18. Februar 2021

Covid-19

Lauterbach bekommt Astrazeneca-Impfstoff – Ärzteschaft ruft zum Impfen auf

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach arbeitet Ende kommender Woche als Impfarzt in einem Leverkusener Impfzentrum und bekommt dabei den Impfstoff von Astrazeneca verabreicht. Unterdessen rufen die großen Organisationen der Ärzteschaft zum Impfen auf.1-3

Lesedauer: 4 Minuten

Lauterbach: ,,STIKO-Empfehlung hat Impfstoff geschadet”

,,Ich werde mich dort, wie alle Mitglieder des Impfzentrums, natürlich mit Astrazeneca impfen lassen”, so der Mediziner und Bundestagsabgeordnete. ,,Wir wollen ein klares Bekenntnis zu Astrazeneca abgeben, das ist ein sicherer und guter Impfstoff.”

Lauterbach sprach sich trotz der verbreiteten Skepsis im Zusammenhang mit dem Astrazeneca-Impfstoff dagegen aus, die Impfreihenfolge zu ändern oder nicht sofort verwendete Dosen nur Freiwilligen zu spritzen. ,,Das würde bedeuten, dass die größten Risikogruppen, also auch Ärzte und Pfleger unter 65 Jahren, länger gefährdet sind.”

Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission, diesen Impfstoff nur für unter 65-Jährige einzusetzen, ,,hat offenkundig dem Impfstoff geschadet, viele sehen ihn unberechtigterweise als Impfstoff zweiter Klasse”, kritisierte Lauterbach.

Sorge vor dritter Welle: Zweite Impfdosis verschieben?

Um angesichts der Coronavirus-Mutationen und einer möglichen dritten Welle mit den Impfungen schneller voranzukommen und die älteren Bürger schneller zu schützen, machte Lauterbach einen ungewöhnlichen Vorschlag: ,,Ab dem 14. Tag nach der ersten Dosis von Biontech/Pfizer und Moderna liegt der Schutz bei rund 92 Prozent. Dass der Schutz in den Wochen danach absinkt, ist extrem unwahrscheinlich. Daher könnte man überlegen, die zweite Dosis erst nach sechs oder zwölf Wochen zu setzen.” Dies würde dann viel mehr Menschen der größten Risikogruppen schützen und könnte Tausende Leben in Deutschland retten.

Das Vektor-basierte Astrazeneca-Mittel ist in der EU ein wichtiger Baustein in der Impfstrategie, da es vergleichsweise günstig ist und weniger hohe Anforderungen an Transport und Lagerung stellt als die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna. Für den Weg hin zu Impfungen in Arztpraxen ist das entscheidend. Es geht um Millionen Dosen, die bald in Deutschland verabreicht werden sollen – etwa an jüngere Menschen mit relevanter Vorerkrankung und für bestimmte Berufsgruppen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko.

Ärzte rufen Pfleger zum Impfen auf – 107.000 Astrazeneca-Impfungen

Die großen Organisationen der Ärzteschaft haben unterdessen die Pflegerinnen und Pfleger eindringlich aufgerufen, sich impfen zu lassen. ,,Wer nicht geimpft ist, hat ein deutlich höheres Risiko, an Covid-19 zu erkranken.” Alle zugelassenen Impfstoffe, auch der von Astrazeneca, ,,helfen, schwere Krankheitsverläufe und Krankenhausaufenthalte zu vermeiden”. Zunächst niedrige Zahlen bei den Astrazeneca-Impfungen waren am Donnerstag teilweise auch darauf zurückgeführt worden, dass Impfberechtigte Zweifel an der Wirksamkeit hätten. Binnen eines Tages stiegen die Zahlen am Donnerstag deutlich an.

