20. Mai 2019

Kamillentee & Co

Mit pflanzlichen Produkten sollten Schwangere vorsichtig sein

Gerade Schwangere halten sich bei vielen milderen Beschwerden gerne an die vermeintlich ungefährliche Pflanzenmedizin. Auch hier können aber zahlreiche Gefahren lauern, wie eine Metaanalyse schottischer Wissenschaftler jetzt gezeigt hat. 1,2

Die Forscher der Universität Aberdeen sichteten 115 Arbeiten, aus denen sie 74 in die Auswertung einbezogen. Diese lieferten Ergebnisse über 47 phytotherapeutische Produkte. In 31 Studien wurde explizit auf unerwünschte Wirkungen geachtet und über ihre Inzidenz berichtet – in 14 wurden keine Nebeneffekte der Kräuterpräparationen festgestellt.

Einige Ergebnisse zu potenziellen Gefahren

  • Das Einreiben des Bauches mit Mandelöl zur Vermeidung von Dehnungsstreifen scheint das Risiko für eine Frühgeburt zu verdoppeln.
  • Himbeerblätter-Tee soll eigentlich Muttermund und Beckenboden lockern und dadurch die Geburt erleichtern – Anwenderinnen haben aber eine auf das Dreifache erhöhte Rate an Kaiserschnittgeburten als Schwangere, die auf diesen Tee verzichten.
  • Ausgiebiger Lakritzverzehr verdreifacht das Risiko für eine Frühgeburt.
  • Ein hoher Konsum von Kamillentee scheint mit Fehlbildungen des fetalen Ductus arteriosus, erhöhter Frühgeburtsrate, Größen- und Gewichtsreduktion der Neugeborenen sowie Milchstau und erhöhter Milchproduktion assoziiert zu sein.

Kausale Schlüsse erlauben die nachgewiesenen Assoziationen nicht – zumal der Grund für die Kräuteranwendung unbekannt ist. Trotzdem raten die Autoren vom Gebrauch kräutermedizinischer Produkte in Schwangerschaft und Stillzeit ab, bis ausreichende Belege für die Sicherheit vorliegen.

  1. Muñoz Balbontín et al.: “Herbal Medicinal Product Use During Pregnancy and the Postnatal Period: A Systematic Review“, Obstetrics & Gynecology (2019). 133(5):920–932
  2. Ärzte Zeitung online: „Von Mandelöl über Kamillen- bis Himbeertee – Lieber keine Kräutermedizin für Schwangere!“ 13.05.2019

Titelbild: ©iStock.com/4kodiak

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