09. Dezember 2019

Klimawandel gefährdet Arzneipflanzen

Wendy L. Applequist (Missouri) und ihre Co-Autoren beschreiben in ihrem Aufruf „Scientists’ Warning on Climate Change and Medicinal Plants” die schädlichen Auswirkungen des Klimawandels auf die Heilpflanzen. Der Appell wurde kürzlich in Planta Medica veröffentlicht und von vielen weiteren Wissenschaftlern unterzeichnet.1,2

Lesedauer: 1,5 Minuten

In den meisten Entwicklungsländern sind Arzneipflanzen die Hauptmedikamente für 70-95% der Bevölkerung und auch in Industrienationen nimmt ihre Verwendung zu. Jährlich werden weltweit pflanzliche Inhaltsstoffe für medizinsiche Anwendungen im Wert von schätzungsweise 33 Milliarden US-Dollar exportiert. Doch diese Heilpflanzen sind bedroht.

Die Autoren des Aufrufs zeigen eine Reihe von Risiken auf, die direkt oder indirekt mit dem Klimawandel in Verbindung stehen: Temperaturanstiege, Dürren und Starkregen, der Anstieg von Kohlendioxid in der Luft und die zunehmende Verbreitung von Schädlingen und Krankheitserregern. Zu den direkten Gefahren gehört auch das Überernten.

Beides – Klimawandel und Überernten – kann den Bestand der Arzneipflanzen bis zum Aussterben reduzieren. Verbliebene Pflanzen wachsen schlechter und sind von geringerer Qualität. Besonders Letzteres ist für die Forscher Grund zur Sorge, da die Pflanzen ihre medizinische Wirkung ändern oder sogar ganz verlieren können.

Wirken Überernten und Klimawandel zusammen, wächst die Bedrohung exponentiell. Amerikanischer Ginseng stirbt mit einer Wahrscheinlichkeit von 8% in den nächsten 70 Jahren aus, wenn er weiter so geerntet wird wie heute. Ein Aussterben des Ginsengs durch Folgen des Klimawandels wird in einer weiteren zitierten Studie mit 6% beziffert. Wenn beide Effekte zusammenkommen, steigt das Risiko auf 65%.

Versagt die Menschheit weiterhin bei der nachhaltigen Bekämpfung des Klimawandels, empfehlen die Autoren, Arzneipflanzen vermehrt in Gemeinschaftsgärten anzubauen, um den lokalen Zugang zu erhalten. Bauern sollten zeitnah in der nachhaltigen Bewirtschaftung der Wiesen und Felder und in der Überwachung der Pflanzenqualität geschult werden. Einen letzten Ausweg sehen die Forscher in der vom Menschen unterstützten Migration der Pflanzen in neue Lebensräume und im Anlegen einer standortunabhängigen Saatenbank.

  1. Applequist WL et al. Scientistsʼ Warning on Climate Change and Medicinal Plants. Planta Medica 2019; eFirst 15.11.2019
  2. Wissenschaftler warnen: Klimawandel gefährdet Arzneipflanzen. Pressemitteilung Georg Thieme Verlag, 09.12.2019

Bildquelle: © Gettty Images/bhofack2

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