04. Dezember 2019

Organspende

Intensivmediziner stellen neue Richtlinie vor

Eine Mehrheit der Intensiv- und Notfallmediziner spricht sich für eine Widerspruchslösung bei der Organspende aus. Zum heutigen Start des DIVI-Kongresses in Hamburg hat er zudem eine neu erarbeitete Richtlinie zur Spendererkennung vorgestellt. 1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Neue Richtlinie zur Spendererkennung auf den Weg gebracht

Prof. Klaus Hahnenkamp. Foto: © Mike Auerbach
Prof. Klaus Hahnenkamp. Foto: © Mike Auerbach

Die DIVI-Experten um Professor Klaus Hahnenkamp, Sprecher der Sektion Organspende und Organtransplantation der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), haben in einem gut vierjährigen Prozess die Entwicklung einer neuen Bundesärztekammer-Richtlinie zur Spendererkennung entschieden vorangebracht. Die Richtlinie enthält vor allem transparente Abläufe, die den Umgang mit einem potenziellen Organspender im interprofessionellen Miteinander auf der Intensivstation erleichtern werden. Gesetzlich verabschiedet sind diese Regelungen noch nicht.

Umfrage: 63,6 Prozent für die Widerspruchslösung

Für eine verlässliche Regelung bringt sich die DIVI in die aktuelle Diskussion um die Organspende-Neuregelung in Deutschland ein und hat dazu eine eigene Blitzumfrage gestartet. Gefragt wurde danach, welcher Regelung zur Organspende man zustimme. Das Ergebnis ist repräsentativ: Von 2.433 erreichten Mitgliedern nahmen 1.299 an der Umfrage teil. „Ein sensationelles Ergebnis mit einer Beteiligung von 51,2 Prozent“, betont DIVI-Präsident Janssens. „Das zeigt, wie wichtig diese Debatte ist und wie differenziert sie geführt werden sollte!“ Denn: Die Mehrheit votierte mit 37,5 Prozent für die (einfache) Widerspruchslösung und 26,1 Prozent für die doppelte Widerspruchslösung. Zusammen also 63,6 Prozent – knapp zwei Drittel aller Befragten.

Mehr über die aktuellen Zahlen und die jüngsten Entwicklungen bei der Organspende lesen Sie in unserem Beitrag „Organspende: Kein Land macht es so schlecht wie wir”.

Für Janssens, der seit vielen Jahren die Sektion Ethik der DIVI als Sprecher leitet, ist es wichtig, genau hinzuschauen. „Wenn zwei Drittel sich für diese Regelung aussprechen, heißt das auch, dass ein Drittel eine andere Regelung für geeigneter hält.“ So votierten 13,2 Prozent der Befragten für die Beibehaltung der derzeitigen Entscheidungslösung und 20,2 Prozent für die Stärkung der Entscheidungsbereitschaft.

  • Angesichts der seit Jahren niedrigen Spenderzahlen soll sich die gesetzliche Grundlage so bald wie möglich verändern. Statt einer aktiven Zustimmung zur Entnahme favorisiert Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zuletzt den Entwurf der doppelten Widerspruchslösung. Demnach gilt jeder Bürger als möglicher Organ- und Gewebespender, der zu Lebzeiten keinen Widerspruch erklärt hat. Wenn ebenfalls den nächsten Angehörigen kein entgegenstehender Wille bekannt ist, gilt die Entnahme als zulässig.

    Eine andere Gruppe, rund um die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock, strebt mit ihrem Gesetzentwurf eine Stärkung der Entscheidungsbereitschaft an. Ein Online-Register soll Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit gegeben, ihre Entscheidung einfach zu dokumentieren, jederzeit zu ändern oder zu widerrufen.

1. Pressemitteilung der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Geplante Gesetzesänderung zur Organspende: Intensivmediziner stellen neue Richtlinie zur Spendererkennung vor, 4.12.2019.

Bild: © Mike Auerbach

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