29. Dezember 2020

Größte Studie zur Belastung von Medizinern und Fachkräften präsentiert erste Ergebnisse

Die hohe Belastung des medizinischen Fachpersonals während der Covid-19-Pandemie ist seit dem Frühjahr 2020 ein mediales Dauerthema. Jetzt belegen die Ergebnisse einer bundesweiten Erhebung, wie hoch das Risiko für die Betroffenen ist, eine Depression oder eine Angststörung zu entwickeln und wie sich die Belastungen auf die Arbeit, aber auch auf die Freizeit auswirken.1

Lesedauer: 2 Minuten

Befragung von über 8000 Beschäftigten

Ein Kooperationsprojekt der Psychosomatischen Kliniken der Universitätsklinika Bonn, Ulm, Dresden und Köln namens VOICE gibt den medizinisch Beschäftigten eine Stimme. Im Rahmen des Projektes wurden zwischen April und Juni insgesamt 8.071 Teilnehmende aus dem deutschen Gesundheitsbereich, darunter allein 3.060 Beschäftigte von fünf deutschen Universitätsklinika zu Belastungen, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Gesundheit in der Pandemie befragt. Diese bisher größte wissenschaftliche Erhebung zu Arbeitsbedingungen und psychischen Gesundheit der Mitarbeitenden im Gesundheitswesen ist Teil des EViPan Unimed-Projekts des nationalen Netzwerkes der Universitätsmedizin (NUM).

Seit dem 16. November läuft nun eine zweite Befragungswelle mit erneut hoher Beteiligung der Beschäftigten im Gesundheitswesen. Eine Teilnahme ist unkompliziert auf der hier verlinkten Internetseite der VOICE-Befragung möglich.

Psychische Belastung schon vor der Pandemie hoch

„Eine besonders interessante Erkenntnis ist, dass die psychische Belastung des medizinischen Fachpersonals im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung zwar vor dem Auftreten von SARS-CoV-2 signifikant höher war. Jedoch fielen die Belastungswerte der Beschäftigten im Gesundheitswesen während der Pandemie signifikant geringer aus als die der Vergleichsgruppe. Das spricht für eine gute Fähigkeit zur Bewältigung bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“, erläutert Frau Prof. Erim, die Sprecherin der Forschungsgruppe (Universitätsklinikum Erlangen) die Ergebnisse der interdisziplinären Studie.

Höchste Prävalenz von Depressionen & Angstzuständen bei MTA

Diese ergab, dass die Prävalenz für Depressionen und Angstzustände bei Ärztinnen und Ärzten bei 17,4 % bzw. 17,8 % lag, während Pflegefachkräfte mit 21,6 % bzw. 19,0 % etwas höhere Belastungswerte aufwiesen. „Eine weitere Erkenntnis ist, dass die medizinisch-technischen Fachkräfte eine höhere Prävalenz für Depressionen und Angstzustände aufwiesen als Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegefachkräfte, nämlich 23,0 % bzw. 20,1 %. Das verdeutlicht, dass die Belastungen nicht nur an der Frontlinie hoch sind, sondern im ganzen System.“

Mangelnde Kollegialität, dafür mehr Alkohol

Als Risikofaktoren für Depressionen bei den Beschäftigten in Krankenhäusern der Maximalversorgung zeigten sich vor allem unzureichende Erholung in der Freizeit, vermehrter Alkoholkonsum sowie geringes Vertrauen in die Unterstützung durch die unmittelbaren Kollegen bei Schwierigkeiten während der Arbeit. Darüber hinaus standen erhöhte Angstwerte im Zusammenhang mit der Befürchtung, sich mit dem Coronavirus zu infizieren.

„Dank dieser Ergebnisse können wir Empfehlungen für zielgerichtete ressourcenstärkende Unterstützungsangebote aussprechen, die den Beschäftigten helfen, konkrete Krisen wie die Covid-19-Pandemie besser zu bewältigen. Dazu gehören zum Beispiel effektivere Teambildungsmaßnahmen, Führungskräfteschulungen/Kommunikationstrainings, psychologische Begleitungsangebote für besonders belastete Teams/Mitarbeiter oder die verstärkte Kommunikation von Schutzmaßnahmen für das medizinische Personal innerhalb der Kliniken“, resümiert Prof. Erim. Die komplette Studie befindet sich im Gutachterverfahren der internationalen Fachzeitschrift „Journal of Psychosomatic Research“.

  1. Pressemitteilung Universitätsklinikum Erlangen vom 17.12.2020

Bildquelle: © gettyImages/Juanmonino

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