16. Januar 2020

Effizienter vernetzt: Schlagzeugspielen verändert das Gehirn

Menschen, die jahrelang regelmäßig Schlagzeug spielen, unterscheiden sich in Hirnstruktur und -aktivität von unmusikalischen Menschen. Die Ergebnisse einer neuen Studie deuten darauf hin, dass Schlagzeuger weniger, aber dafür dickere Fasern im Hauptverbindungstrakt zwischen den beiden Hirnhälften besitzen. Außerdem sind ihre motorischen Hirnareale effizienter organisiert.1,2

Lesedauer: 2 Minuten

Die Bochumer Forscherinnen und Forscher interessierten sich für Schlagzeuger, weil ihre motorische Koordination die von untrainierten Menschen weit übertrifft. „Die meisten Menschen können feinmotorische Aufgaben nur mit einer Hand ausführen und haben Probleme, mit beiden Händen gleichzeitig unterschiedliche Rhythmen zu spielen“, erklärt Lara Schlaffke. „Schlagzeuger können Dinge, die für untrainierte Menschen unmöglich sind.“ Dass das Spielen eines Musikinstruments das Gehirn über neoplastische Prozesse verändern kann, sei seit längerem bekannt, so die Forscher. Speziell mit Schlagzeugern habe sich zuvor allerdings noch niemand beschäftigt.

Neue Erkenntnisse über Organisation komplexer motorischer Prozesse

Welche Veränderungen im Gehirn dieses Training mit sich bringt, wollte das Team herausfinden und somit neue Erkenntnisse über die Organisation komplexer motorischer Prozesse im Gehirn erlangen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler testeten 20 professionelle Schlagzeuger, die ihr Instrument durchschnittlich seit 17 Jahren spielten und aktuell mehr als zehn Stunden pro Woche übten. Sie untersuchten sie mit verschiedenen MRT-Bildgebungstechniken. Die Daten verglichen sie mit Messungen von 24 unmusikalischen Kontrollprobanden. Beide Gruppen mussten zunächst Schlagzeug spielen, um ihre Fähigkeiten zu testen, und wurden anschließend im MRT-Scanner untersucht.

Deutliche Unterschiede im Corpus Callosum

Schlagzeuger zeigten deutliche Unterschiede im vorderen Teil des Corpus Callosums, einer Hirnstruktur, die die beiden Hemisphären miteinander verbindet und deren vorderer Teil für die Planung der Motorik verantwortlich ist. Die in der Fachzeitschrift Brain and Behavior veröffentlichten Studienergebnisse deuteten darauf hin, dass die Schlagzeuger weniger, aber dickere Fasern in diesem wichtigen Verbindungstrakt zwischen den Hirnhälften aufweisen. Dadurch können die Musiker Informationen schneller zwischen den Hirnhälften austauschen als die Kontrollpersonen. Die Struktur des Corpus Callosums sagte auch die Leistung beim Schlagzeug-Test voraus: Je höher das Maß für die Dicke der Fasern im Corpus Callosum war, desto besser waren die Fähigkeiten beim Schlagzeugspielen.

Effizientere Hirnorganisation – Sparse Sampling

Außerdem war das Gehirn von Schlagzeugern bei motorischen Aufgaben weniger aktiv als das der Kontrollprobanden. Dieses Phänomen wird als Sparse Sampling bezeichnet: Eine effizientere Hirnorganisation in den Arealen sorgt für weniger Aktivierung bei Profis.

1. Schlaffke, Laura et al.: Boom Chack Boom—A multimethod investigation of motor inhibition in professional drummers. Brain and Behavior, 04.12.2019. https://doi.org/10.1002/brb3.1490
2. Wie Schlagzeugspielen das Gehirn verändert. Presseinformation der Ruhr-Universität Bochum. Weiler, Julia; 09.12.2019.

Titelbild: © Getty Images/deepblue4you

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