27. Dezember 2018

Tödliche Amöbeninfektion durch Nasendusche

Eine 69-jährige Patientin ist in den USA an den Folgen einer Amöben-Infektion mit Balamuthia mandrillaris verstorben. Aufgenommen wurde der Erreger wahrscheinlich über eine Nasendusche, die die Frau unsachgemäß mit Leitungswasser durchführte.1,2 (Lesedauer: 1 Minute)

Die Patientin litt seit einem Jahr an einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung, die nicht ausreichend auf eine Antibiotikatherapie ansprach. Die Ärzte empfahlen ihr dann die tägliche Anwendung einer Nasendusche. Statt wie empfohlen steriles Wasser oder Kochsalzlösung benutzte die Frau mit einem Brita-Wasserfilter gefiltertes Leitungswasser.

Einen Monat nach der Verwendung des nicht sterilen Wassers für die Nasenspülung bekam die Frau einen roten Ausschlag auf der Nase, der ebenfalls nicht auf Antibiotika ansprach. Trotz mehrfacher Biopsien konnte keine klare Diagnose gestellt werden.

Ein Jahr später wurde die Patientin aufgrund fokaler Anfälle stationär aufgenommen und antikonvulsiv behandelt. Das Hirn-CT zeigte eine Läsion im rechten motorischen Kortex, das zuerst für ein Gliom gehalten und operativ entfernt wurde. Doch bereits sechs Tage nach der OP meldete sich die Patientin mit neuen Beschwerden am linken Arm und Taubheitsgefühlen am Bein, zwei Woche später wurde sie wegen einer linksseitigen Lähmung erneut aufgenommen.

In der Bildgebung zeigte sich jetzt eine ausgedehnte Masse im Gehirn mit möglichen Einblutungen und Flüssigkeitsansammlungen. Die Biopsien deuteten dann auf die Möglichkeit einer Amöbeninfektion und letztendlich konnte Balamuthia mandrillaris im Gehirn nachgewiesen werden. Für die Frau kam jede Hilfe zu spät, sie verstarb im Koma.

Balamuthia mandrillaris ist eine frei lebende Amöbe, die im Boden und im Süßwasser vorkommt. Weltweit sind nur etwa 200 Fälle von Infektionen bei Menschen (davon mindestens 70 in den USA) dokumentiert. Die Sterberate liegt bei fast 100 %. Nasenduschen sind bei anderen Amöbeninfektionen bereits als mögliche Infektionsquelle identifiziert worden. Die Autoren vermuten daher auch in diesem Fall die Nase als mögliche Eintrittspforte.

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  1. Piper KJ et al. Fatal Balamuthia mandrillaris brain infection associated with improper nasal lavage. Int J Infect Dis 2018; DOI: 10.1016/j.ijid.2018.09.013
  2. Nach Nasendusche: Frau stirbt wegen Amöbeninfektion. Apotheke adhoc, 12.12.2018

Bildquelle: © istock.com/AndreyPopov (Symbolbild mit Modell)

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