27. März 2018

Intensivstationen

Viele Bettsperrungen durch Personalmangel

Immer häufiger heißt es auf deutschen Intensivstationen: „Wir haben leider kein Bett frei“. Grund ist ein eklatanter Mangel an Ärzten und Pflegekräften in der Intensivpflege, der dazu führt, dass immer wieder Betten gesperrt werden müssen. Dies geht aus einer Umfrage der Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) hervor.1,2 (Lesedauer: 1 Minute)

Obwohl es in Deutschland verglichen mit allen anderen europäischen Ländern überdurchschnittlich viele Intensiv- und Intermediate-Care-Betten bezogen auf die Einwohnerzahl gibt (etwa 30 Betten pro 100.000 Einwohner), kommt es in diesem Bereich immer wieder zu Engpässen. Als Nadelöhr erweist sich die personelle Situation. Die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) verweist in diesem Zusammenhang auf die Ergebnisse einer Online-Umfrage unter den 1.036 Weiterbildungsbefugten der Intensivstationen, an der 445 teilnahmen.

76% der an der Umfrage teilnehmenden Intensivstationen gaben an, dass sie in den vergangenen Monaten immer wieder Betten sperren mussten – in 22% der Fälle sogar täglich. Am häufigsten gaben die Befragten an, dass zwei Intensivbetten gesperrt werden mussten (47%) und die Bettensperrung ein bis vier Tage aufrechterhalten werden musste (32%).

Als Grund für die Bettensperrung gab knapp die Hälfte der Befragten (43,8%) den Mangel an Pflegepersonal an, rund ein Fünftel (18,8%) einen kombinierten Mangel an Ärzten und Pflegenden. Dies blieb nicht ohne Folgen: Nur 18% der Befragten waren der Meinung, dass die Notfallversorgung von Patienten durch die Bettensperrung nicht beeinträchtigt gewesen sei.

Ohnehin stehen auf Intensivstationen weniger Pflegekräfte zur Verfügung als eigentlich vorgeschrieben. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) empfiehlt, dass hier maximal zwei Patienten von einer Pflegekraft betreut werden sollten. Bei Patienten mit schwerem Organversagen sollte es sogar eine Eins-zu-Eins-Betreuung sein. Die Realität auf deutschen Intensivstationen sieht aber anders aus: Tatsächlich muss eine Pflegekraft tagsüber 2,5 bis 2,6 Patienten versorgen, nachts sogar durchschnittlich 3,1.

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.

coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653