05. März 2021

Impfstoff-Update

EU-Arzneibehörde prüft russischen Impfstoff Sputnik V

Die EU-Arzneibehörde eröffnet ein Prüfverfahren für den Corona-Impfstoff Sputnik V. Die Experten werden die Wirksamkeit des russischen Impfstoffes nach dem schnellen “Rolling-Review-Verfahren” bewerten. Wann der Impfstoff genau zugelassen wird, steht aber noch nicht fest. 1

Lesedauer: 3,5 Minuten

Sputnik V: Entscheidung basiert auf Labor- und Studienergebnissen

Studien zufolge rege Sputnik V die Bildung von Antikörpern gegen das Virus an und könne beim Schutz vor Covid-19 helfen, teilte die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) mit. Die Experten der EMA werden die Wirksamkeit des Impfstoffes nach dem schnellen „Rolling-Review-Verfahren“ bewerten. Dabei werden Testergebnisse bereits geprüft, auch wenn noch nicht alle Ergebnisse vorliegen und auch kein Zulassungsantrag gestellt wurde.

Sputnik V ist bereits in 42 Ländern registriert

„Sputnik V kann einen wichtigen Beitrag leisten zur Rettung von Millionen Leben in ganz Europa“, sagte Kirill Dmitrijew, Chef von Russlands staatlichem Direktinvestmentfonds, der an der Finanzierung der Sputnik-Entwicklung beteiligt war. „Die Partnerschaft beim Impfstoff sollte über der Politik stehen, und die Zusammenarbeit mit der EMA gilt als ausgezeichnetes Beispiel, das bestätigt, dass nur eine Vereinigung der Kräfte dabei hilft, die Pandemie zu besiegen“, sagte er.

Die EU-Kommission stellte am Donnerstag klar, dass sie mit den Sputnik-Herstellern derzeit nicht über einen Lieferrahmenvertrag für alle 27 EU-Staaten verhandele. Das könne sich dann ändern, wenn die Mitgliedsstaaten entschieden, das Portfolio an Impfstoffen für die EU zu erweitern. Derzeit gibt es Rahmenverträge mit sechs Herstellern.

EMA-Empfehlung auch für Impfstoff von Johnson & Johnson in Sicht

Am 11. März wird die EMA voraussichtlich auch die Zulassung des Impfstoffes des US-Herstellers Johnson & Johnson empfehlen. Die endgültige Entscheidung über eine Zulassung trifft die EU-Kommission; das aber gilt als Formsache. 1

Astrazeneca: STIKO empfiehlt Impfstoff auch für ab 65-Jährige

Die Ständige Impfkommission (STIKO) teilte am Donnerstag in Berlin mit, die Impfung mit dem Mittel „für alle Altersgruppen, entsprechend der Zulassung zu empfehlen“. Dies sei am Mittwoch beschlossen worden, ein vorgeschriebenes Stellungnahmeverfahren stehe aber noch aus. Ende Januar hatte die STIKO den Impfstoff zunächst nur für Menschen zwischen 18 und 64 Jahren empfohlen, weil Daten zur Wirkung bei Älteren fehlten. Zuvor waren in der EU die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna zugelassen worden, jeweils ohne Einschränkungen beim Alter.

Die Entscheidung beruht „auf einer intensiven Analyse und Bewertung von neuen Studiendaten, die erst innerhalb der vergangenen Tage als Vorab-Publikationen verfügbar wurden“. Die Wirksamkeit des Impfstoffs sei in Bezug auf die Verhinderung von Covid-19-Erkrankungen und insbesondere auch in Bezug auf die Verhinderung schwerer Krankheitsverläufe „eindrücklich belegt“ worden, erklärte das Gremium mit Blick auf Daten aus England und Schottland.

Empfohlen sind 12 Wochen zwischen Erst- und Zweitimpfung

Die neuen Studiendaten belegten zudem, dass der Impfstoff noch wirksamer sei, wenn der Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung zwölf Wochen betrage. Diese STIKO-Empfehlungen würden „sehr zeitnah“ in der Impf-Verordnung umgesetzt. Den Entwicklern zufolge hat eine längere Zeitspanne zwischen der Erst- und Zweitimpfung positive Auswirkungen auf die Wirksamkeit. In einer Studie wies der Impfstoff bei einem Abstand von mindestens zwölf Wochen eine Wirksamkeit von 81 % auf, bei bis zu sechs Wochen lediglich 55 %.

Impfstoffvergleich: AZD1222 punktet bei Lagerung und Kosten

Der Impfstoff AZD1222 wurde von dem britisch-schwedischen Pharmakonzern Astrazeneca zusammen mit der Universität Oxford entwickelt. Er wird seit Januar in Großbritannien in großem Stil eingesetzt und kann im Gegensatz zu den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna bei Kühlschranktemperatur gelagert werden und ist zudem preisgünstiger.

Bei allen drei Impfstoffen können Nebenwirkungen wie etwa Kopfschmerzen, Fieber oder Schmerzen an der Einstichstelle auftreten. Diese Reaktion zeigt Experten zufolge, dass der Körper Abwehrstoffe bildet. 2

Curevac steigert mit neuem Partner Novartis die Impfstoffproduktion

Curevac teilte am Donnerstag mit, die Vorbereitungen für den Produktionsstart, für den Technologietransfer und die Testläufe hätten schon begonnen. Novartis wolle bis zu 50 Millionen Dosen bis Ende 2021 und bis zu rund 200 Millionen Dosen im Jahr 2022 herstellen.

„Gemeinsam mit unserem neuen Partner können wir unsere Produktionskapazitäten deutlich erhöhen und unser Fertigungsnetzwerk auf eine noch breitere Basis stellen“, sagte Curevac-Vorstand Florian von der Mülbe.

Prüfverfahren für CVnCoV-Impfstoff im Februar gestartet

Curevac hatte im Herbst 2020 damit begonnen, ein europäisches Netzwerk zur Impfstoff-Herstellung mit mehreren Dienstleistungspartnern aufzubauen. Bislang hat Curevac Vereinbarungen mit Bayer, Fareva, Wacker, Rentschler und anderen geschlossen.

Die EMA hatte das schnelle Prüfverfahren für den Curevac-Impfstoff Mitte Februar gestartet. Die Entscheidung beruht auf den vorläufigen Ergebnissen von Labortests und klinischen Studien. Daraus wird deutlich, dass der Impfstoff die Produktion von Antikörpern gegen das Coronavirus anregt. 3

  1. dpa, 04.03.2021: 13:31 Uhr
  2. dpa, 04.03.2021: 14:35 Uhr
  3. dpa, 04.03.2021: 13:39 Uhr

Bildquelle: © Getty Images/ Veronika Viskova

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