05. Januar 2022

Omikron sorgt weltweit für Rekordzahlen – mit Folgen

Inzwischen dominiert die Omikron-Variante des Coronavirus in immer mehr Ländern das Infektionsgeschehen – mit teils dramatischen Folgen. Ein Überblick.1

Lesedauer: 5 Minuten

Deutschland: Lauterbach spricht sich für härtere Kontaktbeschränkungen aus

In einigen Bundesländern wie Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Baden-Württemberg ist die Virusvariante Omikron nach Angaben der zuständigen Landesbehörden bereits vorherrschend. Regional werden Corona-Auflagen teils schon verschärft. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit dem 30. Dezember von Tag zu Tag an. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und die Ministerpräsidenten der Länder wollen am Freitag den weiteren Kurs festlegen und neue Beschlüsse fassen. Im Gespräch ist auch eine Verkürzung der Quarantäne, um wichtige Versorgungsbereiche aufrecht erhalten zu können, falls die Infektionszahlen wegen der Ausbreitung der Omikron-Variante stark ansteigen sollten.

Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Mittwoch einen Anstieg der offiziellen bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz. Es gab den Wert der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und Woche mit 258,6 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 239,9 gelegen, vor einer Woche bei 205,5 (Vormonat: 439,2).

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sprach sich einem Medienbericht zufolge für härtere Kontaktbeschränkungen aus. „Verschärfungen werden leider notwendig sein, um der schweren Welle, die auf uns zukommt, zu begegnen“, sagte der SPD-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Mittwoch). „Ich werde dazu Vorschläge machen.“ Details nannte Lauterbach nicht.

England: Kliniken sagen Operationen aus Personalmangel ab

Hohe Infektionszahlen in der Omikron-Welle der Corona-Pandemie führen derweil in Großbritannien immer mehr zu Personalmangel und Versorgungsengpässen in Krankenhäusern und anderen Bereichen. Wie die Verwaltung des Großraums Manchester am Mittwoch ankündigte, sollen nicht dringende Operationen in den Krankenhäusern der Region vorerst aufgeschoben werden. Nicht betroffen seien Krebs-, Herz- und Gefäßerkrankungen sowie Transplantationen, hieß es in der Mitteilung. Hauptgrund für die Entscheidung sei vor allem das „hohe und steigende“ Niveau des Personalmangels. Demnach sind etwa 15 Prozent der Mitarbeiter in den Krankenhäusern der Region derzeit an Covid-19 erkrankt oder in Quarantäne. Auch in anderen Teilen des Landes lösten Krankenhausträger in den vergangenen Tagen den Katastrophenfall aus.

Berichten zufolge wollte die Regierung in London noch am Mittwoch eine Änderung der Testregeln ankündigen. Demnach soll kein PCR-Test zur Bestätigung einer Infektion nach einem positiven Antigen-Test mehr notwendig sein, um eine verpflichtende Isolation auszulösen. Das soll die Isolationszeit verkürzen und die hohe Nachfrage nach PCR-Tests verringern.

Premierminister Boris Johnson musste inzwischen eingestehen, dass der Gesundheitsdienst NHS unter „erheblichem Druck» steht. Trotzdem lehnt er eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen ab. Er begründet das damit, dass die hohen Infektionszahlen bislang nicht zu einer ähnlich hohen Zahl an Krankenhauseinweisungen führen. Am Dienstag wurden in Großbritannien mehr als 218 000 Neuinfektionen gemeldet. In diesem Wert sind einige Nachmeldungen der vergangenen Tage enthalten.

Frankreich: Macron will Ungeimpfte „nerven“ und löst Kritik aus

In Frankreich hat die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus am gestrigen Dienstag einen weiteren Rekordwert erreicht. Innerhalb von 24 Stunden wurden 271 686 Ansteckungen registriert, so viele wie noch nie. Mittlerweile dominiert in Frankreich die besonders ansteckende Omikron-Variante des Virus. Die Fallzahlen steigen bereits seit Wochen wieder. Die Sieben-Tage-Inzidenz – also die Zahl der Neuinfektionen innerhalb einer Woche auf 100 000 Menschen – liegt nach jüngsten Angaben bei 1851.

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron den Ton gegenüber Ungeimpften spürbar verschärft und sorgte damit für Debatten: „Ich habe große Lust, sie zu nerven, also werden wir fortfahren, dies bis zum Ende zu tun“, zitierte ihn die Zeitung „Le Parisien“ in einem Interview vom Mittwoch mit Blick auf Ungeimpfte. Grundsätzlich wolle er die Franzosen nicht nerven, aber die Gruppe derjenigen, die störrisch seien, verkleinere man so. „Ich werde sie nicht ins Gefängnis bringen, ich werde sie nicht zwangsimpfen“, sagte der Staatschef mit Blick auf die Alternative einer Impfpflicht.

Israel: Zahl der Corona-Neuinfektionen auf Höchststand

Auch in Israel hat die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus einen Höchststand seit Beginn der Pandemie erreicht. Das israelische Gesundheitsministerium teilte am Mittwoch mit, binnen 24 Stunden seien 11 978 neue Fälle registriert worden. Die bisher höchste Zahl hatte am 2. September letzten Jahres bei 11 345 gelegen. Angesichts der Ansteckungswelle mit der Omikron-Variante des Coronavirus werden in Israel seit dieser Woche vierte Impfungen an über 60-Jährige und medizinisches Personal verabreicht. Laut einer Studie des Schiba-Krankenhauses bei Tel Aviv erhöht die vierte Impfdosis mit dem Präparat von Biontech/Pfizer die Zahl der Antikörper gegen Omikron binnen einer Woche um das Fünffache.

