02. Januar 2019

20.000 Euro Schmerzensgeld: Trokarspitze im Kniegelenk verblieben

Dass bei operativen Engriffen im Körper des Patienten Werkzeuge oder Teile davon zurückbleiben, ist leider keine Seltenheit. Für sich genommen stellen solche Fälle auch nicht zwingend einen Behandlungsfehler dar. In diesem kürzlich vor dem Oberlandesgericht Oldenburg verhandelten Fall notiert der Operateur seinen Verdacht, dass die Metallspitze des Trokars sich intraoperativ gelöst haben könnte, und… veranlasst keine weiteren Untersuchungen. 1 (Lesedauer: 1 Minute)

Bei einem arthroskopischen Kniegelenkeingriff löste sich die Trokarspitze und verblieb im Kniegelenk des Patienten. Dem operierenden Arzt war das Fehlen der Trokarspitze aufgefallen. Nachdem diese im Behandlungsraum nicht auffindbar war, machte sich der Arzt eine Notiz darüber, dass sich die Spitze intraoperativ gelöst haben könnte. Eine weitere Untersuchung des Patienten hatte er jedoch nicht angeordnet.

Als sich der Patient 4 Wochen nach der Operation mit extremen Schmerzen wiedervorstellte, wurde eine Röntgenuntersuchung durchgeführt, die Spitze entdeckt und in einer Revisionsoperation entfernt. Der Patient leidet seitdem an Schmerzen, hat einen dauerhaften Knorpelschaden verbunden mit Schmerzen bei längerem Stehen und Gehen und ist bei der Ausübung seiner Hobbys eingeschränkt.

Das Gericht sah in dem Verhalten des Arztes einen groben Behandlungsfehler. Bei dem Verdacht, dass eine Trokarspitze im Kniegelenk des Operierten verblieben ist, muss der behandelnde Arzt diesem Verdacht umgehend nachgehen. Dem Arzt sei bewusst gewesen, dass eine im Kniegelenk verbliebene Spitze Schäden im Kniegelenk hervorrufen kann. Gleichwohl habe er nichts veranlasst und sich mit der etwaigen Verwirklichung der Risiken abgefunden.

Das OLG Oldenburg sprach dem Patienten daher ein Schmerzensgeld in Höhe von 20.000 Euro zu (Urteil vom 24. Oktober 2018 – 5 U 102/18). 1

1. Oberlandesgericht Oldenburg, Urteil vom 24.10.2018, Aktenzeichen: 5 U 102/18

Bildquelle: © istock.com/Jodi Jacobson

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