13. Oktober 2020

Intervallfasten — doch kein Vorteil gegenüber Kalorienzählen?

Acht Stunden am Tag essen, dazwischen fasten. Viele Menschen sind von dieser unkomplizierten Abnehm-Methode überzeugt. Eine Arbeitsgruppe der University of California zeigte nun jedoch, dass das vielversprechende 16:8-Konzept nicht besser ist als herkömmliche Abnehm-Methoden. 1,2

Lesedauer: 2,5 Minuten

Gewichtsreduktion in beiden Gruppen 

In der randomisiert-kontrollierten Studie untersuchten die US-Forscher um Dylan Lowe den Einfluss von 16:8-Intervallfasten auf den Gewichtsverlust und auf metabolische Risikomarker. Dazu wurden die Studienteilnehmer in zwei Gruppen mit unterschiedlichen Abnehm-Methoden eingeteilt: Die Intervallfasten-Gruppe hatte ein zeitliches Fenster von 12 Uhr mittags bis 20 Uhr abends, um Nahrung aufzunehmen. In den restlichen 16 Stunden durften lediglich kalorienfreie Getränke konsumiert werden. Die Kontrollgruppe war als einzige Einschränkung auf drei Mahlzeiten täglich limitiert. 

Die insgesamt 116 adipösen Teilnehmer (rund 40% Frauen) hatten im Mittel einen Body Mass Index von 32.7 kg/m² (Bereich 27-43 kg/m²) und waren zwischen 18 und 64 Jahren alt. Während der 12-wöchigen Studie konnten sie ihr Ausgangsgewicht um rund 1% reduzieren – jedoch zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen. 1

Keine automatische Reduktion der Nahrungszufuhr bei 16:8-Konzept 

„Es gab die Hypothese, dass eine Einschränkung des Nahrungsverzehrs auf ein 8-Stunden-Fenster automatisch dazu führt, dass Menschen weniger essen, aber das scheint nicht so ohne weiteres zu funktionieren“, bemerkt der erfahrene Ernährungsepidemiologe Dr. Tilman Kühn von der Queen’s University Belfast, Großbritannien. 2  

Das Hauptergebnis der Studie zeigt zwar einen Gewichtsverlust für beide Gruppen, jedoch könne dies an dem Studieneffekt liegen, so Kühn: „Auch in diesen Kontrollgruppen tut sich etwas, das liegt an Verhaltensänderungen, wenn man sich beobachtet fühlt.“ 1,2 

Labor- und Vitalparameter vergleichbar   

Auch bei Betrachtung der Blutwerte und Vitalparameter zeigten sich keine Unterschiede zwischen den Gruppen. So ergaben sich für Nüchternblutzucker und -insulin, Insulinresistenzlevel (HOMA-Index), HbA1c, Triglyceride, Cholesterinwerte und Blutdruck keine signifikanten Abweichungen im Gruppenvergleich.

Leichter Nachteil in Körperzusammensetzung bei 16:8-Konzept 

Allerdings verlor die Intervallfasten-Gruppe innerhalb der 12 Wochen mehr appendikuläre Muskelmasse als die Kontrollgruppe, was laut Erstautor Lowe und seinen Kollegen auf eine reduzierte Proteinversorgung hindeuten könnte. Genaue Aussagen dazu sind nicht möglich, da die Teilnehmer lediglich dokumentieren mussten, ob sie sich an die Regeln gehalten hatten (Intervallfasten-Gruppe 90% Compliance, Kontrollgruppe 80% Compliance). 1,3 

Zeitfenster für Intervallfasten entscheidend? 

Für den Abnehm-Erfolg des Intervallfastens könnte das gewählte Zeitfenster der Nahrungsaufnahme entscheidend sein. Diese Fragestellung wird zurzeit in der Studie CHRONOFAST am Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke untersucht, in dem unter anderem der Chronotyp der Fastenden in die Studie miteinbezogen wird. Zwar zeigen einzelne Studien bereits, dass Zeitfenster für die Nahrungsaufnahme, die eher früh am Tag liegen, Vorteile für den Zuckerstoffwechsel bringen. Jedoch handelt es sich dabei meist um Studien mit geringer Teilnehmerzahl, weshalb Ernährungsepidemiologe Kühn auf Ergebnisse größer angelegter Studien zu diesem Thema gespannt ist. 

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