Müller. Aus diesem Grund werden jene Schnelltests auch weder vom Robert-Koch-Institut noch von der WHO empfohlen.

  1. Abstrich-Untersuchungen mit etablierten PCR-Verfahren bleiben das Mittel der Wahl. Pressemitteilung Akkreditierte LAbore in der Medizin e.V., 06.03.2020

Bildquelle: © Getty Images/anyaivanova

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.

coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653