Israels Regierungschef Naftali Bennett warnte am Dienstag, die Fallzahlen könnten während der Omikron-Welle auf bis zu 50 000 am Tag steigen. „Der Omikron-Sturm wird immer stärker“, sagte Bennett. Nur rund 61 Prozent der 9,4 Millionen Israelis gelten noch als vollständig geimpft. In Israel werden dazu zweifach Geimpfte bis zu sechs Monate nach der Zweitimpfung und Menschen mit Auffrischungsimpfung gezählt. 30 Prozent der Bevölkerung sind gar nicht geimpft, bei neun Prozent ist die Gültigkeit der Impfung abgelaufen.

Australien: Corona-Zahlen nehmen dramatisch zu – Sorge in Kliniken

Die Corona-Lage in Australien spitzt sich dramatisch zu: Die Behörden in dem Land mit 25 Millionen Einwohnern meldeten am Mittwoch mehr als 64 700 Neuinfektionen, fast 17 000 mehr als am Dienstag. Seit Tagen verzeichnen die Behörden vor allem wegen der Ausbreitung der ansteckenden Omikron-Variante immer neue Rekordwerte.

Zum Vergleich: Ende November lagen die Zahlen noch bei 1000 bis 1500 Neuinfektionen täglich. Besonders betroffen sind die bevölkerungsreichsten Bundesstaaten New South Wales mit der Großstadt Sydney und Victoria mit der Metropole Melbourne. Allein in New South Wales wurden am Mittwoch rund 35 000 neue Fälle gemeldet, nach 23 000 am Dienstag. Fast 1500 Menschen liegen in der Region an der Ostküste mittlerweile in Verbindung mit Covid-19 im Krankenhaus – sehr zur Sorge der Gesundheitsbehörden. Da rund 2500 Krankenhausmitarbeiter nach Kontakten mit dem Virus in Isolation geschickt worden seien, fehle es vielerorts an Personal, um die Kranken zu betreuen, berichtete der australische „Guardian“. In einigen Kliniken würden deshalb bereits „verzweifelte Maßnahmen“ ergriffen: Pfleger und Pflegerinnen seien zurück zum Dienst gerufen worden, obwohl sie positiv auf das Virus getestet worden seien, so das Blatt unter Berufung auf Betroffene.

USA: Erstmals mehr als eine Million neue Corona-Fälle an einem Tag

Die Zahl der täglich erfassten Corona-Neuinfektionen in den USA hat zu Wochenbeginn erstmals die Schwelle von einer Million überschritten. Mit rund 1,084 Millionen neuen Fällen am Montag erfassten die Behörden fast doppelt so viele wie vor genau einer Woche (544 329), wie aus Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) in Baltimore vom Dienstagmorgen (MEZ) hervorging.

Der bisherige Höchstwert wurde am 30. Dezember mit 590 576 Neuinfektionen verzeichnet. Die Zahl der Toten mit einer bestätigten Corona-Infektion blieb mit 1693 am Montag vergleichsweise stabil. Wegen der Feiertage sind die Daten allerdings mit Vorsicht zu bewerten. Nach Schätzungen der Gesundheitsbehörde CDC war die als besonders ansteckend geltende Omikron-Variante Ende Dezember bereits für mehr als 58 Prozent aller erfassten Infektionen im Land verantwortlich.

Die Zahl der erfassten Krankenhauseinweisungen von Infizierten sank zuletzt in der Woche bis zum 25. Dezember, dürfte aber laut der CDC-Prognose in den kommenden Wochen wieder deutlich steigen. In dem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern haben sich bislang knapp 56,2 Millionen Menschen mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert, mehr als 827 000 Menschen starben. 62 Prozent der Bevölkerung gelten laut CDC als voll geimpft, 33,4 Prozent haben bislang eine Auffrischungsimpfung erhalten.

Dänemark: Omikron macht mehr als 90% der untersuchten Neuinfektionen aus

Beim nördlichsten Nachbarn wurde Omikron bereits einige Tage vor Weihnachten dominant. Mittlerweile macht die Variante mehr als 90 Prozent aller untersuchten Neuinfektionen aus. Aber es gibt Hoffnung: Der fachlichen Direktorin des Gesundheitsinstituts SSI, Tyra Grove Krause, zufolge deutet alles darauf hin, dass Omikron-Infektionen milder verlaufen als solche mit Delta. Das Risiko einer Krankenhauseinweisung scheine deutlich niedriger zu sein. Derzeit liegen knapp 800 Menschen mit Corona-Infektionen im Krankenhaus, etwa ein Zehntel davon auf der Intensivstation. Es wird mit einer weiteren Belastung des Gesundheitswesens gerechnet.

Österreich: Lage in den Kliniken verhältnismäßig entspannt

Auch hier herrscht Omikron nun vor. In der letzten Kalenderwoche 2021 wurden 4712 Omikron-Fälle nachgewiesen und 2965 Delta-Fälle. Und die Omikron-Zahlen gehen stark in die Höhe: Am Dienstag wurden mehr als 5000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden registriert. Die Lage in den Kliniken ist aber noch verhältnismäßig entspannt. Um einem Zusammenbruch der Infrastruktur vorzubeugen, wurden etwa die Mitarbeiter des Energieversorgers von Wien isoliert. Bund und Länder wollen am Donnerstag über neue Quarantäneregeln beraten.

1. dpa; 04.01.2022 & 05.01.2022.
Titelbild: © Getty Images/Peter Zelei Images

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.

coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigter Geschäftsführer:
Jeremy Schneider, Blake DeSimone
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653