22. Mai 2019

Mittelohrentzündung

Diagnose per Smartphone und Papiertrichter

Eine App soll künfig die Diagnose einer Mittelohrentzündung für Ärzte oder auch Eltern erleichtern. Durch US-Forscher entwickelt, erfolgt der Nachweis von Flüssigkeitsansammlungen im Mittelohr mit ausreichender Sensitivität und Spezifität über das Smartphone und einen Papiertrichter.1,2

Lesedauer: 2 Minuten

Bei einer Otitis media drückt die Flüssigkeitsansammlung in der Paukenhöhle von innen gegen das Trommelfell, was die akustischen Eigenschaften verändert. Trifft eine Schallwelle auf das Trommelfell, kommt es zu Vibrationen, die ein Echo erzeugen. Bei einem entspannten Trommelfell entstehen akustische Wellen in einer breiten Frequenz. Bei einem angespannten Trommelfell kommt es zu einen Abfall im höheren Frequenzbereich.

Smartphone misst Echo

Dieses vom Trommelfell erzeugte Echo wird auch bei der akustischen Reflektometrie genutzt, die zur Diagnostik von Paukenhöhlenergüssen eingesetzt wird. Aber auch Smartphones mit Lautsprecher und leistungsfähigem Mikrofon können hier zum Einsatz kommen, wie die Wissenschaftler zeigen konnten. Mit einem kleinen selbst aus Papier geformten Trichter, lassen sich die Signale in den äußeren Gehörgang leiten und die Echos auffangen. Eine App sendet 150 Millisekunden lange solche akustische Signale aus, die Vogelzwitschern ähneln – die aufgefangenen Echos werden von einer Software ausgewertet.

Eltern erzielen ähnlich gute Ergebnisse wie Ärzte

Die Software beruht auf dem Prinzip des maschinellen Lernens, d.h. dass sie wurde zunächst an 53 Patienten mit bekannten Befunden „trainiert“. Danach wurde sie an 98 Kindern getestet, von denen die Hälfte einen Paukenhöhlenerguss hatte. Ein Kinderarzt erreichte mit Smartphone und App eine Sensitivität von 84,6 % und eine Spezifität von 81,9 %. Damit war das Ergebnis besser als bei der konventionellen akustischen Reflektometrie (Sensitivität 76,9 %, Spezifität 77,8 %).

Bei wiederholten Untersuchungen wurde in der Regel das gleiche Ergebnis erzielt und auch bei Kindern unter 18 Monaten war das Verfahren erfolgreich. Eltern testeten das Verfahren bei 25 Kindern (davon 6 mit Paukenerguss) und erzielten ähnlich gute Ergebnisse wie die Ärzte.

App ermöglicht Verdachtsdiagnose

Die App ermöglicht somit Eltern eine erste Verdachtsdiagnose zu stellen, die dann vom Kinderarzt mittels Otoskopie bestätigt wird. Diese Untersuchung bleibt weiterhin wichtig, da die Therapie auch vom Aussehen des Ergusses (purulent, serös oder mukös) abhängt.

1. Detecting middle ear fluid using smartphones. Science Translational Medicine. Justin Chan et al; 15.05.2019.
2. Mittelohrentzündung: Diagnose mit Smartphone und Papiertrichter. Deutsches Ärzteblatt. 16.05.2019.

Titelbild: ©iStock.com/TatyanaGl

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