Inzwischen wurden laut Robert Koch-Institut (RKI) knapp 107.000 Astrazeneca-Dosen in Deutschland verimpft. Am Vortag waren von fast 740.000 an die Länder gelieferten Dosen knapp 90.000 verimpft worden. Den Impfstoff erhalten sollen zunächst vor allem Pflegekräfte in Heimen und Personal in Intensivstationen, Notaufnahmen sowie Rettungsdiensten. Sie gehören zur ersten von drei vorrangig zu impfenden Gruppen. Ungefähr zum Ende des ersten Quartals soll diese Gruppe geimpft sein. Auch Pflegeheimbewohner und die Über-80-Jährigen insgesamt zählen dazu.

Die Ärzteverbände betonen: ,,Wir unterstützen diese Strategie, weil dadurch die hohe Anzahl schwerer Krankheitsverläufe und Sterbefälle schneller gesenkt werden kann und gleichzeitig medizinischem und pflegerischem Personal auf Intensivstationen, in Notaufnahmen und Rettungsdiensten frühzeitig eine Impfung gegen SARS-CoV-2 ermöglicht werden kann.” Für jeden Covid-19-Impfstoff, für den eine Zulassung erteilt werde, müssten Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit in klinischen Prüfungen nachgewiesen und ein günstiges Nutzen/Risiko-Profil bescheinigt werden.

Dass die Impfzahlen je nach Bundesland unterschiedlich sind, hängt laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auch damit zusammen, dass nicht alle am ersten Tag der Lieferung mit Impfungen begonnen haben – etwa wegen nötiger organisatorischer Vorbereitungen. Der Astrazeneca-Impfstoff hat mit mindestens 70 Prozent eine geringere Wirksamkeit als die Mittel von Biontech/Pfizer und Moderna – bezogen darauf, wie viele Geimpfte in Studien im Vergleich zu Nicht-Geimpften erkranken.

Biontech-Impfstoff neutralisiert südafrikanische Virusvariante

Der Biontech-Impfstoff schützt einer aktuellen Untersuchung zufolge wahrscheinlich auch vor der südafrikanischen Virusvariante – allerdings ist die Zahl der dagegen gebildeten Antikörper wohl geringer. Das berichten Wissenschaftler im ,,The New England Journal of Medicine”. Sie hatten im Labor überprüft, inwieweit sich mit dem Blutserum geimpfter Personen Viren mit verschiedenen Mutationen neutralisieren lassen. Bei der südafrikanischen Variante war die Zahl der neutralisierenden Antikörper geringer, die Neutralisierungsrate des Impfstoffs um etwa zwei Drittel reduziert.

Es sei noch unklar, welchen Effekt dies genau für die Wirkung der Impfung gegen die südafrikanische Virusvariante habe, schreiben die Wissenschaftler von der University of Texas Medical Branch. Für die Schutzwirkung eines Impfstoffes ist nicht allein die Menge der gebildeten Antikörper wichtig, das Immunsystem zeigt nach einer Impfung weitere schützende Reaktionen, etwa die Bildung von T-Zellen.

,,Bisher gibt es keinerlei klinischen Daten, die darauf hinweisen, dass die südafrikanische Virusmutante nicht von dem Impfstoff-induzierten Schutz gegen Covid-19 abgedeckt wird”, heißt es in einer Mitteilung von Biontech und Pfizer zu den Studienergebnissen. Man beobachte aber die Entwicklung und bereite sich darauf vor, einen angepassten Impfstoff oder einen Booster-Impfstoff zu entwickeln, sollte eine Variante auftauchen, vor der der Impfstoff nicht ausreichend schützt. Die südafrikanische Variante des Coronavirus gilt als ansteckender, auch in Deutschland ist sie bereits nachgewiesen worden.

  1. Lauterbach lässt sich kommende Woche mit Astrazeneca impfen; dpa; 18.02.202.
  2. Ärzte rufen Pfleger zum Impfen auf – 107 000 Astrazeneca-Impfungen; dpa; 18.02.2021.
  3. Biontech-Impfstoff neutralisiert südafrikanische Virusvariante; dpa; 18.02.2021.

Bildquelle: © picture alliance/dpa Kay Nietfeld.

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